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Kriminalität in Südtondern : Taxi-Überfall in Leck: Bewährung für Täter

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Am 12. März 2014 überfielen zwei junge Männer einen Taxifahrer in Leck - jetzt musste sich einer vor Gericht verantworten

von
erstellt am 26.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Der Druck auf Paul M.* war am Abend des 11. März groß – so groß, dass der Arbeitslose den Plan fasste, einen Taxifahrer zu überfallen. Den 23-Jährigen aus Leck plagten Geldsorgen: Dem mehrfach Vorbestraften drohte Haft, falls er eine vom Gericht zuvor verhängte Geldstrafe nicht in den nächsten Tagen begleichen würde. Seine Freundin hatte da bereits angekündigt ihn zu verlassen, falls er die Gefängnisstrafe antreten müsse – die Nachbarn, ganz Leck würde dann reden, so die Sorge der jungen Mutter. Am Donnerstag musste sich Paul M. jetzt für seine Entscheidungen, die er in Nacht auf den 12. März traf, vor dem Amtsgericht Niebüll verantworten.

Gegen Mitternacht rief der Angeklagte gemeinsam mit seinem Freund Markus D.* ein Taxiunternehmen in Leck an und bestellte einen Wagen auf den Parkplatz der dänischen Schule. „Wir haben einen Ort gesucht, wo es keine Überwachung gibt“, so der 23-Jährige. Zuvor hatten die beiden Männer auch daran gedacht, eine Tankstelle zu überfallen, dies dann aber verworfen. Die beiden Männer warteten etwa zehn Minuten auf den Wagen. Um nicht erkannt zu werden, trugen sie schwarze Kapuzenpullis und tarnten ihre Gesichter mit Schals. Schon jetzt waren die Vermummten nervös. Die mitgebrachte Schreckschusspistole wechselte noch einmal die Hände: „Erst hatte ich die Waffe – ich brauchte ja auch das Geld, aber dann war mir das zu riskant“, so Paul M. Stattdessen nahm jetzt Freund Markus D. die Pistole. Kurz darauf rollte das Taxi durch den Propst-Nissen-Weg und hielt vor den Männern, die sich dem Auto sofort näherten. „Ich stand schräg hinter Markus D., damit man uns nicht beide sieht“, sagte der Angeklagte, „in Leck sind wir ja oft zusammen unterwegs.“ Der Taxifahrer ließ die Scheibe auf der Fahrerseite herunter, da er mit einer Frage rechnete. Stattdessen zielte Markus D. mit der Schreckschusspistole auf den Kopf des 55-Jährigen und forderte das Portemonnaie des Fahrers. „Ich habe die Waffe gesehen und dann überlegt, wie ich dort wegkomme“, sagte der Taxifahrer jetzt vor Gericht. Dann nahm die Situation eine unerwartete Wende: Statt die Tageseinnahmen auszuhändigen, blieb der 55-Jähre ruhig und blickte dem vermummten Markus D. direkt in die Augen. „Da habe ich gesehen, dass der sehr unsicher war – nach 15 Jahren im Taxigeschäft kann man sowas einschätzen.“ Diese Reaktion überraschte die Räuber. Beide verloren die Nerven und flohen in die Nacht. Der Taxifahrer entkam unverletzt und informierte die Polizei.

Über sechs Monate später holte Täter Paul M. diese Tatnacht jetzt in allen Details ein: Für diese versuchte räuberische Erpressung plädierte der Staatsanwalt nun auf eine zweijährige Haftstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt werden solle. Die Tatsache, dass die Pistole nicht geladen gewesen sei, die offensichtliche Reifeverzögerung des Angeklagten sowie der frühe Verlust von Mutter und Bruder, müssten mit in den Blick genommen werden. Das Schöffengericht verhängte daraufhin eine Haftstrafe auf Bewährung, die wiederum an strenge Auflagen gekoppelt ist. Wenn Paul M. nun erneut straffällig wird, droht ihm Gefängnis.

* Name durch die Redaktion geändert

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