zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 03:03 Uhr

Tag des Gedenkens und der Rückschau

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte endete die Sonderausstellung / Freundeskreis bestätigt seine Sprecherin im Amt

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Es waren drei bedeutsame Ereignisse für die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte: Zum einen fand die Jahresversammlung des Freundeskreises dieser einzigen kirchlich getragenen Einrichtung ihrer Art statt. Zum anderen endete die vom 1. Juni bis zum 31. August im Dokumentenhaus der Gedenkstätte präsentierte Sonderausstellung „Christenkreuz und Hakenkreuz“ - Kirchenbau und sakrale Kunst im Nationalsozialismus“. Schließlich gedachten die Kirchengemeinde und zahlreiche auswärtigen Gäste im Rahmen einer Andacht in der St. Petri-Kirche des letzten Überlebenden der Außenstelle Ladelund des KZ Neuengamme, Jannes Prien, der am 22. August verstorben war. Jannes Priem war – in Anwesenheit auch einer großen Gruppe Ladelunder Einwohner – in seinem Heimatort Schoonhoven (bei Putten) in den Niederlanden beigesetzt worden.

In dem Gedenkgottesdienst zu Ehren von Jannes Priem würdigten Evert de Graaf, einst Vorsitzender der Puttener „Stifting Oktober 44“, und Michel Kooij, ein persönlicher Freund des Verstorbenen, dessen Leben und Leiden sowie seine Mitwirkung an der „Versöhnung über den Gräbern“. Die Sprecherin des Freundeskreises, Dr. Hannegreth Grundmann, verlas einen von viel Respekt zeugenden Nachruf, verfasst von Harald Richter, ihrem Vater, einem Pionier der Versöhnungsarbeit in Ladelund und Putten.

Die jetzt beendete Sonderausstellung befasste sich mit der baulichen Hinterlassenschaft der Nazi-Zeit im kirchlichen Bereich und warf die Frage auf, wie mit dieser Architektur umzugehen sei, die das antisemitische, dem nordisch geprägten Ariertum huldigende Gedankengut als Zeichen jener Unzeit – teils versteckt, zumeist jedoch ganz offen – widerspiegelt. Die Ausstellung, die innerhalb von drei Monaten mehr als 1400 Besucher aufgesucht hatten, endete mit zwei anspruchsvollen Referaten. Der kommissarisch eingesetzte Leiter der Gedenkstätte, Dr. Stephan Linck, sprach über die 1937 erbaute Lübecker Lutherkirche als einstiges „geistiges und geistliches Zentrum des radikal antisemitischen Bundes für Deutsche Kirche“ und deren entsprechend ausgestattete Räume. Auch widmete er sich ausführlich dem Schicksal des Pastors Karl-Friedrich Stellbrink, einem der „Lübecker Märtyrer“, der sich von der Deutschkirche abwandte und am 10. November 1943 als Gegner des Nazi-Regimes hingerichtet wurde.

Den zweiten Vortrag gestaltete Pastorin Constanze Oldendorf von der Kirchengemeinde Luther-Melanchthon. Sie brachte ihre Gedanken zum Gedenkort Lutherkirche Lübeck zum Ausdruck und legte dar, wie ihre Gemeinde es schafft, mit dem schweren Erbe der Nazikirche umzugehen. Dank der Einrichtung einer Ausstellung übernommener Kunstgegenstände sei das Gotteshaus Gemeindekirche, aber zugleich auch Gedenkstätte, in der ökumenischer Arbeit viel Raum geboten werde.

Im Verlaufe ihrer Jahresversammlung bestätigten die Mitglieder des Freundeskreises dessen 1. Sprecherin, Dr. Hannegreth Grundmann, einstimmig in ihrem Amt. Auch sprachen sie den geplanten Umbau der Dauerausstellung im Dokumentenhaus wie auch gewünschte Veränderungen an den Außenanlagen der Gedenkstätte an, die, je zur Hälfte gefördert von Land und Bund, rund 500 000 Euro kosten werden. „Nach 20 Jahren ist es nunmehr dringend erforderlich, unsere gesamte Anlage zu modernisieren, um sie den Bedürfnissen auch junger Besucher anzupassen. Denn die Zeitzeugen des Nazi-Regimes sterben allmählich aus“, sind sich Pastor Hans-Joachim Stuck und Dr. Stephan Linck einig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen