Fracking in Südtondern : Südtondern als frackingfreie Zone

Eine konsequente Energiewende zählt zu den Forderungen der Anti-Fracking-Initiativen.
Eine konsequente Energiewende zählt zu den Forderungen der Anti-Fracking-Initiativen.

Sorge um Wasser- und Lebensqualität: Amtsausschuss empfiehlt allen Gemeinden den Beitritt zur sogenannten Korbacher Erklärung.

shz.de von
06. März 2018, 07:37 Uhr

Niebüll | Das Gespenst „Fracking“ ist aus den täglichen Schlagzeilen derzeit zwar verschwunden, doch die Sorge und Angst vieler Bewohner an der Westküste um die Qualität des Trinkwassers und vor der Verschlechterung der Lebensqualität in ihrer Heimat ist geblieben. Zumal das Thema je nach der politischen Großwetterlage in Deutschland und Europa jederzeit wieder aktuell werden kann.

Gegen Fracking (Hydraulic Fracturing) – ein technisches Verfahren, das zur Förderung von Erdöl oder Erdgas künstliche Fließwege im Gestein schafft, um die Durchlässigkeit der Lagerstätten zu erhöhen – und die damit verbundenen Risiken hat der Amtsausschuss jetzt ein Zeichen gesetzt – allerdings nicht in der zunächst geplanten Art und Weise.

„Der Anstoß kommt von der Gemeinde Sprakebüll“, sagt Frerk Matthiesen, Leiter des Büros des Amtsdirektors. Gemeint ist der von dort stammende Antrag, das Gebiet des Amtes Südtondern zur frackingfreien Zone zu erklären, basierend auf der bundesweiten Aktion „Frackingfreie Gemeinde“, der sich Dagebüll und Stedesand bereits angeschlossen haben.

Diese wurden im Dezember 2014 von mehreren Umweltverbänden, darunter Nabu, BUND und Deutscher Naturschutzring initiiert. Ziel ist, den Entscheidungsträgern der Bundesregierung und im Europäischen Parlament die lokalen Widerstände und Sorgen gegen das Fracking aufzuzeigen. Die beigetretenen Gemeinden werden vom BUND in einer Liste und auf einer Deutschlandkarte aufgezeigt.

„Rechtliche Wirkung hat dieser Beitritt nicht, es geht darum, ein Zeichen zu setzen und dieses Thema, eine wirklich wichtige Sache, mal wieder in die Öffentlichkeit zu bringen“, sagt Matthiesen. Ein Ausrufezeichen, besonders für die Sorge um die Qualität des Grundwassers, den Erhalt des Lebensraumes und das Bestreben der Region für eine nachhaltige Energiewende.

Doch der schon durch allgemeines Nicken deutlich signalisierten Zustimmung in der großen Runde verpasste Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt zunächst einen kleinen Dämpfer: „Wir als Amtsausschuss können gar nicht beitreten, denn wir sind kein gewähltes Gremium, sondern nur eine Versammlung von Bürgermeistern.“ Sehr wohl könne der Amtsausschuss aber allen Amtsgemeinden empfehlen, dem Beispiel von Dagebüll und Stedesand zu folgen, sich zur Frackingfreien Gemeinde zu erklären und auch der Korbacher Erklärung beizutreten. Dieser Zusammenschluss diverser Initiativen fordert vom Bund, von den Ländern und der EU unter anderem das sofortige Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung und Gewinnung fossiler Energieträger, ein generelles Import- und Handelsverbot von gefrackten Energieträgern sowie ein generelles Verbot der Verpressung des Rückflusses oder der untertägigen Ablagerung von Fluiden und Lagerstättenwasser. Dieser Empfehlung stimmt der Amtsausschusss einstimmig zu.

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