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Insektizid in Hühnereiern : Südtonderaner setzen auf Eier aus der Heimat

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Angesichts des Skandals um mit Fipronil belastete Eier, werden in Südtondern solche aus der Region scheinbar mehr gekauft.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 11:49 Uhr

Niebüll | Darf ich mir noch ein zweites Frühstückei gönnen? Und wie kann ich sicher sein, dass die Eier aus dem Supermarkt nicht mit Fipronil belastet sind? Der in den Niederlanden und Belgien ausgelöste Lebensmittelskandal um mit dem Insektizid belastete Eier kann die Verbraucher verunsichern. Menschen in Südtondern scheinen die Meldungen über die mit dem chemischen Mittel belasteten Eier nicht zu irritieren. Sie setzen jetzt offenbar auf Produkte, deren Herkunft sie kennen: Der Absatz von Eiern aus der Region ist in vielen Supermärkten, Bioläden und Eier-Höfen im Amtsgebiet gestiegen. Zumal nicht erst seit gestern bekannt wurde, dass die vom Verbraucherschutzministerium angeordnete vorsorgliche Untersuchung von Eiern aus Schleswig-Holstein im Hinblick auf das Insektizid negativ ist.

„Wir waren komplett ausverkauft und konnten auch nichts nachbekommen“, sagt Kristina Johannsen, Inhaberin von Johannsens Hofladen in Sprakebüll, die neben Bio-und Freilandeiern auch Schinken, Käse und Marmeladen verkauft. Kunden, die zuvor beim Discounter Aldi – der Eier zur Zeit komplett aus seinem Sortiment gestrichen hat – ihre Eier gekauft haben, würden jetzt eher zu ihr kommen. Beunruhigt seien ihre Stammkunden nicht, denn diese würden sich „sowieso schon bewusst mit ihrem Essen beschäftigen“. Anders sei das bei Neukunden, die jetzt häufiger als sonst nach der Herkunft der Speisen fragten.

Auch im Bioladen Ambrosia in Niebüll gehen jetzt mehr Eier über den Tresen: „Letzte Woche ist der Verkauf gestiegen“, erzählt eine Angestellte. Das bestätigt auch eine Verkäuferin der Bäckerpost in Risum-Lindholm. Dass Regionalität angesichts der möglichen bedenklichen Wirkstoffe gerade bei Eiern gefragt, berichten auch große Supermärkte in Südtondern. Gerade die Eier aus dem Umland würden jetzt mehr gekauft, sagt die Mitarbeiterin eines Niebüller Marktes. Ob die Zahl der verkauften Eier bei Famila in Leck in den vergangenen Tagen gestiegen ist, kann eine Sprecherin des Marktes zwar nicht sagen – alle Eier kämen allerdings aus Deutschland und würden regelmäßig kontrolliert, „sodass wir sie bedenkenlos an unsere Kunden weitergeben können“, sagt sie.

Einen Andrang auf Eier spürt auch Peter Michael Thomsen. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er den Biohof Thomsen in Holt – unter anderen beliefert er auch Kristina Johannsen mit frischen Eiern. „Seit drei Wochen schon ist der Absatz so groß, dass wir kaum hinterherkommen mit der Lieferung“, sagt Thomsen, der 220 Hühner hält. Das läge zum einen daran, dass jetzt Sommerferien sind und viele Urlauber sich auf dem Weg nach Dänemark auf dem Hof mit Eiern eindecken. Zum anderen aber auch an den Berichten über das verbotenerweise zugemischte Insektizid, die zu einer stärkeren regionalen Verbundenheit führten. „Die Verbraucher wollen wissen, wo ihr Ei herkommt“, sagt der Agrarbetriebswirt. „Das mit Fipronil belastete Mittel setzen wir nicht ein.“ Um Läuse, Milben, Flöhe und Zecken vom Federvieh fernzuhalten „staubbaden die Tiere im biozertifizierten Urgesteinsmehl Cumbasilmite“, sagt er.

Um möglichen Unsicherheiten bezüglich des Insektengiftes vorzubeugen, klärt der Eierproduzent Dein Friesenei, mit Sitz in Westre, seine Kunden bei Facebook auf: „Bei mir im Betrieb sind keinerlei solcher Mittel verwendet worden“, heißt es in einem Post vor vier Tagen. Die Firma von der er die Produkte, die er für seine Tiere auf dem Hof im nordfriesischen Marschland beziehe, habe ihm bestätigt, dass „alles frei ist von dem Stoff“.

Die Lust auf die kleinen Eiweißlieferanten lässt sich leicht erklären, sagt Nicolai Wree, Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbands Schleswig-Holstein und Hamburg. „Die Abverkäufe regionaler Ware steigt, weil sich die Verbraucher in der Regionalität in Sicherheit wissen.“ Dadurch dass Aldi und Rewe Eier zunächst aus ihrem Programm gestrichen haben, steige dann auch die Nachfrage bei anderen Verkäufern. Daher wird die Abfrage in Südtondern – in dem es keine größeren Legehennen-Betriebe gibt – trotz Krise nicht geschwächt, sagt der Experte. Doch auch wenn Schleswig-Holstein „ein sicheres Eierland“ ist, sei eine flächendeckende Aufklärung in diesen Zeiten allerdings „enorm wichtig“, sagt der Experte.


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