Konzert : Tango meets Klezmer

Beim Spiel einander zugeneigt: Meike Salzmann und Ulrich Lehna strahlten Harmonie und Lebensfreude aus.
Beim Spiel einander zugeneigt: Meike Salzmann und Ulrich Lehna strahlten Harmonie und Lebensfreude aus.

Wenn Klarinette und Akkordeon verschmelzen: Das Duo Sing your Soul begeistert das Publikum in der Christuskirche.

shz.de von
13. Februar 2018, 15:47 Uhr

Niebüll | Ein besonderer Konzertgenuss wurde am Wochenende in der Niebüller Christuskirche geboten. Das Duo „Sing your Soul“ war angereist, um sein Programm Tango meets Klezmer zu präsentieren. Die Besucher erlebten ein beeindruckendes Zusammenwirken von Akkordeon und Klarinette.

Aus dem hinteren Bereich der Kirche ertönen zarte Töne. Sie werden von der vorne sitzenden Meike Salzmann mit dem Akkordeon aufgenommen und beantwortet. Klarinettist Ulrich Lehna geht, während er spielt, entlang der Kirchenbänke zu ihr in den Altarraum. Immer schneller und lauter werden beide Instrumente, zunächst einander abwechselnd, dann gemeinsam.

Zwei Instrumente füllen das hohe Tonnengewölbe der Kirche akustisch vollständig aus.
Nach dieser musikalischen Eröffnung begrüßt Meike Salzmann das Publikum und erläutert zunächst Wissenswertes über den Tango. Der inhaltliche Unterschied zwischen argentinischem und finnischem Tango besteht darin, dass der eine immer eine tragische Geschichte erzählt, der andere auch fröhlich sein kann und Land und Leute beschreibt. In Argentinien ist das Bandoneon, in Finnland das Akkordeon das Tango-Instrument. Mit dem südamerikanischen „Ur-Tango“ El Choclo von Villoldo beginnt der erste Teil des Konzerts. Schon nach ein paar Takten geht der Rhythmus ins Blut. Variierende Passagen mit rasanten Läufen auf dem Akkordeon verschmelzen mit den klaren und doch sanften Tönen der Klarinette, die von Ulrich Lehna bewundernswert präzise intoniert wird.

Im Folgenden erklingen abwechselnd mehrere Tangos aus Finnland und Argentinien, wobei Meike Salzmann jeweils den Zuhörern die Szene vor Augen führt. Mit Satumaa erklingt die zweite Nationalhymne der Finnen und mit Oblivion von Piazolla wird der allumfassende Schmerz einer verlorenen Liebe hörbar.

Beim Spiel sind sich beide Musiker zugewandt, strahlen Verbundenheit, Harmonie und Spielfreude aus. Auch die beiden anderen Klarinetten kommen jetzt zum Einsatz. Neben der weit verbreiteten C-Klarinette entlockt Lehna auch dem Alt- und Bassinstrument dieser Gattung wunderbare Töne. Besonders der tiefe und gleichzeitig warme Klang der Bassklarinette scheint einem über die Ohren zu streicheln. Am Beispiel einer französischen Musette erklärt Akkordeonistin und Moderatorin Meike Salzmann ihr Instrument, das voller klanglicher Überraschungen zu stecken scheint. Im zweiten Teil des Konzerts erklingen Klezmer-Stücke in ihrer ganzen Vielfalt. In der Musik der Juden, die eine lange Tradition hat und weit gereist ist, liegen Fröhlichkeit und Melancholie dicht beieinander. Wieder erzählt die wortgewandte Moderatorin die Geschichten zu den Liedern, sodass der Musik regelrecht Leben eingehaucht wird. Die Klarinette kommt dabei immer wieder der menschlichen Stimme nah, sie lacht und weint, jammert und jauchzt in den höchsten Registern. Sie betört mit sicheren und sauberen Tönen voller Emotionen.

Es ist bekannt, dass Klarinetten nicht leicht zu intonieren sind. Vor diesem Hintergrund gebührt Ulrich Lehna große Bewunderung. Das Akkordeon verzaubert mit einem vollen und satten Klang. Mal ist es fordernd dominant, dann wieder zurückhaltend, kaum hörbar. Es kann maritim, verrucht, französisch oder italienisch klingen. Unterschiedliche sogenannte „Chöre“ erzeugen diesen vielfältigen akustischen Eindruck. Der Zuhörer stellt staunend fest, dass in diesem Instrument ein ganzes Orchester zu agieren scheint. Die Klezmermusik wird von dem Duo ebenfalls im harmonischen Zusammenspiel dargebracht. Besonders angetan ist das Publikum vom Wedding Waltz, zu dessen Komponisten ein freundschaftlicher Kontakt besteht und dem Stück Ose Shalom von Giora Feidman, das eine musikalische Friedensbotschaft enthält. Als Zugabe spielen die Instrumentalisten eine eingängige Eigenkomposition von Meike Salzmann mit gekonnten Solo- und Improvisationspassagen. Mit berührter Seele gehen die Menschen nach einem gelungenen Konzert nach Hause.

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