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Sylt-Werke von Friedel Anderson in der Stadtbücherei

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 15.Okt.2015 | 18:24 Uhr

Das ist etwas für Syltfans vom Festland: Die Winterausstellung in der Stadtbücherei präsentiert ab Donnerstag, 12. November, (bis 22. Dezember) den bekannten norddeutschen Künstler Friedel Anderson. Ein schmales Werk war der Auslöser, denn der Hintergrund der Ausstellung ist sinnigerweise ein Buch: Die Sylter Erzählung von Jochen Missfeldt erfuhr eine geniale Ergänzung durch 29 Inselbilder von Friedel Anderson.

Die Idee war zunächst eine Landschaftsbeschreibung des Eilands. Dabei beschritten die beiden Männer ganz unterschiedliche Wege. „Sylt ist für mich die Erinnerung an viele Menschen, die mir dort begegnet sind: Sagenhafte Gestalten wie Ekke Nekkepen oder die Steinkönigin von Morsum Kliff, Personen der Zeitgeschichte, der väterliche Freund Gregor von Sylt, ein kantiger Weltverbesserer, der auf dem Friedhof von Keitum seine endgültige Ruhe findet“, so Jochen Missfeld. Er schildert, wie er als Kind vom Fliegen schwärmt, wie er als Schüler die Qualen der ersten Liebe bestehen muss, und wie er als Pilot über Sylt eine gefährliche Situation meistert. Wie in einem Traum erscheinen alle diese Personen auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden, freundliche Wiedergänger in gemeinsamer Spur. Bei der ersten Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Herold in Kampen und der gleichzeitigen Buchvorstellung in Keitum wurde dann auch gerätselt: Ist Goldschmiedin Edda Raspé die Steinkönigin? Oder verbirgt sich hinter Gregor ein bekannter Künstler? Der kleine Text ist leicht und locker geschrieben – wäre ohne die Bilder aber nicht vorstellbar.

Friedel Anderson hat zuvor schon Landschaften dargestellt und zuvor durchmessen: die Elbe von der Quelle bis zur Mündung, die Provence, Istanbul und Ionien, Venedig, Afrika und nun die Insel. Für den Sechzigjährigen ist Sylt ein (T)raum für Farben. Es ist ein Erlebnis für die Augen, wenn hier jemand nicht die Maler-Fantasie zu sehr fabulieren lässt. Denn das Eiland spricht für sich. Mit seinen Unterschieden, mit seinen eigenen Gesetzen. Er malt nur, was er sieht, und bildet so die Natur kongenial ab. Kein Kitsch, kein Nolde, kein Heckel. Es ist das echte, unverwüstliche Sylt jenseits der Eventkultur. Das Sylt, das auch die Niebüller lieben, wenn sie in Morsum aus der Bahn steigen, um einmal bis zur Kupferkanne zu wandern; um von dort über Rotes Kliff bis Westerland laufen. Diese Impressionen, dieses Kopfkino, hat Friedel Anderson eingefangen. Kein Wunder also, wenn Galerist Rainer Herold die Arbeiten rasant verkaufte. Zum Glück hat der Künstler nachgelegt, so dass in der Stadtbücherei ein ungetrübter Kunstgenuss ansteht. 

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