Verkehr : Tunnelbau: Schrankenlos durch Niebüll

Um die Schließzeiten am Bahnübergang Gather Landstraße zu vermeiden, legt die DB-Netz den Bau einer Brücke oder eines Tunnels nahe

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07. Juli 2015, 05:00 Uhr

Täglich sorgt der Zugverkehr am Bahnübergang Gather Landstraße auf der Straße für Wartezeiten und Rückstau. Um die Schließzeiten dauerhaft zu vermeiden, hat die DB-Netz der Stadt nun den Vorschlag gemacht, den Bahnübergang einfach ganz aufzulösen. Nötig wäre dafür eine städtebauliche Maßnahme, die wohl jahrzehntelange Planung mit sich bringen würde. Infrage käme eine Brücke oder ein Tunnel. Im Rathaus ist man solchen Plänen gegenüber skeptisch.

Das Problem ist bekannt, und es wird sich voraussichtlich noch verstärken: Im Schnitt senken sich die Schranken am Bahnübergang Gather Landstraße acht Mal in der Stunde für jeweils vier Minuten. Die Chance auf freie Fahrt ist damit berechenbar gering. Ab 15. Dezember könnten Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer notgedrungen noch häufiger Züge beim Vorbeifahren beobachten. Grund dafür ist die Ankündigung der Deutschen Bahn (DB), ihre Durchfahrten auf der Strecke Niebüll-Westerland noch zu erhöhen. Derzeit läuft ein Vergabeverfahren zu den lukrativen Verbindungen auf die Ferieninsel, an dem sich neben der DB auch das amerikanische Unternehmen RDC sowie die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) und Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, beteiligen (wir berichteten).

Aktuell hat die DB – so vermuten Insider – gute Karten, den Wettbewerb um die Trassenvergabe für sich zu entscheiden. In Niebüll sieht man einem engeren Fahrplan, der dann ab Jahresende an den Start gehen könnte, mit Sorge. Daher stellte Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt eine Anfrage bei der DB-Netz, die rund 87,5 Prozent des deutschen Schienennetzes verwaltet und auch bei dem Vergabeverfahren das letzte Wort hat. Wie Bockholt in der Stadtvertretung berichtete, hatte er nachgefragt, ob in dem Vergabeverfahren überhaupt jemand an die Auswirkungen auf den Bahnübergang Gather Landstraße denke und man dieses betriebstechnisch im Auge habe. Die schriftliche Antwort des Unternehmens lässt keinen Zweifel daran, dass man bei der DB-Netz eine Beschränkung der Durchfahrten nicht für nötig hält: „Zur Erreichung unseres Unternehmenszieles ’Mehr Verkehr auf die Schiene’ wollen wir dies auch nicht verhindern und aus Gründen des diskriminierungsfreien Zugangs im planfestgestellten Umfang können wir dies auch nicht verhindern.“ Allerdings liefert die DB-Netz auch direkt einen Lösungsvorschlag für die Niebüller Problemlage Gather Landstraße: „Die einzige wirkliche Möglichkeit, das Problem der Schließzeiten auf Dauer zu lösen, ist die Auflösung des Bahnübergangs. Für eine entsprechende Eisenbahnkreuzungsmaßnahme sind wir gerne gesprächsbereit.“

Im Niebüller Rathaus sorgt diese Antwort für Irritation: „Diese Position von DB-Netz kann mich und kann die Stadt Niebüll im Ganzen nicht zufriedenstellen“, wundert sich Bürgermeister Bockholt über die Wahrnehmung der Niebüller Bedenken.

Die Wartezeiten an der Gather Landstraße mit dem Bau einer Brücke oder eines Tunnels zu lösen, will Niebülls Verwaltungschef trotzdem nicht direkt ins Auge fassen. Denn für ein überstürztes Handeln gebe es derzeit keinen Grund: Durch den starken Wettbewerb auf der Strecke, die jährlich rund 40 Millionen Euro abwirft, könne sich die Konstellation der Anbieter auch schneller wieder ändern, so die Hoffnung im Rathaus. Allein das Warten auf Besserung sei aber keine Option: „Sollte es tatsächlich zu einer spürbaren Verschlechterung für uns als Niebüllerinnen und Niebüller kommen, muss man sich zwangsläufig Gedanken machen.“

Sollte es soweit kommen, dann heißt es für Niebüll: Brücke oder Tunnel? Gegen eine Brücke spricht schon jetzt die enge Bebauung durch Bahnhofsgebäude, Tankstelle und angrenzende Wohnhäuser. Denkbar wäre hingegen eine Untertunnelung wie zum Beispiel in Nortorf. Die Stadt im Kreis Rendsburg-Eckernförde baute nach mehr als 20 Jahren Planungs- und Vorbereitungszeit einen Tunnel, der den Verkehr unter zwei Gleisen hindurchführt. In Niebüll müssten gleich fünf Gleise mit teilweise großen Abständen untergraben werden. Ein absehbar aufwendiges wie teures Vorhaben. Bürgermeister Wilfried Bockholt: „In der Wahl zwischen Brücke und Tunnel würde ich einen Tunnel bevorzugen. Aber man darf sich nichts vormachen: Das wäre ein Stadtumbau in einem Umfang, der alles aus der Zeit der Städtebauförderung in den Schatten stellen würde.“

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