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Orkan „Xaver“ : Südtondern ist für den Notfall gerüstet

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Schule im Kreis Nordfriesland fällt am Donnerstag aus. Es sind Windstärken 12 und Sturmfluten angekündigt.

von
erstellt am 04.Dez.2013 | 19:28 Uhr

Fünf Wochen nach dem verheerenden Orkan „Christian“ ist „Xaver“ im Anmarsch. Der Sturm wird die nordfriesische Küste und das Binnenland vermutlich Donnerstag Vormittag erreichen. Nach ersten Schätzungen soll er mit bis zu 200 km/h auf das Land treffen. Die rund 1400 Freiwilligen Feuerwehr und vier Berufsfeuerwehren im Land sind vorbereitet.

Das gilt auch für die Freiwillige Feuerwehr Niebüll-Deezbüll. Sie hat für den Fall, dass die Auswirkungen des Orkans in den angekündigten Ausmaßen oder ähnlich schlimm wie am 28. Oktober eintreffen, ein Bürgertelefon geschaltet. Die Nummer lautet 04661/9016222. Gemeindewehrführer Uwe Mussack dazu: „Wir haben das schon lange geplant.“ Ein wichtiger Hinweis: „Das Bürgertelefon ersetzt nicht den Notruf 112. Diese Nummer sollte in jedem Fall zuerst genutzt werden, wenn akute Notfälle vorliegen und Menschenleben in Gefahr sind. Das Bürgertelefon ist lediglich ein zusätzliches Angebot, um bei kleineren Schäden und Einsätzen die Notrufnummern zu entlasten.“ Das Sondertelefon der Feuerwehr ist auch nur dann geschaltet, wenn die Ausmaße des Orkans dies notwendig erscheinen lassen.

Sollten Festnetz- und Mobilverbindungen gänzlich ausfallen, haben Bürger die Möglichkeit, sich im Notfall mit ihren Schadensmeldungen und Problemen direkt zur Wache der Freiwilligen Feuerwehr Niebüll-Deezbüll (Peter-Schmidts-Weg 18) zu begeben. „Sie wird besetzt sein“, so Mussack.

Die Freiwillige Feuerwehr Leck ist ebenfalls gerüstet. „Unsere Motorsägen sind mit Kraftstoff gefüllt“, sagte Wehrführer Joachim Pilz. Laut Amtswehrführer Hans Jürgen Breckling wurden nach dem Orkan „Christian“ Führungsstellen in Südtondern aufgebaut, um möglichen Auswirkungen besser als noch vor vier Wochen begegnen zu können: „Wenn es losgeht, sind wir natürlich bereit. Wir bekommen die Daten vom Deutschen Wetterdienst und haben dann einen gewissen Vorlauf.“

Auch im Niebüller Bauhof ist man vorbereitet. Eigentlich haben die Bauhof-Mitarbeiter noch genug zu tun, um die Schäden vom Orkantief „Christian“ zu beseitigen. „Das wird auch noch dauern, mindestens bis Ende März nächsten Jahres – wenn nicht noch länger“, sagt Michael Austrup. Doch schon droht mit „Xaver“ neues Ungemach. „Für die im Wetterbericht für heute und morgen angekündigte Großwetterlage mit dem ersten Schnee und dem Orkantief sind bei uns alle Vorkehrungen getroffen“, berichtet Bauhofleiter Jochen Johannsen.

Wie steht es um die Weihnachtsmärkte? Silke Jannsen, Geschäftsführerin beim organisierenden HGV Niebüll: „Die Sicherheit der Standbetreiber und der Besucher geht vor. Der Weihnachtsmarkt ist für Donnerstag abgesagt, damit niemand zu Schaden kommt. Die meisten Standbetreiber sind damit auch einverstanden. Am Freitag müssen wir sehen, wie es sich entwickelt.“ Der Weihnachtsbaum wurde extra gesichert, unter anderem mit Erdnägeln. Weiterhin hat er eine Manschette bekommen. „Bezüglich der Weihnachtsbeleuchtung hatten wir Kontakt mit dem Technischen Hilfswerk.“ Eine E-Mail des Kreises Nordfriesland mit der Bitte, im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr Märkte ab Donnerstag zu schließen und zu sperren, Buden, Fahrgeschäfte und Bäume zu sichern sowie die Nahbereich vor umherfliegenden Teilen zu sichern, ging gestern Nachmittag an die Ämter und Kommunen raus.

Aufgrund des zu erwartenden Orkans und der möglichen Gefährdung von Schülern fällt der Unterricht am Donnerstag an allen öffentlichen Schulen im Kreis Nordfriesland aus. Allgemein gilt, dass Eltern, die für ihr Kind eine besondere Gefährdung auf dem Schulweg befürchten, selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind zur Schule schicken, teilt die Landesregierung auf ihrem Internetportal mit. Unter einer Hotline 0800-1827271 gibt es aktuelle Informationen zu Schulausfällen.

Was tut sich da genau? Wir haben den Niebüller Wetterexperten Gerd Müller gefragt: Schon am Mittwochnachmittag entwickelte sich über Island das Orkantief. Von Grönland aus zog massive Polarluft in Richtung Schottland. „Arktische Polarluft trifft zwischen Island und Schottland auf subtropische Luft vom Süden, hinzu kommt der Jetstream in 5000 Metern Höhe, der das Ganze in unsere Richtung mitreißt.“ Danach werde alles ganz schnell gehen. „Schon am Donnerstag wird es vormittags losgehen. Während es zunächst noch mild bleibt, wird es über der Nordsee erste Orkanböen geben, dann entwickelt sich alles weiter. Der erste Höhepunkt ist für den Nachmittag zu erwarten. Eine Kaltfront, extreme Orkanböen über 140 Stundenkilometer für die Nordseeküste und Schleswig-Holstein sind möglich. Selbst im Binnenland ist mit Windstärke 11 zu rechnen.“ Eine erste schwere Sturmflut ist möglich. Gerd Müller: „Erwartet wird, dass das Wasser um zweieinviertel Meter über Normal steigt, die Dänen melden dreieinhalb bis vier Meter für ihre Region. Sobald die Kaltfront weg ist, rappelt es im Karton: Regen, Schnee, Graupel.“ Liegen bleiben wird kaum etwas. Der Grund: Es ist zu warm. Damit nicht genug. Für die Nacht von Donnerstag auf Freitag wird eine weitere schwere Sturmflut erwartet. Flächendeckende Orkanböen steigern sich noch einmal, selbst am Freitagvormittag weht der Wind in Böen immer noch mit neun bis zehn Windstärken.

Der Unterschied zum Orkan „Christian“ vom 28. Oktober: „,Xaver‘ dauert nicht nur ein paar Stunden, sondern ist langanhaltend. Wir werden zwei Tage mit ihm zu tun haben. Das und die Sturmfluten: Das ist ganz dramatisch.“ Nachzuverfolgen ist die Entwicklung auf der nebenstehende Prognosekarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Sie ist eine Vorschau dessen, was am Donnerstag, 12 Uhr UTC (13 MEZ), zu erwarten ist: Das Orkantief hängt mit 970 Hektopascal über Norwegen, die Farben weisen auf die Temperaturen (siehe Skala am unteren Bildrand) hin. Deutlich zu erkennen sind die Warm- und Kaltfronten, die Schauer (grüne Punkte) und Schnee (violette Symbole) sowie Gewitter (rote Blitze) mit sich ziehen.

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