Technologien der Zukunft : Trotz Coronakrise: Baustart für Wärmenetz in Bosbüll

Wasserstoff gilt als eine Antriebsform der Zukunft. In Bosbüll wird an der nachhaltigen Herstellung und Lagerung bereits gebaut.
Wasserstoff gilt als eine Antriebsform der Zukunft. In Bosbüll wird an der nachhaltigen Herstellung und Lagerung bereits gebaut.

Coronakrise: In Bosbüll sind Gemeindehaus, Spielplatz und Ferienwohnungen verwaist – doch große Bauprojekte gehen voran

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14. April 2020, 14:48 Uhr

bosbüll | Geschlossenes Gemeindehaus, gesperrter Spielplatz und trotz Osterferien leer stehende Ferienwohnungen – auch in der kleinen Gemeinde Bosbüll sind die Folgen der Coronakrise auf den ersten Blick erkennbar.

„Von einem Tag auf den anderen sind mir zudem fast sämtliche Termine weg gebrochen“, sagt Bürgermeister Ingo Böhm. Er sei froh und auch ein wenig stolz auf die Dorfbewohner, die die durch die Pandemie verursachten Restriktionen – vor allem die Aufforderung, zuhause zu bleiben – scheinbar fast zu konsequent befolgen.

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„Ich denke, bei dem guten Wetter in der letzten Zeit hätten mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein müssen.“

Stattdessen wird es sich wohl in den eigenen vier Wänden mit der Familie gemütlich gemacht. „Jede Krise hat auch ihr Gutes – die Besinnung auf den Wert der Familie und der Nachbarschaftlichkeit zählt sicher dazu“, sagt Ingo Böhm.

Und Letztgenannte funktioniere im Dorf vorbildlich. „Hier kennt und hilft jeder jedem. Darüber hinaus hat Martina Nissen einen Aufruf für alle gestartet, die dennoch Unterstützung benötigen. Natürlich stehe auch ich für solche Anfragen zur Verfügung“, sagt der Bürgermeister.

Leere Ferienwohnungen

Martina Nissen bietet im alten Reetdach-Anwesen Bosbüll-Huus mehrere Ferienwohnungen zur Vermietung an, die nicht nur in den Osterferien ausgebucht gewesen wären.

Leidet unter der Krise auch die Kommunalpolitik? Bei dringend erforderlichen Entscheidungen beispielsweise in der Bauleitplanung könnte der Bürgermeister diese auch per Eilentscheidung treffen und später von der Gemeindevertretung nochmal abstimmen lassen.

„Doch zum Glück hatten wir gerade alle wichtigen Beschlüsse für unsere großen Projekte getroffen“, sagt Ingo Böhm. Deshalb herrsche kein Stillstand in der Gemeinde. Am Projekt eFarming werde bereits gebaut. „Und für unser Wärmenetz rechne ich mit dem ersten Spatenstich am 15. Mai“, sagt Ingo Böhm.

Aus Windkraft wird Wasserstoff

Beide Projekte hängen zusammen. Denn die in den Wind- und Solarparks der Gemeinde gewonnene Energie soll künftig vor Ort zu Wasserstoff veredelt werden. Die Umwandlung erfolgt in einem Elektrolyseur, der gepresste Wasserstoff wird in mobilen Containern gelagert.

Die bei der Produktion des Wasserstoffs anfallende Wärme soll dann für das eigene Nahwärmenetz genutzt werden.

Ihm sei bewusst, dass die derzeitigen Einschränkungen einen großen Eingriff in das gesellschaftliche Leben auch seiner Gemeinde darstellen – besonders mit Blick auf die Kontaktsperre.

Das Anfahren des Schulbetriebs unter strengen Auflagen wird eine Herausforderung Ingo Böhm
 

„Auch uns fällt es schwer, dass wir nicht einmal über Ostern meine Schwiegermutter besuchen durften. Menschliche Kontakte sind einfach unersetzbar und wertvoll, auch das erkennen wir jetzt. Allerdings sehe ich zu den beschlossenen Einschränkungen keine Alternative“, betont der Bürgermeister.

Eine erste Deadline für ein Ende des kompletten Verbot-Pakets ist ja der 19. April. „Wenn überhaupt wird ab dann aber nur wenig gelockert werden.

Ich rechne damit, dass zuerst die Schulen und Kindergärten langsam und begleitet von strengen Schutz- und Hygieneauflagen langsam wieder hoch gefahren werden“, sagt Ingo Böhm, der auch Vorsitzender des Schulverbands Südtondern ist.

Geduld und Vernunft

Diese Auflagen, zu denen auch eine begrenzte Zahl von Schülern pro Raum zählen werden, zudem noch in Abiturprüfungszeiten umzusetzen, werde eine Herausforderung.

Als Amtsvorsteher hat Ingo Böhm natürlich auch immer den Blick auf ganz Südtondern: „Die Geduld und Vernunft der Menschen ist trotz der erheblichen finanziellen Einschnitte für viele bewundernswert.“

Gesundheit geht vor

Wichtig sei, dass ebenfalls unter strengen Auflagen die Kitas und auch zumindest einige Geschäfte wieder geöffnet werden könnten, damit mehr Südtonderaner arbeiten oder überhaupt erst wieder etwas verdienen könnten.

„Die Gesundheit unserer Einwohner steht aber über allem“, betont Ingo Böhm, der als Informationsquelle für alle Fragen rund um dieCoronakrise die Homepage der Amtsverwaltung empfiehlt.

Er appelliert an die Einwohner des größten Amtes in Schleswig-Holstein: „Haben Sie weiter Geduld. Zusammen werden wir es schaffen, diese Krise zu bewältigen.“

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