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SV Frisia 03 gegen Kindermissbrauch: „Täter haben viele Gesichter“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 22.Feb.2015 | 15:33 Uhr

Sexueller Missbrauch von Kindern. Gibt es denn so was bei und im Dorf? Oder sogar im Sportverein? Diese Frage wird immer dann gestellt, wenn Schlagzeilen im Blätterwald die Runde machen.

Um Kinder und Jugendliche aufzuklären und stark zu machen, hat sich Lars Wulff vom Kinderschutz-Zentrum Westküste (Husum) auf den Weg gemacht und gibt Führungskräften, Trainern und Übungsleitern in den Sportvereinen Ratschläge, wie mit diesem hoch sensiblen Thema umgegangen werden sollte. Jüngst machte er Station beim SV Frisia 03 und referierte vor 14 Erwachsenen aus dem Verein über das Präventionsprojekt mit dem Namen „Stark ist Stark“ (wir berichteten).

Lars Wulff weiß, wovon er redet. Nach seinen Angaben gibt es in seinem Bereich alljährlich an die 400 Fälle, die im Kinderschutz-Zentrum vorkommen – etwa ein Drittel davon in Form sexueller Gewalt und insgesamt vorwiegend im häuslichen Bereich.

Als eklatantes Beispiel für sexuelle Vergehen an Schutzbefohlenen führte er das der Odenwald-Schule an, das nicht nur eine Lawine der Empörung auslöste, sondern auch zu einer Überprüfung bestehender Schutzvorschriften führte. Danach müssen alle, die mit Jugendlichen zu tun haben, ein erweitertes Führungszeugnis beibringen. „Vorbeugender Schutz im Verein ist nötig“, betonte Wulff. Er führte eine Reihe von Beispielen auf, die seine Zuhörer sensibilisieren sollen. Wenn von sexueller Gewalt die Rede sei, dann sei damit nicht nur die gemeint, die im Verein passiert. Man sollte auch darauf achten, was Kinder von zu Hause erzählen – und das auf keinen Fall als nichts sagendes Geschwätz abtun. Kinder bräuchten oft mehrere Anläufe, bevor sie Gehör finden. „Täter haben viele Gesichter .“ Beliebtes Zielobjekt des Täters sei das schwache Kind.

Es gelte also, Kinder stark zu machen. Kindesmissbrauch sei auch Machtmissbrauch. Der Sportverein tue gut daran zu wissen, wer wo und wann im Übungsbetrieb tätig ist. Übungsleiter und Trainer müssen Grenzen beachten, auch wenn das oft problematisch sein kann, wie etwa bei der Hilfestellung in der Turnstunde, in der Körperkontakt eben nur eine Hilfestellung sein darf. Der Diakon Lars Wulff zeigte Wege auf und gab Tipps, wie man bei Bekanntwerden von Vorkommnissen verfährt. Er und Frisia-Vorsitzender Hartmut Wiebe vertrauen darauf, dass das Motto der präventiven Aktion die Jugendlichen auch „echt stark“ macht.

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