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Zu Besuch im „Bulldog“ : Tattoos und Piercings: Niebüller Kunst, die unter die Haut geht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In Niebüll wird gestochen was das Zeug hält. Der schmerzhafte Körperschmuck ist beliebter denn je.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Niebüll | Lisa sitzt im Eingangsbereich des Niebüller Tattoo-Shops Bulldog und wartet auf ihren Termin. Die schwarzen Linien ihres selbst entworfenen Motivs wurden schon vor ein paar Wochen auf ihren Oberarm gestochen. Heute kommt die Farbe dazu. Die Auszubildende wirkt selbstbewusst und zeigt keine Angst. Es ist nicht ihr erstes Tattoo. „Die Schmerzen merke ich fast gar nicht. Gerade auf dem Arm sind sie kaum spürbar“, sagt sie. Früher habe sie vor allem Piercings gehabt, davon ist sie aber inzwischen ab. „Von Tattoos habe ich länger etwas. Im Gegensatz zu Piercings sind diese wirklich für die Ewigkeit“, meint die 22-Jährige.

Wie man sich noch vor zwanzig Jahren tätowierte Menschen vorgestellt hat, sieht sie dabei allerdings nicht aus. Sie ist weder Matrosin auf hoher See, noch ist sie in irgendwelche Bandenkriege verwickelt. Sie findet es einfach schön, Kunst auf ihrer Haut zu tragen. Sie ist im Einzelhandel tätig, und bisher habe sich noch nie jemand beschwert. „Noch kann man aber auch alles abdecken.“

Das Beispiel aus Niebüll belegt: Tattoos und Piercings sind inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen und erfreuen sich einer immer weiter wachsenden Beliebtheit. Im Jahr 2006 hat ein Frankfurter Forscherteam 2043 Deutsche im Alter von 14 bis 93 zu dieser Thematik befragt. Dabei gaben 6,8 Prozent der Befragten an, ein Piercing zu haben, 8,5 Prozent waren tätowiert. In der Altersklasse von 14 bis 24 waren sogar 41 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer tätowiert oder gepierct.

Seit einem Jahr können Freunde dieses Körperschmucks sich auch in Niebüll Bilder und Metall in die Haut stechen lassen. Das Tattoo- und Piercingstudio Bulldog im Kirchensteig blickt auf das erste Geschäftsjahr zurück. Besonders Tätowierer Thorsten (45) freut sich über den Zuspruch, den das Studio in dem letzten Jahr erhalten hat.

Er selbst ist schon seit 20 Jahren in dem Gewerbe tätig und hat seitdem einige Entwicklungen mitgemacht. „Es wird größer gedacht“, sagt er und meint damit, dass immer häufiger auch große Motive gestochen werden und kleine eher darauf ausgelegt sind, später erweitert zu werden. Sogar Ganzkörpermotive werden immer öfter gewünscht. Die Zeiten, in denen Kunden sich einfach mal irgendwo eine kleine Rose aus dem Katalog stechen ließen, seien vorbei, sagt der Profi. Er habe zwar noch Vorlagen, er dürfe meist aber selbst etwas entwerfen. Die Motive seien über die letzten Jahre immer individueller geworden.

Diese Tattoo-Skizze trägt eine Kunde bald auf der Haut.
Diese Tattoo-Skizze trägt eine Kunde bald auf der Haut. Foto: Boysen
 

Der gelernte Autolackierer begeistert sich schon von Kindheitstagen an für das Tattoo-Handwerk und hat schon als kleiner Junge gerne die Abzieh-„Tattoos“ aus den Kaugummiverpackungen abgezeichnet. Sein erstes eigenes Motiv war eine Kobra, die er selbst entworfen und sich auch selbst auf den Unterarm gestochen hat.

Sein Freund und Inhaber des Studios, Thomas Gröndahl, ist als Piercer tätig und war ursprünglich Werkzeugmacher in der Industrie. Nach einer Krankheit entschied er sich, das Piercerhandwerk zu lernen und sich selbstständig zu machen. So herrscht Arbeitsteilung im Niebüller Bulldog: Während Thomas Gröndahl sich um den metallenen Hautschmuck kümmert, ist Torsten künstlerisch auf der Haut der Kundschaft tätig.

Gibt es auch Kundenwünsche, die die beiden nicht umsetzen? Es gebe auch Motive, von denen er abrät, sagt Tätowierer Thorsten. Verfassungsfeindliche Symbole oder absolute Spaßtattoos kommen für ihn nicht in Frage. So standen vor kurzem zwei Männer in seinem Laden, die sich das Logo eines günstigen Branntweinverschnitts stechen lassen wollten. Nach einem Gespräch mit ihnen bekamen sie es aber trotzdem. Die überzeugende Begründung der tattoolustigen Herren: Für sie habe das Markenzeichen eine tiefere Bedeutung.

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