Naturschutzbund-Aktion : Südtondern zählt seine Vögel

Amseln waren 2017 die Art, die Schleswig-Holsteiner am zweithäufigsten in ihren Gärten, Wäldern und Parks gezählt hatten.
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Amseln waren 2017 die Art, die Schleswig-Holsteiner am zweithäufigsten in ihren Gärten, Wäldern und Parks gezählt hatten.

Vogelfreunde können sich vom 5. bis 7. Januar an dem Langzeitprojekt beteiligen und heimische Arten zählen.

shz.de von
04. Januar 2018, 11:43 Uhr

Niebüll/Klintum | Block und Stift liegen schon parat und auch das Spezialfutter mit Sonnenblumenkernen und Erdnüssen ist reichlich in den beiden Vogelhäuschen im Garten verstreut: Für die Aktion des Naturschutzbundes (Nabu) „Stunde der Wintervögel“, die ab morgen, 5. Januar, bis zum 7. Januar läuft, ist Jürgen Lorenzen aus Klintum bestens gewappnet. Der ehemalige Förster und Kreisnaturschutzbeauftragte für den Bereich Südtondern ist pensioniert und hat in den kommenden drei Tagen „genügend Zeit“, um gemeinsam mit seiner Frau für eine Stunde am Fenster zu sitzen, und genau darauf zu achten, welche Piepmätze sich in dieser Zeit an den Futterstellen niederlassen, sagt der 70-Jährige, der die Aktion bereits in der Vergangenheit unterstützt hat.

„Vögel haben mich seit meiner Kindheit interessiert.“ Feldsperlinge tummelten sich in seinem Garten am häufigsten, aber auch Kohl-und Blaumeisen sowie ein Dompfaff-Pärchen sind hier regelmäßige Gäste, erzählt der Experte. „Die Vielfalt der Vogelarten ist aber in den vergangenen 20 bis 30 Jahren stark zurückgegangen.“ Von der Vogel-Zählung erhofft er sich unter anderem, dass die Menschen für diesen Schwund sensibilisiert werden. Auch seine Enkelkinder sollen morgen mit dabei sein, wenn er von zehn bis elf Uhr das Treiben im Garten protokolliert.

Die Lorenzens sind zwei von zahlreichen Freiwilligen, die sich an der bundesweit größten wissenschaftlichen Mitmachaktion beteiligen. „Die Ergebnisse sind umso zuverlässiger, je mehr Menschen mitmachen“, sagt Ingo Ludwichowski, Ornithologe des Nabu Schleswig-Holstein. Teilnehmen kann demnach jeder. Ziel des Langzeitprojekts, das in diesem Jahr zum achten Mal stattfindet, ist es, „wertvolle Rückschlüsse auf die Entwicklung der heimischen Vogelbestände zu liefern“, sagt der Experte.

Die Aktion ist wichtig, „wenn wir zum Beispiel die Auswirkungen von Krankheitserregern auf die Vogelwelt einschätzen wollen“. Aber auch im Zusammenhang mit dem dramatischen Insektensterben und dessen Folgen für die Vögel sei sie bedeutsam, erklärt Ingo Ludwichowski. Im Mittelpunkt der Aktion stehen demnach Vogelarten des Siedlungsraums wie Meisen (Foto), Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Es ist aber auch wieder mit seltenen Exemplaren wie Seidenschwanz, Bergfink und Erlenzeisig zu rechnen, sagt der Vogelexperte.

Bei der letzten Wintervogelzählung Anfang 2017 hatten sich deutlich weniger Vögel gezeigt als gewohnt, in Schleswig-Holstein wurden zum Beispiel über 20 Prozent weniger Kohl- und Blaumeisen gezählt. Auch der Grünfink nahm deutlich bei den Sichtungen ab. Diesen Winter scheinen bei uns im Norden wieder mehr gefiederte Gäste unterwegs zu sein. Ob dieser Eindruck stimmt, werden die Ergebnisse der Zählung jetzt zeigen.

2017 waren in Schleswig-Holstein erstmals fast 5000 Naturfreunde beim Zählen dabei, mehr als je zuvor. In 3179 Gärten wurden damals 12 1117 Vögel gezählt. Im nördlichsten Bundesland lag 2017 der Haussperling auf Platz ein, den zweiten Platz belegte die Amsel, der Feldsperling war die Art, die am dritthäufigsten gezählt wurde.

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