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Nordfriesland Tageblatt

22. November 2017 | 14:07 Uhr

Niebüll : Tote Krähen – Polizei ermittelt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Vögel wurden nach Rodungsarbeiten in der Nähe einer neuen Wohnanlage gefunden – nun liegen Stellungnahmen von Firmen und Behörden vor.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Der Anblick schockierte: Zwischen gefällten Bäumen lagen zahlreiche tote und verletzte Saatkrähen. Die Bäume waren am Montag im Zusammenhang mit Bauarbeiten für die ambulante Wohngemeinschaft im neuen Schreberweg gefällt worden. Dem Einsatz fielen die jungen Vögel, die noch nicht fliegen konnten, zum Opfer. Sie hatten auf den Bäumen ihre Nester. Seitdem bewegt der Fall die Menschen in und außerhalb Niebülls. Nachdem das Nordfriesland Tageblatt berichtet hatte, meldeten sich entsetzte Naturschützer. RTL sendete einen Fernsehbeitrag über die „Tierquälerei in Niebüll“. Die Umweltschutzpolizei ermittelt.

Das betroffene Gebiet hatte ein Polizist auf rund 100 Quadratmeter geschätzt. Sarah Fee Ketelsen und weitere Helfer hatten dort 41 teils schwer verletzte Tiere aufgelesen. Etwa 40 weitere lagen tot auf dem Boden. „Und von den geretteten Vögeln sind inzwischen auch schon mehr als zehn an ihren Verletzungen gestorben“, sagte Ketelsen gestern.

Fotos der verletzten Krähen, die Ketelsen auf Facebook hochgeladen hatte, wurden unter anderem vom „Tierschutz Niebüll und Umgebung“ geteilt – und von vielen Menschen wütend kommentiert. Ihr Zorn richtete sich unter anderem gegen den Bauherrn: die Gewoba Nord.

Gestern äußerte sich die Baugenossenschaft in einer Pressemitteilung. Die Freilegungen des Grabens, um die Wohnanlage entwässern zu können, und die dafür erforderlichen Baumfällungen seien mit dem Amt Südtondern und der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt gewesen, hieß es. „Wir bedauern es außerordentlich, dass bei den Baumfällungen diverse Krähen verletzt wurden und einige sogar gestorben sind. Uns ist klar, dass dies nicht hätte passieren dürfen.“ Die Gewoba Nord werde uneingeschränkt mit den Behörden kooperieren, um zur Aufklärung der Geschehnisse am Schreberweg beizutragen.

Die Untere Naturschutzbehörde teilte dem Nordfriesland Tageblatt auf Nachfrage mit: „Das fragliche Gebiet ist im geltenden Bebauungsplan Nr. 62 der Stadt Niebüll, mit der Forstbehörde abgestimmt, als Wald ausgewiesen.“ Im Wald würden die Fristen des Schnitt- und Rodungsverbotes nicht gelten. Es sei daher grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass dort Bäume gefällt wurden. Unabhängig davon sei allerdings stets der Artenschutz zu beachten. Vor der Rodung der Bäume hätten die Arbeiter zwingend prüfen müssen, ob Nistplätze betroffen sind. Krähen stehen zudem unter Naturschutz.

Weiter hieß es in der Stellungnahme: „Wir gehen davon aus, dass der Umweltschutzdienst der Polizeidirektion Husum den Vorfall von Amts wegen der Staatsanwaltschaft Flensburg meldet, die dann ein Strafverfahren gegen die verantwortlichen Arbeiter einleiten wird.“

Die Arbeiten erledigte das Garten- und Landschaftsbauunternehmen „Dieter Schnoor“ aus Hüsby (Kreis Schleswig-Flensburg). Sven Schnoor, einer von zwei Geschäftsführern der Firma, hatte am Donnerstag lediglich gesagt, er könne keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben. Ihm sei bislang nur bekannt, dass die Polizei mit dem verantwortlichen Bauleiter gesprochen habe.

Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume erklärte gestern, vor Arbeiten im Bereich von Brutplätzen sei eine Ausnahmegenehmigung notwendig. Es habe jedoch keine Anfrage bei seiner Behörde, die für solche Fälle zuständig sei, gegeben. Nicht nur sei offenbar allgemein gegen Tier- und Naturschutz verstoßen worden, Vogelkolonien seien zudem besonders geschützt. „So etwas habe ich in 30 Jahren noch noch nicht erlebt“, sagte Albrecht zu dem Fall.

Sein Kollege Walther Petersen-Andresen aus Dagebüll erklärte, junge Krähen fielen normalerweise nur in Einzelfällen aus ihren Nestern. Er schließe daher aus, dass ein Naturereignis die Ursache für den Tod der Tiere sein könnte. Insgesamt 512 Nester habe er am Donnerstag in den verbliebenen Bäumen am Schreberweg gezählt. „Die Krähenkolonie ist so groß, die kann man gar nicht übersehen. Und selbst wenn man blind ist, hört man sie.“

Viele Jungkrähen haben bei der Wildtierhilfe Fiel in Nordhastedt (Kreis Dithmarschen) Unterschlupf gefunden. Sarah Fee Ketelsen hatte sie dort abgegeben. „Viele der Tiere sind schon fast flügge“, sagte Dirk Fußbahn. Er ist der Leiter der Station, die sich ausschließlich durch Spenden finanziert. Fußbahn hofft, die Vögel nach und nach wieder auswildern zu können.

Die Gewoba Nord teilte gestern abschließend mit: „Wir möchten uns bei Fee Ketelsen und allen anderen bedanken, die sich um die Krähen gekümmert haben.“ Die Baugenossenschaft habe sich mit der Wildtierhilfe Fiel in Verbindung gesetzt, um die Pflege der verletzten Tiere zu unterstützen.

Weitere Infos zur Wildtierhilfe Fiel gibt es unter www.wildtierhilfefiel.de oder unter der Telefon-Nummer: 04804/186514.

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