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Fahrplanänderung : Sylt-Pendler klagen über Wartezeiten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine Zugverschiebung sorgt unter Berufspendlern für Unmut. Eine kurzfristige Lösung ist laut Nord-Ostsee-Bahn und NAH.SH GmbH unwahrscheinlich.

Die Wirtschaft der Urlaubsinsel Sylt lebt von einem stillen Heer aus Berufspendlern: Rund 3300 Menschen steigen täglich in Auto, Bus und Bahn, um auf der Insel ihr Geld zu verdienen. Allein für die Anreise investieren die Arbeitnehmer im Schnitt eine Stunde. Nun löst eine Fahrplanänderung bei den Pendlern Kopfschütteln aus. Seit Dezember ist die 19.22 Uhr-Verbindung von Westerland in Richtung Niebüll aus dem Fahrplan der Nord-Ostsee-Bahn verschwunden. Die freigewordene Lücke füllt jetzt ein InterCity aus Frankfurt. Nach der Meinung vieler Berufspendler aus Südtondern ist das eine Fehlentscheidung.

„Niemand, ob Unternehmer oder Arbeitnehmer, versteht, warum der Zug nicht mehr verkehrt“, fasst Corinna Hübener die morgendliche Stimmung am Gleis zusammen. Die gebürtige Sylterin will nun mit einer Unterschriftensammlung gegen die Fahrplanänderung mobil machen und hat sich bereits mit einem offenen Brief an das Schleswig-Holsteinische Innenministerium gewandt. Aus Hübeners Sicht ist die Verschiebung der Verbindung unüberlegt: „Es verkehrt nun ein Zug um 18.52 Uhr, der meistens leer ist, und um 19.52 Uhr. Das heißt, sehr viele Menschen müssen täglich eine Stunde lang auf den Zug nach Niebüll warten – In der Sommersaison werden es noch mehr sein.“

Bei der NOB begegnet man dem Unmut der betroffenen Berufspendler mit Offenheit, verweist aber auf die Verantwortung des Landes: „Die NOB befährt die Verbindung zwischen Hamburg-Altona und Westerland gemäß Beauftragung des Landes Schleswig-Holsteins“, sagt Pressesprecher Kay Götze. Federführend für die Bestellung dieser Verkehrsleistung sei dabei die NAH.SH GmbH. Hintergrund der Fahrplanänderung sei unter anderem ein Trassenkonflikt mit der Deutschen Bahn.

Das bestätigt NAH.SH-Sprecher Dennis Fiedel: Einem InterCity werde aufgrund der längeren Fahrstrecke und der damit verbundenen höheren Trassenentgelte durch die DB Netz AG eine größere Gewichtung bei der Trassenverteilung gegenüber dem Nahverkehr eingeräumt. „Wir verstehen, dass das viele Menschen nervt, aber so ist leider das Verfahren.“ Im Vorfeld hätten NAH.SH und NOB gemeinsam mit der DB Netz AG Gespräche geführt, um die Verschiebung des Pendlerzuges abzuwenden – ohne Erfolg.

Der Wegfall der früher stark frequentierten Verbindung aufs Festland hat auch die Sylter Gewerbetreibenden alarmiert. „Wir fürchten, weitere für die Insel wichtige Mitarbeiter zu verlieren“, sagt der Vorsitzende des Vereins der Sylter Unternehmer (SU), Karl Max Hellner. Die Geschäftsleute haben die Sylter Pendlerstatistik vor Augen: 38 Prozent der Beschäftigten arbeiten zwar auf der Insel, wohnen aber nicht dort.

Die meisten Pendler stellt Niebüll (rund 800). Dass sich der Fahrplan kurzfristig zu ihren Gunsten ändern lässt, ist unwahrscheinlich. „Ab Ende des Jahres werden neue Loks in Betrieb genommen“, sagt Dennis Fiedel, „wir hoffen, dass sich durch Zeitersparnis dann eine bessere Lösung ergibt“.

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erstellt am 18.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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