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Auzeichnung für Isländer : Traumnoten für Hengst Romeo

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Pferd aus Dagebüll wurde als bester, in Deutschland gezogener Isländer ausgezeichnet – nun stehen Sponsoren vor der Tür.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 03:58 Uhr

Dagebüll | „Romeo muss liebevoll behandelt werden“, sagt Harald Wolf. Und genauso blickt der 74-Jährige auch auf die Fotos, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Sie zeigen den dunklen Isländer-Hengst, neun Jahre alt – und der ganze Stolz von Harald Wolf, der seit Jahrzehnten im nördlichen Dagebüll auf dem Hof Woogebreeger hinter dem Deich lebt – allein, mit seinem Hund und mit drei Pferden. Sie stehen auf einer Weide, die ebenfalls dem Pferdezüchter gehört, auf die er von einem Fenster des Wohnzimmers schauen kann. Sobald er auf seine Tiere blickt, zeichnet sich ein Lächeln auf das Gesicht, seine Augen fangen an zu strahlen – und die Geschichten sprudeln aus dem sonst eher in sich gekehrten Mann heraus.

Die meisten handeln von Pferden, von Romeo, wie er ihn als Fohlen sah – „und sofort wusste, der ist etwas ganz Besonderes“. Von der Freude, ihn aufwachsen zu sehen, von seiner Körung im Alter von vier Jahren. „Durch Romeo ist für mich ein Traum wahr geworden – damit haben ich in meinem Leben nicht mehr gerechnet“, sagt der Züchter aus Dagebüll. Gemeint ist ein tatsächlich beachtlicher Erfolg. Bei der größten internationalen Zucht-Show für Isländer-Pferde außerhalb Islands in Ehndorf bei Neumünster wurde Romeo vor kurzem als bestes deutsch gezogenes Pferd ausgezeichnet – ein Erfolg, der Sponsoren anlockt, die Deck-Gebühr für den Traum-Hengst in die Höhe treibt und ermöglicht, dass Romeo bei allen Spitzenturnieren laufen darf. Ein Erfolg, der aber vor allem bei seinem Besitzer nachhaltig große Freude und zu Recht auch Stolz verursacht hat. „Ich habe doch nur die Pferde, da wird so ein Erfolg mindestens zum schönsten Ereignis des Jahres“, sagt Harald Wolf.

Sein Romeo konnte nur deshalb so erfolgreich sein, weil er fachkundig und täglich trainiert wird, vor allem in den fünf Gängen, die so typisch für diese robuste und freundliche Pferderasse sind. Beim höchsten Gang scheint es so, als ob die Isländer fliegen, kein Huf ist mehr am Boden. Das dafür erforderliche Training kann Harald Wolf selbst nicht mehr leisten. „Auf meiner Isländer-Stute bin ich zwar nochmal unterwegs, doch ich werde langsam zu alt fürs Reiten. Das Niveau, das Romeo braucht, ist schon echter Sport“, sagt der Züchter. Deshalb ist Romeo nur noch selten in Dagebüll, und viel in Dänemark. Dort wird er auf einem Hof von der jungen talentierten Reiterin Cecilie Katrine Salling und ihrer Familie trainiert, ausgebildet und umsorgt. Wenn Romeo dann doch mal für eine Zeit nach Hause kommt, mit den anderen Pferden über die Dagebüller Marschwiesen fliegt, ist das für Harald Wolf ein ganz großes Glück. „Ich sehe ihn aber immer oft, ich nutze jede Gelegenheit, um nach Dänemark zu fahren, um Romeo zu besuchen und beim Training zuzuschauen.“ Und natürlich war er auch bei der großen Pferdeschau bei Neumünster dabei.

Die Mutter des Pferdezüchters stammt aus Dagebüll, doch aufgewachsen ist er in Hamburg. „Dort gab es, als ich ein kleines Kind war, noch einige Pferdefuhrwerke. Sobald ich so eines sah, war ich weg“, erinnert sich der große Pferde-Liebhaber. Warum hängt sein Herz besonders an den Isländern? „Als ich mit der Pferdezucht angefangen habe, waren meine Kinder noch klein. Die Isländer konnten von Erwachsenen und Kindern geritten werden“, sagt Harald Wolf. Dabei habe er erfahren, wie gutmütig, kernig, freundlich und sanftmütig diese Rasse ist. „Da habe ich mich lebenslang in diese Tiere verliebt“, sagt der Dagebüller.

Sein großes Grundstück, seine Weide als Bauland zu veräußern, für das in Dagebüll derzeit die Preise in die Höhe steigen – das käme Harald Wolf niemals in den Sinn. „Die Pferde sind mein Leben, so lange es mich gibt, werden auch sie hier sein“, sagt er. Und hoffentlich auch noch länger. Die Chancen dafür stehen gut, denn der Sohn des Züchters plant, nach Dagebüll zurück zu ziehen und sich dann auch mit um die Isländer zu kümmern. Er selbst freut sich derzeit auf ein neues junges Pferd, Vater ist sein Romeo. „Ich weiß, ich bin nicht mehr der Jüngste, aber ich kann einfach nicht aufhören, mich für Isländer zu begeistern.“

Harald Wolf sieht auf den ersten Blick, ob es seinen Schützlingen gut geht. So wechselte er auch für seinen Romeo vor einiger Zeit den Ausbilder. „Auch vorher war er bei einem guten Reiter. Doch der ist nicht genug auf ihn eingegangen, Romeo war oft verspannt.“ Das sei nun bei Cecilie anders. „Sie ist ein schlaues Mädchen und sie versteht mein Pferd, sagt Harald Wolf, „sie weiß, dass Romeo einen liebevollen Umgang braucht.“

 

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