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Nordfriesland Tageblatt

24. September 2017 | 16:13 Uhr

Begleitung : Trauer – Die Suche nach dem Ausweg

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Neues Angebot ab 9. April: Diplom-Sozialpädagogin Susanne Friederichsen koordiniert die ehrenamtlichen Trauerbegleiter in Südtondern.

Susanne Friederichsen (56) ist Diplom-Sozialpädagogin und seit dem 1. März Koordinatorin und Ansprechpartnerin für die ehrenamtlichen Trauerbegleiter in Südtondern. Eingestellt wurde sie für das Hospiz- und Palliativzentrum von der Wilhelminen-Hospiz gGmbH und hat ihr Büro, wie der Ambulante Hospizdienst, im Westersteig 6. Hier befinden sich seit kurzem auch die Seminarräume. Die Flensburgerin und Christel Tychsen, Geschäftsführerin des Wilhelminen-Hospiz erklären in einem Gespräch, was Trauer ist und worum es ihnen bei ihrer Arbeit geht.

Was ist Ihre Hauptaufgabe?

Susanne Friederichsen: Ich bin Ansprechpartnern für die derzeit 15 ehrenamtlichen Einzel-Trauerbegleiter. Sie sind ausgebildete Sterbebegleiter und haben eine zusätzliche Trauerausbildung.

Christel Tychsen: Bisher wurde die Koordination vom Ambulanten Hospizdienst übernommen. Jetzt haben wir uns entschlossen, für die Koordination Frau Friederichsen einzustellen. Bezüglich der Trauerarbeit sind wir gut vorbereitet und fangen nicht bei Null an. Wir greifen auf einen Grundstock unserer bisherigen Erfahrungen zurück.

 

Wie arbeiten Trauerbegleiter?
Friederichsen: Sie fahren nach Hause, besuchen die Hinterbliebenen der Verstorbenen. Das können auch Freunde und Angehörige von Trauernden sein, die nicht wissen, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Die Begleiter geben Hilfestellung. Die Aufarbeitung kann aber auch hier in unseren Räumlichkeiten in Einzelgesprächen, aber auch in Gruppen zu bis zu zwölf Personen erfolgen.

 

Wo liegen die größten Probleme?

Friederichsen: Trauer – das ist nicht nur Traurigkeit. Das ist viel mehr. Dazu gehört auch Wut, Ohnmacht, Fassungslosigkeit. Trauerbegleiter helfen, der Trauer Ausdruck zu verleihen. Die Trauerbegleitung wird ein immer größeres Gewicht haben. Wichtig ist, Trauer in die Gesellschaft zu tragen und sie nicht zu verstecken. Das ist häufig sehr schwierig. Trauer macht nicht selten hilflos. Sie ist aber eine heilsame Reaktion auf einen Verlust und ein sehr starkes Gefühl der Wandlung.

 

Wie kann man der Trauer begegnen?

Friederichsen: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, der Trauer zu begegnen. Das kann durch reden, weinen, schreiben geschehen, aber auch durch malen, musizieren oder sich in der Natur bewegen. Es ist besser in den Wald zu gehen und einmal laut zu schreien, als alles in sich hineinzufressen.

Tychsen: Es ist wichtig herauszufinden, wie die jeweiligen Menschen mit der Problematik umgehen. Wir sind alle Individuen.

Haben Trauernde Hemmungen, sich an Sie zu wenden?

Friederichsen: Nein. Für Trauernde, deren Angehörige im Wilhelminen-Hospiz gestorben sind, ist es sogar ein nahtloser Übergang.

Tychsen: Es ist auch ein Generationenproblem. Es kommt darauf an, wie habe ich es gelernt, mit der Trauer umzugehen. Aber dieser Prozess ist gerade im Wandel. Die Hemmschwelle ist nicht hoch. Witwer und Witwen finden schneller den Zugang zu uns.

 

Was ist Ihr Ziel ?

Friederichsen: Wichtig es es mir, eine Vernetzung hinzubekommen, das heißt mit Pastoren, Bestattern und anderen Kontakt aufzunehmen.

Tychsen: Niemand der Hinterbliebenen soll das Gefühl haben, mit der Trauer alleine bleiben zu müssen. So viele derartige Angebote von Trauerarbeit gibt es nicht. Wenn wir es nicht machen, wer dann?

 

 

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