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Nordfriesland Tageblatt

19. August 2017 | 03:59 Uhr

Tango-Genuss auf höchstem Niveau

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit Hingabe und Virtuosität hüllten die Musiker von „Quadro Nuevo“ am Mittwoch ihr Publikum in einen wahren Rausch der Lieder und Gefühle

Die Karten für das Konzert waren innerhalb weniger Wochen ausverkauft – nun wartet das Publikum im Leck-Huus gespannt auf den Auftritt von „Quadro Nuevo“. Bisher sind nur die Instrumente zu sehen. „Ob den Kontrabass ein schönes Mädchen spielen wird?“, fragt sich ein Herr in der zweiten Reihe versonnen. Langhaarig ist der Bass-Spieler zwar, jedoch wie alle vier Musiker eindeutig männlich. Ganz in Schwarz gekleidet betreten sie die Bühne, nehmen ihre Zuhörer vom ersten Ton an gefangen – und füllen die Luft mit einem Liederrausch, der von Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht erzählt.

„Tango“ heißt ihr neues Album, inspiriert von einem erlebnisreichen Aufenthalt in Buenos Aires zu den Wurzeln dieser mitreißenden Musik. Das Ensemble zeichnet in energiegeladenem Zusammenspiel Klangbilder von Frauen, die schärfer sind als der spitzeste Absatz eines Militärstiefels. Oder von Männern, die sich gerne selbst reden hören, viel trinken, torkeln und noch mehr reden, aber dabei nie ihren Stolz verlieren. Ein anderes Lied vergleicht das Werben um eine Frau mit einem Pferderennen. Der Mann verliert alles – seine Rose, seine Hose, sein Herz – aber wird dennoch bei der nächsten Angebeten wieder alles setzen. Die Lieder sind teils echte Tango-Klassiker, teils Eigenkompositionen der Ensemblemitglieder.

Dass die Auftritte von Quadro Nuevo ihresgleichen suchen, ist kein Geheimnis: Das Ensemble ist preisgekrönt, hat unter anderem zwei Mal den „Echo Jazz“ als bester Live-Act bekommen. Die Musiker haben bereits mehr als 3000 Konzerte gegeben, unter anderem in Sidney, Montreal, New York, Mexiko City, Peking, Singapur sowie in Tel Aviv gespielt – und sind an diesem Abend zum dritten Mal in Leck.

„Wann kommt man als Alpenländer denn sonst in einen Ort wie Leck? Wir sind hier, weil Sie uns spielen hören wollen“, ist die Erklärung von Mulo Francel. Der entlockt Saxophon und Klarinette Töne , die verblüffen. Nein, er habe keine Kiemen, versichert er in der Pause lächelnd einer begeisterten Besucherin. Kontrabassist D.D. Lowka bringt mal das Leck-Huus zum Vibrieren, mal lässt er sein Instrument fast klingen wie eine Violine. Und dann wieder dient der Kontrabass als Rhythmusgeber, wenn Lowka auf den geschwungenen Holzkörper klopft und trommelt, dass es eine wahre Freude ist.

Andreas Hinterseher ist der Herr des „Wurm-Instruments“, wie Bandkollege Francel das Bandoneon feixend nennt, weil es auseinandergezogen eben so aussehe. Auch Hinterseher spielt mal kraftvoll, mal ganz leise – und greift nur jeweils einmal zu Akkordeon und Vibrandoneon. Vielleicht, weil ein argentinischer Taxifahrer das Ensemble wütend ermahnt hat, dass Akkordeon und Tango nichts miteinander zu hätten, wie die Musiker berichten. Danach seien sie buchstäblich aus dem Taxi geflogen.

Während die anderen Musiker den Quadro-Nuevo-Stammgästen von den vorherigen Auftritten bekannt sind, ist Pianist Chris Gall zum ersten Mal in Leck dabei; bisher war stets Evelyn Huber mit ihrer Harfe die Vierte im Bunde. Der Neue steht seinen Band-Kollegen in Virtuosität, Hingabe und Spielfreude in nichts nach. Seine Premiere geht mit einer weiteren einher: Auch das Klavier ist neu, wie Otmar Löhrer, Vorsitzender des Vereins „Leck-Huus“ verrät. Am Morgen vor dem Konzert hat der Bredstedter Musiker und Klavierstimmer Rainer Klosinsky das Instrument dem Kulturzentrum als Dauerleihgabe vermacht. Der fantastische Klang erfreut nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Musiker von Quadro Nuevo. „Und es ist nicht leicht, unseren Ansprüchen zu genügen“, sagt Mulo Francel.

„Großartig“, „wundervoll“, „Weltklasse“, schwärmt das Publikum nach fast drei Stunden Musikgenuss auf höchstem Niveau. Überall glückliche Gesichter – auch bei Otmar Löhrer. „Wie immer grandios gespielt“, sagt auch er. Für Leck gewonnen hat er die Künstler von Quadro Nuevo vor einigen Jahren übrigens einfach durch einen Anruf beim Management. „Und sie werden wieder kommen“, verspricht er.

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erstellt am 09.Sep.2015 | 18:07 Uhr

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