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Tote Schafe im Stall: Landwirt wegen Tierquälerei vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 26.Mär.2015 | 10:03 Uhr

Als die Amtsveterinärin am Mittwoch, 7. Mai 2014, einen Hof bei Leck betrat, wollte sie gemeinsam mit einem hinzugezogenen Verwaltungsbeamten Meldungen über verendete Tiere nachgehen. Zeugen hatten mehrere tote Schafe auf dem Gelände entdeckt. Doch das, was die Tierärztin zwischen Ställen und Koppel vorfand, war auch für die Tiermedizinerin nicht alltäglich. „Es bot sich uns ein Bild, das nicht der guten landwirtschaftlichen Praxis entsprach.“ In einem Stall fanden die Besucher auf kleinem Raum elf tote Lämmer und mehrere tote Muttertiere. „Die lebenden Tiere mussten auf den toten liegen“, so die Veterinärin. Die Schafe hätten sich in unterschiedlichen Verwesungszuständen befunden. Auch Knochen und Knochensplitter hätten stellenweise herumgelegen. Ebenso waren viele Rinder des Landwirts in schlechter Verfassung: 16 Tiere litten demnach an Schnabelklauen, einer krankhaften Verwachsung der Hufe. Ein Tier war zudem stark abgemagert, und eine weitere Kuh litt an einer akuten und stark geschwollenen Entzündung des Laufs.

Gestern musste sich Landwirt Peter H.* vor dem Amtsgericht Niebüll für die Zustände auf seinem Hof verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf dem 64-Jährigen Straftaten nach dem Tierschutzgesetz vor. Der Halter habe in mehreren Fällen die fachgerechte Versorgung seiner Schafe und Rinder unterlassen. Auch habe er nichts unternommen, um das Leiden der Tiere zu beenden, so die Anklageschrift.

Mit der Anklage konfrontiert, ließ der Landwirt über seinen Anwalt die Vorwürfe im Kern bestätigen. „Im Laufe der Jahre ist es immer schwerer für ihn geworden – in Wirklichkeit weiß er, dass es so war.“ Aufgrund seines Alters sei dem Mann die Pflege seiner damals 260 Schafe und bis zu 130 Rinder über den Kopf gewachsen. Auf die Frage der Richterin, warum er es nicht geschafft habe, die vielen Kadaver wegzuräumen, antwortete der Angeklagte: „Dazu bin ich nicht gekommen.“ Ähnlich sei es mit regelrechten Kotbergen im Kuhstall gewesen. Auch für die Reinigung der Ställe habe er nicht die Zeit gefunden, gab der Landwirt an.

Neben der Amtstierärztin war auch der Verwaltungsbeamte, der im Vorjahr den Hof betreten hatte, als Zeuge geladen. Der 60-Jährige erinnerte sich an einen „grausigen Anblick“ und „starken Verwesungsgeruch“ auf dem Gelände. Er war sich sicher, dass die betroffenen Tiere „über einen längeren Zeitraum stark gelitten“ hätten. Zur Verteidigung seines Mandanten führte der Anwalt des Landwirtes an, dass dieser seinen Tierbestand seit dem „Vorfall“ erheblich verkleinert habe. Seine Schafe habe er verkauft und heute lediglich noch 85 Rinder auf seinem Hof zu versorgen. Auch plane er im Februar 2016 seinen Ruhestand.

Um sich ein abschließendes Bild über den Fall machen zu können, vereinbarten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht für Ende April einen Ortstermin auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Peter H. Es soll geklärt werden, ob sich die Zustände dort verbessert haben. Erst im Anschluss an diesen Termin wolle das Gericht ein Urteil fällen, kündigte die Richterin an.

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Name von der Redaktion geändert

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