Grünanlage : Transformation eines Friedhofs

Friedhofspark: Der vordere Teil an der Kirche ist weiter für Gräber vorgesehen, der hintere Teil soll in einigen Jahren ausschließlich als Park genutzt werden.
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Friedhofspark: Der vordere Teil an der Kirche ist weiter für Gräber vorgesehen, der hintere Teil soll in einigen Jahren ausschließlich als Park genutzt werden.

Weil 700 Gräber zu viel sind, wurde die Begräbnisstätte an der St. Gallus-Kirche in Galmsbüll teilweise zu einem Park umgestaltet.

shz.de von
04. Juni 2018, 06:00 Uhr

Eine bunte Blütenpracht, Wildblumenwiesen, Sitzgruppen, ein Veranstaltungsplatz – all das lässt auf den ersten Blick nicht unbedingt auf einen Friedhof schließen. In Neugalmsbüll an der St. Gallus-Kirche sind es aber genau diese Dinge, die seit geraumer Zeit zu dem Charakter des dortigen Friedhofs dazugehören. Der Grund dafür ist die teilweise Umwidmung des Areals in einen Park, die vor fünf Jahren von der Kirchengemeinde Emmelsbüll-Neugalmsbüll angestoßen wurde.

Zu dieser Zeit begann der Galmsbüller Friedhof defizitär zu werden. „Die Anlage ist für 700 Grabplätze ausgerichtet, aber wir brauchen davon nur 200. Und 700 Gräber pflegen geht finanziell nicht“, erklärt der Vorsitzende Rolf Wiegand. Derzeit seien 160 Erd- oder Urnengräber belegt. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit entschied sich die südtonderaner Kirchengemeinde daher schon 2013, einen neuen Weg zu gehen, und im hinteren Teilen des Friedhofs einen Park zu gestalten. Die Umsetzung der vorausschauenden Idee musste wegen der fehlenden Finanzierungsmöglichkeit zwar noch einige Jahre warten, mittlerweile ist die Umgestaltung, der ein Entwurf der Landschaftsarchitektinnen Sandra Böhnert und Dunja Kirchner zu Grunde liegt, aber größtenteils abgeschlossen – dank der Unterstützung der Bürgerwindpark-Stiftung. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Galmsbülls Bürgermeisterin Sinje Stein.

Im Zentrum der Anlage befindet sich nun ein etwa 75 Meter langes und 20 Meter breites Oval, das demnächst noch mit Sitzgelegenheiten und Tischen ausgestattet werden soll. „Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass hier in Zukunft Erntedankgottesdienste, Kindergottesdienste oder kleine Außenkonzerte stattfinden“, sagt Rolf Wiegand. Auch für Boule oder Schach sei die Fläche geeignet. „Es müssen aber Dinge mit einem ruhigen Charakter sein, wenngleich gelacht und gescherzt werden darf.“

Dem Vorsitzenden der Kirchengemeinde ist wichtig, einen angemessenen Mittelweg zu finden. Da ist auf der einen Seite der Friedhof – ein Ort, an dem Verstorbene ihre letzte Ruhe finden, an dem Angehörige und Freunde trauern können – und auf der anderen Seite, mit einem fließenden Übergang, der Park – ein Ort, an dem Menschen miteinander reden, lachen und Spaß haben. Wie passt das zusammen? „Da haben wir uns natürlich Gedanken drüber gemacht. Das Sterben gehört zum Leben dazu, und zum Leben gehört das Sterben“, sagt Wiegand. Der 75-Jährige zweifelt nicht daran, dass das Nebeneinander von Park und Friedhof funktioniert. Vielmehr glaubt er, dass der Park helfen kann, „nach einer Trauerzeit wieder froh zu werden. Denn die Pflanzen, Farben und Vogelklänge um einen herum bereiten Freude.“

Im Zuge der Umgestaltung wurde nicht nur das Oval angelegt, um das herum – auch im Sinne der Insekten – gerade eine Wildblumenwiese entsteht. Es wurden auch 22 Bäume und Hecken gepflanzt, Wege befestigt, Sitzgruppen installiert. Zudem lässt die Gemeinde an der westlichen Seite des Friedhofs demnächst einen Fahrradweg bauen, der den Kirchenvorplatz über den Friedhofsgraben hinweg mit dem Mitteldeich verbindet. Auf diese Weise werde das „wunderschöne Gelände“, wie Sinje Stein es nennt, auch von der hinteren Seite erschlossen und zugänglich gemacht. „Dadurch erhoffen wir uns eine weitere Belebung“, erklärt die Galmsbüller Bürgermeisterin.

Die Gräber, die momentan noch im hinteren Teil zu finden sind, bleiben bis zum Ende der Pachtverträge erhalten und werden vom Friedhofsgärtner gepflegt. Für die Pflege der Parkflächen kommt die Gemeinde auf. Was jetzt noch fehlt, ist eine offizielle Einweihung. „Darauf freuen wir uns schon sehr“, meint Sinje Stein. Etwas gedulden müssen die Galmsbüller sich aber noch – schließlich soll dann auch Gerald Rohrmann, der ab dem 1. August neuer Pastor der Gemeinde ist, dabei sein. Bis dahin laden die bunten Blumen und singenden Vögel aber schon zum entspannten Verweilen ein – immer mit Rücksicht auf die Ruhenden.

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