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Mehr Lämmer : „Super Frühjahr“ für die Schäfereien

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Herdbuchbezirk Südtondern verzeichnet deutlich mehr Lämmer als im Vorjahr. Auf ein Mutterschaf entfallen 1,8 bis zwei Lämmer.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2014 | 08:30 Uhr

In den Schäfereien nähert sich die Geburt der Lämmer – im Fachjargon das „Ablammen“ – ihrem Ende. „Es sind in diesem Jahr erfreulich viele Lämmer“, sagt Christian-Ludolf Lorenzen-Nissen, der Vorsitzende des Herdbuchbezirks Südtondern. Es seien deutlich mehr als bisher. Er sieht den Grund dafür in einem „super Frühjahr“, in dem es früher als sonst Gras gibt. Und weil es reichlich sei, werde zudem auch noch Futter gespart.

Doch am Gabentisch der Natur tut sich derzeit auch eine gefräßige Konkurrenz gütlich. Das ist in dieser Region die Nonnengans, die auf ihrem Weg von den Niederlanden zu den Brutplätzen an der russischen Eismeerküste Station macht, um sich für die 2500 Kilometer lange Reise fit zu fressen. „Wir müssen sie noch zwei bis drei Wochen ertragen“, sagt Schafhalter Christian Nissen aus dem Lübke-Koog, der einen Teil seiner Mutterschafe mitsamt Lämmern auf dem Hof und in dessen Nähe hält und sie aus eigenen Vorräten füttert. „Draußen am Deich und im Vorland ist nahezu alles kahl gefressen“, berichtet er. Klagen gibt es auch von den Landwirten, weil die Nonnengans leckere Wintersaat schätzt. Hier die Plage – da der Naturschutz. Die Nonnengans ist Teil der Natur – und geschützt.

In Nordfriesland gibt es etwa 140 000 Mutterschafe, denen sich jetzt an die 160 000 Lämmer dazu gesellen. Zusammen sind es im Kreisgebiet demnach mehr Schafe als Einwohner. Auf ein Mutterschaf entfallen 1,5 bis 1,6 Lämmer – in Zuchtbetrieben sogar 1,8 bis zwei Lämmer. Bei den Schäfern ist zu unterscheiden zwischen dem Gebrauchsschafhalter, dem Züchter und dem Landschafhalter. Letzterer ist im Naturschutz tätig und seine Herde in Heidegebieten mithilfe des Hirten unterwegs. Der Schafhalter am Deich ist dort nicht nur Fleischproduzent, sondern macht sich mit seinen vierbeinigen Rasenmähern auch für die Sicherheit an der Küste nützlich, indem die Schafe die Deiche trittfest machen und die Grasnarbe kurz halten. Hinzu kommt die bäuerliche Schafhaltung mit lediglich kleineren Beständen.

Zur Lammzeit werden die Schäfer enorm zusätzlich gefordert. In einer größeren Schäferei fallen bis zu 200 Geburten wöchentlich an. Ein gutes Management ist Voraussetzung dafür, die Belastungen zu verkraften. Christian Nissen wird von seiner Frau unterstützt. Beide wechseln einander beim Dienst im Schafstall ab. An ausreichenden Schlaf ist von Februar bis März nicht zu denken. Um ein mögliches Geburtschaos zu vermeiden, werden die Böcke zeitlich abgestuft eingesetzt.

In Südtondern gibt es etwa ein halbes Dutzend Schäfereien mit über 1000 Mutterschafen. Damit ein Vollerwerbsschäfer von seiner Herde leben kann, muss sie etwa 1500 Tiere groß sein. Wurden Schafe früher der Wolle wegen gehalten, so ist es heute fast nur noch die Fleischerzeugung. Bei den Züchtern geht es vorrangig um die maskuline Nachzucht, die im EU-weit bekannten Husum gekört wird. Um die Herden leistungsfähig zu halten, werden jährlich 25 Prozent der Mütter „nachgeschoben“ – das bedeutet durch geeigneten Nachwuchs ersetzt.

 

 

 

 

 

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