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Orkantief Sebastian : Tore zu den Inseln in Niebüll und Dagebüll sind wieder geöffnet

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Am Tag nach dem ersten großen Herbststurm zieht die Südtonderaner Feuerwehr Bilanz. Züge nach Sylt und Fähren fahren wieder.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 14:06 Uhr

Niebüll | Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern ist am Mittwoch Orkantief Sebastian über Südtondern gefegt. Begleitet von heftigen Regenfällen hat der erste große Herbststurm des Jahres am heftigsten an der Küste  getobt, sagte Rüdiger Hartig, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Am späten Nachmittag gab es demnach die stärksten Böen – die zum späten Abend abflauten. Die Folgen des Unwetters hielten am Abend die Freiwilligen Feuerwehren im Amtsgebiet auf Trab. Zu größeren Einsätzen kam es aber nicht – auch verletzt wurde niemand, sagte  der Amtswehrführer des  Amtes Südtondern, Oliver Jacobsen.  15 Mal mussten die Helfer demnach bis in den späten Abend ausrücken.  Zwischen 18.30 Uhr und 20.30 Uhr  häuften sich die Einsätze: In Niebüll lag ein Baum auf der Straße, zudem drohte eine Plane von einem Neubau zu wehen und ein Trampolin musste gesichert werden, damit es nicht wegfliegen konnte. Auch in den anderen Gemeinden – darunter  Risum, Leck, Galmsbüll, Humptrup und Aventoft –  mussten Bäume und größere Äste von den Straßen geholt werden – auch Bäume die drohten zu fallen wurden gesichert.

Der letzte Sturm-Einsatz wurde laut Feuerwehr um 20.40 Uhr in Neukirchen gefahren. Bei der Niebüller Polizei ging es deutlich ruhiger zu. „Sturm bedeutet für die Polizei meist, dass es ruhiger wird“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Menschen die Streit suchten  oder potenzielle Einbrecher blieben dann eher zu Hause.

Die  Züge von und nach Sylt  rollten am Donnerstag wieder nach Plan. „Am Niebüller Bahnhof  fahren sowohl Autozug, als auch Personenzüge wieder“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) am Morgen. Der Sylt Shuttle der DB sowie der blaue Autozug von RDC hatten ihren Betrieb am Mittwochmittag komplett eingestellt. Auch die Personenzüge fuhren zwischen Niebüll und Westerland ab 17 Uhr nicht mehr.  Auch auf dem Wasser liefen die Motoren am Donnerstag wieder: Um 5 Uhr  legten  in Dagebüll die ersten Fähren in Richtung Amrum und Föhr ab. Die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) hatte  den Fährverkehr zwischen Dagebüll, Föhr und Amrum sowie zwischen Schlüttsiel und den Halligen  auf Grund des Sturmtiefs und des damit verbundenen Hochwassers am Mittwoch komplett eingestellt. 

Zahlreiche Menschen, die mit dem Auto oder in Bussen mit dem Zug über den Hindenburgdamm  oder mit der Fähre vom dänischen Rømø aus nach Sylt wollten,  quartierten sich  – zwangsweise – vorübergehend auf dem Festland ein, als ihre Reise abrupt unterbrochen wurde. Nicht alle hatten dabei Erfolg, denn die Unterkünfte in Niebüll und Dagebüll waren schon am frühen Abend komplett voll. Auch die  Jugendherberge in Niebüll musste Extrabetten in den Tagungsräumen aufstellen, um den ungezählten Gästen Obdach zu geben.  Zahlreiche Menschen waren am Abend händeringend auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht. Mit einer spontanen Aktion bei Facebook besorgte ein  Niebüller 18  Hilfesuchenden ein Bett. „Übernachtungsmöglichkeiten für Gestrandete in Dagebüll&Niebüll“ heißt die Gruppe, die Fabian Johansen gestern Abend im Sozialen Netzwerk gründete.

Menschen, die  in Niebüll und im Umkreis von rund 15 Kilometern Schlafplätze anbieten wollten, konnten sich dort melden.  „Nordfriesland hält zusammen im Auge des Sturms“, schrieb der Administrator. Einige hatten sich sogar von weiter entfernten Gemeinden auf den Weg gemacht, um Menschen am Niebüller Bahnhof abzuholen, heißt es dort. In einem Post beklagt er, dass am Mittwoch Notfallpläne gefehlt hätten und die Bahn  keine Busse eingesetzt hatte, um die Menschen – angesichts fehlender  Unterkünfte im Norden Nordfrieslands –  in Hotels nach Flensburg zu bringen.  Von 17.30  bis 22 Uhr sei er demnach „fast durchgehend“am Bahnhof, aber „es war niemand Offizielles zusehen“, klagt er. Auch das Bistro am Bahnhof hatte demnach geschlossen. Trotzdem: Seine Aktion zeigt, wie gut spontane Hilfe funktionieren kann. „Danke an alle die so schnell geholfen haben“, schreibt Fabian Johansen.

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