Schulprojekt : Theaterworkshop auf Französisch

Selbst ausgedachte Konfliktszenen: Heftig umstritten war zum Beispiel ein Schal bei Töchtern und ihrer Mutter
Selbst ausgedachte Konfliktszenen: Heftig umstritten war zum Beispiel ein Schal bei Töchtern und ihrer Mutter

Mit richtig viel Energie „Je t'aime“ rauslassen - Berliner Schauspieler und Pädagoge zu Gast an Niebüller Schule.

shz.de von
23. Januar 2018, 10:52 Uhr

Niebüll | Am Donnerstagvormittag und Freitagvormittag ging es in der Aula der Friedrich-Paulsen-Schule hoch her: aus Berlin war Vincent Simon vom Théâtre Ramdam erschienen, der mit den Französischschülern der 10. Klassen einen Theaterworkshop „a la france“ gestaltete.

Er war bereits im Juli auf Einladung der Lehrerin Anja Choquer an der Schule und hat damals mit den zehnten Klassen sehr erfolgreich gearbeitet. Diese haben Französisch als zweite Fremdsprache neben Englisch. „Ich habe nicht gedacht, dass man so viel Spaß bei einem ganzen Vormittag mit französischem Theater haben könnte!“, erklärte Jörn Cordsen (15).

Das kam sogar bei den coolen Jungs gut an: ungehemmt darstellen und sprechen, starke Gefühle auf französisch zeigen, mit richtig viel Gefühl „Je t'aime“ rauslassen. Der junge Pädagoge aus der Bretagne, der auch Schauspieler, Puppenspieler und Regisseur ist, zeigte charmant-bestimmt, wie so ein Workshop funktioniert. Mit großer Lautsärke und Schwung orderte der 33-Jährige Stühle und Taschen in hohem Tempo zur Seite zu stellen. Das wirkte wie Pfeffer – morgens um kurz vor acht Uhr waren alle plötzlich wach. Alles, was ein Schauspieler braucht, wurde nun im Stuhlkreis auf französisch aufgerufen – von la voix (die Stimme) bis zum le corps (der Körper). „Ja, genau, und auf der Bühne werden Accessoires benötigt – Richtig!“

Darstellen will geübt sein – so beim Begegnen auf der Straße. Mal traurig, mal wütend, mal gut gelaunt – da hatte jeder sein gegenüber in Aktion und Reaktion. Zumeist auf französisch gab es weitere freundliche Anweisungen. In Rollenspielen und Improviationsreihen durften die Schüler Emotionen und manches mehr darstellen. Jeder der Schüler zog „aus dem Hut“ einen Zettel mit einem Satz, der nun mal gelassen, frech, gelangweilt, mal aufgeregt gesprochen werden durfte.

„Ich finde es toll, es macht total Spaß“, kommentierte Jule Nowack (15), „vorher hatte ich ein wenig Angst, weil mein Französisch nicht so gut ist.“ Die Panik war bei allen schnell überwunden, denn Vincent Simon fand den passenden Ton zwischen lustvoller Animierung und sportlicher Motivierung.

Das sah man vor allem bei kurzen Szenen, die sich die Jugendlichen selbst ausgedacht hatten. Ein Vater kommt betrunken heim, wird vom Ball seines Sohnes versehentlich getroffen – und er stürzt sich auf den Jungen. Doch zum Glück gehen Mutter und eine Nachbarin dazwischen.

Konfliktstoffe, die es in sich haben: Die Tochter stellt den Eltern ihre smarte Liebespartnerin vor – ein Skandal? Die Mutter ist schockiert. Ein alter Mann, der es mitbekommt, kommentiert locker: „Ist doch egal!“

Heftig umstritten ist auch ein Schal, den sich Töchter und Mutter gern umhängen würden. Die überraschende Lösung kommt durch den Vater, dem das wärmende Teil viel besser steht. Immer die „Alten“!

Und auch ein Hund als neuer Spielgefährte muss bei den Eltern durchgesetzt werden. Das gelingt, weil das liebe Tier so kuschelig die Mutter begehrt.

Viel Gelächter, viel Entertainment - aber auch ein hoher Lerneffekt: Französisch ist gar nicht so schwer. Das erfuhren am Tag darauf auch die anderen Zehnten, die einen Vormittag mit Vincent Simon in der Mensa verbrachten.




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