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Nordfriesland Tageblatt

12. Dezember 2017 | 02:05 Uhr

Leben im All : Südtonderns Blick zu den Sternen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Professor Wolfgang Duschl sprach in der Friedrich-Paulsen-Schule über intelligentes Leben im All und Kontaktaufnahme mit Aliens

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 05:00 Uhr

„Ja, wo seid ihr denn alle?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweiten Vortragsveranstaltung der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft Sektion Niebüll/Südtondern (SHUG). Die Frage stellt sich, weil Menschen seit Urzeiten über eventuell weiterem Leben im Weltall rätseln.

In einem tempogeladenen Referat schilderte der Kieler Wissenschaftler Professor Wolfgang Duschl die bisherigen Suchstrategien nach Aliens, Little Green Men und anderen Anzeichen von Leben im Universum und kam zu der Erkenntnis, dass alle bisherigen Annäherungsversuche zu keinen Ergebnissen führten und nach seinen Worten doch etwas naiv seien. Die entscheidende Frage sei doch, ob es im Universum überhaupt Leben gibt.

In der Mensa der Friedrich-Paulsen- Schule freute sich Horst Gransow als Vorsitzender der Universitätsgesellschaft (UG) über zahlreiche Besucher, größtenteils Schüler der beiden Niebüller Gymnasien, dazu Mitglieder der UG und der eine oder andere Sternenkundige, der ebenfalls darüber rätselt, was „da oben“ wohl eigentlich los sei.

Mit der vielleicht ein wenig spöttisch gereimten Titelfrage des Abends nahm Professor Duschl seine Zuhörer mit auf eine allemal interessante Reise durch das All, bei der er deutlich machte, wie sehr Kulturen und Religionen von bisher gewonnenen Erkenntnissen geprägt wurden. Doch erst im vergangenen Jahrhundert sei der Mensch mithilfe astronomischer Beobachtungsgeräte auf den Dreh gekommen, die Frage nach dem Leben im All wissenschaftlich anzugehen – die Frage vor allem nach intelligentem, hoch entwickeltem Leben. Als bekannteste Suchstrategie nannte Duschl die „Search for Extra Terrestrial Intelligence (SETI)“, bei der riesige Datenmengen von Signalen durchsucht wurden. In den 1970er Jahren seien Sonden in das äußere Sonnensystem geschickt worden in der Hoffnung, hochentwickelte Lebensformen in der Milchstraße zu identifizieren.

Das alles habe nichts gebracht, erklärte Wissenschaftler Duschl, Chef des Instituts für Physik und Astrophysik und Dekan der Mathematisch/Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Christian Albrechts Universität Kiel. Eine neue Herangehensweise an die vielen Fragen habe erst nach der Jahrtausendwende eingesetzt, berichtete er. Weil die für uns bekannten Lebensformen Planeten wohl entscheidend seien, „können wir uns vor Planetenentdeckungen kaum noch retten.“ Planeten um Sterne herum seien zwar der Normalfall. Doch man kann sie nur indirekt finden, weil sie vom Zentralgestirn Sonne derart stark überstrahlt werden, dass direkte Beobachtungen nicht möglich sind.

Wenn ein Planet Atmosphäre hat, wird diese vom Zentralstern „von hinten“ durchleuchtet. So kann auf der Erde analysiert werden, wie die Atmosphäre das Licht des Sterns verändert. Und diese Veränderung wiederum hängt von der Zusammensetzung der Atmosphäre ab – und bietet plötzlich die Möglichkeit zu untersuchen, ob dort auch Spuren von Leben zu finden sind. Das Verfahren, sagte Duschl, sei noch an der Grenze des Machbaren. Doch mithilfe neuer Instrumente (etwa von Spektrographen) werde man bald in der Lage sein, die Frage nach Leben zu beantworten. Das sage zwar noch nichts über hochentwickeltes, nach unseren Vorstellungen intelligentes Leben aus. Aber ein Anfang werde dann gemacht sein – und für Astrobiologie und Astrophysik das große Thema. „Dass wir Leben im Universum nachweisen können, da bin ich mir sicher.“

Weil die Zeit und das Wetter drängten, blieb nur wenig Gelegenheit, den Wissenschaftler mit Fragen zu bestürmen. „Was machen wir, wenn wir Leben entdeckt haben?“, lautete eine Frage. „Welchen Nutzen können wir daraus ziehen?“, eine andere. Fragen, die vorerst noch nicht zu beantworten sind, wie sich zeigte, weil es eine interplanetare Kommunikation (noch) nicht gibt. Nachdenklich, mit Blick in den diesig verhangenen Sternenhimmel und mit der Erkenntnis, bei dieser Thematik in doch wohl anderen Dimensionen denken zu müssen, machten sich die Besucher dieses denkwürdigen Abends auf den Weg nach Hause und zurück in die „terrestrische Realität“.

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