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Tierische Naturschützer mit gesegnetem Appetit

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Eine Herde Galloways grast im Oldensworter Vorland / Durch die optimierte Beweidung sollen Fuchs & Co. als Vogelräuber nicht mehr so viele Verstecke finden

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Nordfriesland | Mehr als 200 Uferschnepfen-Paare lebten noch vor 30 Jahren im Oldensworter Vorland. Für zahlreiche Kampfläufer, Rotschenkel, Kiebitze und andere Wiesenvögel war das Gebiet an der Eider über Jahre ein Zuhause mit einem reich gedeckten Tisch. Das ist es auch heute noch. Allerdings eher für Fuchs, Iltis und Marder, den sogenannten Prädatoren. Sie machen zwischen Eiderufer und Deich nicht nur fette Beute, sondern finden dort ideale Verstecke.

Nach dem Bau des Eidersperrwerks vor 40 Jahren und der Ausweisung als Naturschutzgebiet 1993 hat sich das Oldensworter Vorland verändert: starker Schilfbewuchs an den Uferzonen sowie viel Altgras und viele Sträucher, da das Gebiet nur noch spärlich beweidet wird. Zwar finden die Wiesenvögel beste Bedingungen vor, aber eben auch die "Räuber" die Nester plündern.

Das soll sich ändern: Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und das Michael-Otto-Institut Bergenhusen beschreiten im Rahmen des Naturschutz-Projektes "Limosa" neue Wege. 50 Galloways werden in den nächsten Jahren den 120 Hektar großen Feuchtwiesenkomplex im Oldensworter Vorland und auf der gegenüberliegenden Seite im Dithmarscher Vorland beweiden.

Das Besondere daran: Die Herde finanziert die Stiftung Naturschutz und stellt sie dem Landwirt Frerk Petersen kostenlos zur Pflege seiner Pachtflächen an der Eider zur Verfügung. Am Ende der Vertragslaufzeit gibt er die Tiere zurück an die Stiftung. Den Überschuss aus der Zucht darf der Arlewatter Nebenerwerbslandwirt dann behalten.

"Das sind geübte Landschaftspfleger", sagt Steffen Gaehme über seine tierischen Helfer. Der Mitarbeiter des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume verwaltet die Flächen und freut sich, dass er vier Pächter gefunden hat, die sich an dem Projekt beteiligen.

Die Galloways waren vor ihrem "Dienstantritt" in Tönning bereits in einem Naturschutzgebiet bei Husum im Einsatz. Die genügsamen Robustrinder mit zügellosem Appetit auf Grünzeug machen sich auch über abgestorbenes Gras und Schilf her. "Mit den Rindern optimieren wir die Beweidung", sagt Oliver Granke, Projektleiter der Stiftung, der gemeinsam mit Holger Bruns, Biologe beim Naturschutzbund, den Auftrieb der Galloways begleitet hatte.

Bruns sieht die Entwicklung in dem Gebiet mit Blick auf die Prädatoren mit Sorge. Durch die Rinder hofft er - wie alle am Projekt beteiligten Partner - auf eine Verbesserung des Erfolges bei Brut und Aufzucht der Wiesenvögel.

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