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Trio Eschenburg: Empfindsam und ausdrucksstark

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Verein der „Musikfreunde in Leck und Umgebung“ setzte die Reihe seiner kammermusikalischen Darbietungen fort, indem er – im Rahmen seines bereits 236. Konzertes – das junge, aber bereits mehrfach hochkarätig ausgezeichnete „Trio Eschenburg“ im Sitzungssaal des Lecker Rathauses präsentierte. Die drei Instrumentalisten – Violetta Khachikyan (Klavier), John Doig (Violine) und Mathias Johansen (Violoncello) – erwiesen sich als hervorragend aufeinander eingespieltes Ensemble, das hinsichtlich seiner Spieltechnik, musikalischen Empfindsamkeit und Ausdrucksstärke keine Wünsche offen ließ.

Als Sprecherin der Trios bot die Pianistin Violetta Khachikyan dem Publikum einleitend eine kurze Einführung in das Programm. Dessen ausgewählte Werke stammten ausnahmslos aus der Zeit, in der die Komponisten davon abgekommen waren, dem Piano die Führung zu überlassen und das Cello – wie bei den barocken Triosonaten – im Wesentlichen dazu einsetzten, die Bassstimme des Klaviers zu verstärken. Vielmehr spielten alle Trio-Angehörigen gleichrangig „auf Augenhöhe“, wobei alle drei im Wechsel die Stimmführung übernahmen oder sich dienend unterordneten.

Als erstes Werk erklang das jugendlich frisch und unbekümmert klingende „Klaviertrio G-Dur, WoO 39“ von Ludwig van Beethoven, das erst nach dem Tode des Komponisten veröffentlicht wurde. Geschrieben hatte Beethoven es für die damals zehnjährige Tochter „Maxe“ seiner Freundin Antonie Brentano „zu ihrer Aufmunterung im Klavierspielen“. Die viel Optimismus ausstrahlende Komposition besteht aus nur einem Satz: einem Allegretto. Das Trio Eschenburg ließ es fröhlich und technisch untadelig erklingen.

Es folgte das „Klaviertrio c-moll, op.101,“ von Johannes Brahms, das mit energischen Rhythmen und Unisono-Passagen der Streiche begann und sich im Verlaufe seiner vier Sätze von höchst unterschiedlichem Klangcharakter erwies. Von besonderem Reiz waren der bezaubernd poetische, wenngleich gedankenschwere zweite Satz („Presto non assai“) und das temperamentvolle Finale, das die Musiker durch meisterliches Wechsel- und Zusammenspiel hervorragend zur Geltung brachten.

Alle drei Instrumentalisten hatten und nutzten ihre Gelegenheiten, ihr virtuoses Können überzeugend unter Beweis zu stellen. Spieltechnische Schwierigkeiten schienen weder die mit unglaublich rasanten Läufen aufwartende Pianistin Violetta Khachikyan, noch John Doig und Mathias Johansen zu kennen. Letztere ließen ihre Streichinstrumente mal singen, dass es eine Freude war, zuweilen aber auch äußerst stürmisch agieren.

Als drittes Werk des Abends führte das Trio Eschenburg das Klaviertrio Es-Dur, D 929, von Franz Schubert auf, eine der anspruchsvollsten und zugleich längsten Kompositionen, die jemals für diese Besetzung geschrieben wurden. Die existentielle Spannung des klangschönen Werkes deutete intensiv auf die zeitliche Nähe zum Liederzyklus „Winterreise“ hin. Der Gestaltung und Verarbeitung seiner Themen legte Schubert mehrere schwedische, aber auch selbst verfasste Lieder zugrunde, die unmittelbar ins Ohr gingen. Als besonders reizvoll erwiesen sich die musikalischen Dialoge, welche die Streicher teils miteinander, teils mit dem Klavier ausführten, sowie viele präzise Pizzicati, die sie zum Klavierpart beisteuerten. Als Dank für den Beifall, in dem sich die Begeisterung des Publikums widerspiegelte, wartete das Trio Eschenburg noch mit einer Zugabe auf: einem Auszug aus dem sanften „Scherzando“ aus dem zuletzt gespielten Werk.

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erstellt am 22.Mär.2016 | 13:00 Uhr

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