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Marmeladen-Meister : Süße Kreationen mit Queller und Kohl

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hans-Uwe Glashoff rechnet sich für seine verrückten Kompositionen Pokalchancen bei einem Expertenwettbewerb aus.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2014 | 09:30 Uhr

Cola-Vanille-Gelee oder Apfel-Weißkohl-Aufstrich: Ungewöhnliche Marmeladenkreationen wie diese bereiten Hans-Uwe Glashoff am meisten Spaß. Schon immer hatte der Stedesander eine Leidenschaft fürs Marmeladekochen, sammelte in seiner Freizeit mit seiner Frau zusammen Holunderbeeren sowie Brombeeren und verkaufte die ersten selbstgekochten Gläser Fruchtaufstrich auf Wochenmärkten. „Ich stamme eigentlich aus der Teebranche und hatte dort eines Tages mit Goji-Beeren zu tun und dachte mir dann: Daraus muss man doch mal eine Marmelade machen“, berichtet Hans-Uwe Glashoff. Und damit fing eigentlich alles richtig an.

Im Jahr 2003 eröffnete der Stedesander die Marmeladen Manufaktur und erfindet seit dem ständig neue Kreationen: 80 Sorten hat er mittlerweile im Programm. Diese sind nicht nur ungewöhnlich, sondern zudem auch so gut, dass er beim Berliner Marmeladencasting 2012, einem Expertenwettbewerb, gleich drei Pokale mit nach Hause nehmen konnte – 16 Tester waren von seinen Produkten überzeugt.

Die Rezepturen testet er in seiner „Hexenküche“ aus, wo auch gekocht wird: In der Regel 500 bis 700 Gläser Marmelade am Tag. „Ich gehe über den Markt und schaue, was es so gibt und was neu ist und experimentiere dann herum,“ erzählt Glashoff. Ob seine Kreationen schmecken und ins feste Programm aufgenommen werden, testet der Stedesander gern bei Verköstigungen. „Da bekommt man direkt Feedback und sieht, was den Leuten schmeckt.“ Auch seine Idee, für Firmen jeden Buchstaben aus dem Namen in eine Marmeladenzutat zu verwandeln, kommt gut an: Für seine Komposition „Wacken“ (Waldfrucht, Apfel, Chili, Kopfverdreher (Rum), Erdbeeren und Nana Minze) wurde er vom Festival-Mitbegründer persönlich zu einem Plausch eingeladen und darf nun das offizielle Festival-Logo verwenden. Im Gegenzug unterstützt er die Wacken-Foundation – eine Ehre für den Marmeladenmeister.

Kein Obst, Gemüse, Gewürz, Getränk und auch kaum ein Blume ist vor Hans-Uwe Glashoff sicher: Knoblauch, Kohl, Hanfsamen oder Dahlien werden ebenso gern verwendet wie Cola, Whisky oder Eierlikör. Doch wichtiger noch als die kreativen Kreationen sind ihm die guten Zutaten: Am liebsten aus der Region, wie beispielsweise Niebüller Apfelsaft. Und das Verhältnis drei zu eins von Frucht und Zucker behält er strikt bei: Weg von der Süße, hin zur Frucht – das ist sein Motto.

In ganz Deutschland finden sich seine Kompositionen in ausgesuchten Hofläden und Supermärkten, das Fernsehen hat bereits über ihn berichtet und sogar ein Unternehmen aus den USA hat in der Stedesander Manufaktur angeklopft: 50 000 Gläser der Christmas-Marmelade wollte ein Geschäftsmann einkaufen. Ein großes Geschäft, das aber letztlich an der Versicherung gescheitert ist. „Wenn man in die USA verkauft, muss man gegen vieles abgesichert sein, das war mir dann einfach zu heikel“, berichtet Glashoff und fügt an, dass er den Deal natürlich gern angenommen hätte. Aber auch das Angebot, die Marmelade dann doch einfach in New York für das Unternehmen zu kochen, lehnte er ab, denn das hätte für ihn bedeutet, seine treuen Kunden vor Ort im Stich zu lassen. „Ich kann nicht einfach hier verschwinden. Auch Urlaub nehme ich nur eine Woche im Jahr.“

Am 18. Oktober geht es wieder zum Marmeladen-Casting nach Berlin, wo er sich in diesem Jahr mit den Sorten „Hugo“, „Queller“ und „Wacken2“ qualifiziert hat. Eine Sorte seiner „Fruko“ – Frucht- und Kohl-Marmelade – reicht Hans-Uwe Glashoff noch nach. Neue verrückte Kreationen wird er auch weiterhin ausprobieren, allerdings nicht mehr lange in Stedesand. „Wir wollen die Verköstigungen hier vor Ort anbieten, aber dazu reicht der Platz nicht“, erzählt er. Und da ein Anbau nicht möglich ist, ist der Geschäftsmann auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für seine Hexenküche. Denn Ideen hat er noch viele.

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