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Autoumbau in Südtondern : Tuning: Tiefer, schneller, breiter

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Rund 200 umgebaute Fahrzeuge werden im Jahr an der TÜV- Station in Niebüll geprüft. Die Spezialisten warnen vor Ersatzteilen aus dem Internet.

Niebüll | Auch in Südtondern greifen Bastler regelmäßig zum Schraubenzieher und gestalten ihre Autos um. Heckspoiler, Sportlenkrad und Chromfelgen gehören dabei noch immer zu den beliebtesten Ersatzteilen. Hat das private Schrauben ein Ende, sind die Ingenieure Jürgen Untiet und Torben Bendsen an der Reihe. Die Fachleute vom TÜV-Nord in Niebüll prüfen die umgebauten Pkw dann auf Herz und Nieren und geben entweder grünes Licht für das getunte Auto oder schicken den Bastler mit seinem Wagen zurück in die heimische Garage.

„Im Jahr begutachten wir ungefähr 150 bis 200 veränderte Fahrzeuge“, rechnet Torben Bendsen, Leiter der TÜV-Station Niebüll, vor. Jedes Auto, das mit Teilen ausgestattet wurde, die kein Original sind, muss sich einer zusätzlichen Prüfung unterziehen, um seine Verkehrstauglichkeit zu beweisen. „Wenn Sie jetzt ein neues Sitzpolster aufziehen oder einen farbigen Aschenbecher einbauen, dann braucht das natürlich nicht abgenommen werden“, sagt Jürgen Untiet. Legt man seinen Wagen allerdings tiefer, so muss das ordnungsgemäß in den Fahrzeugschein eingetragen werden. „Hier gibt es zum Beispiel die Vorgabe, dass bis zur Straße mindestens sieben Zentimeter Abstand bleiben müssen.“ Gerade bei dieser Variante des Tunings gibt es häufiger unterschiedliche Auffassung von dem, was erlaubt ist und was die Tuner ihren Wagen zumuten: „Wir hatten hier schon Pkw, die gerade so den Kantstein auf unseren Betriebshof hochkamen – die können im Prinzip gleich wieder umdrehen“, erinnert sich Torben Bendsen schmunzelnd.

Auch wenn die Sachverständigen des TÜV mit dem Klischee des gnadenlosen Prüfers behaftet sind – als „Spaßbremsen“ wollen die Niebüller Ingenieure nicht gelten. „Wir nehmen uns immer gern Zeit für die Bastler und wollen sie bei ihrer Arbeit natürlich auch unterstützen“, sagt Untiet. Deswegen empfehlen die Männer vom TÜV vor einem größeren Umbau des eigenen Fahrzeugs immer erst den Gang in der Prüfstelle. „Mit einem Vorgespräch können sich beide Seiten überflüssige Arbeit sparen“, rät Stationsleiter Torben Bendsen. Und Beratung tut Not: Besonders die Bestellung von Ersatzteilen im Internet kann gefährlich sein. Jürgen Untiet: „Oftmals wird hier verschwiegen, dass die Bauteile in Deutschland keine Zulassung haben – wenn sich das erst bei uns herausstellt, dann ist das für den Käufer natürlich ärgerlich.“

Auf die Frage, warum man sein Auto tunt, hat man bei TÜV in Niebüll eine einleuchtende Antwort: „Die Leute wollen sich von der Masse abheben.“ Zur Wertsteigerung des Automobils dient das teure Hobby hingegen nicht: „Das Geld, das die Besitzer in das Auto stecken, bekommen sie beim Verkauf des Wagens normalerweise nicht zurück“, sagt Jürgen Untied.

Bei den Tuningwagen, die beim TÜV auf den Hof rollen, handelt es sich fast ausschließlich um ältere Fahrzeuge. Der Grund: Neuwagen bieten sehr wenig Spielraum zum Umbau – auch abweichende Ersatzteile gibt es meist kaum. „Menschen mit Wagen der oberen Mittelklasse geben ihr Auto lieber direkt in die Vertragswerkstatt und lassen dort noch ein paar PS rausholen.“

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