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Streit der Grenzmärkte : Süderlügum: Abriss nach Ladenschluss

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zwei dänische Ladenketten streiten um eine 200 Quadratmeter große Fläche in Süderlügum. Jetzt entscheidet das Gericht.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 17:36 Uhr

Es geht hart zur Sache zwischen den beiden dänischen Ladenketten Priss und Fakta in Süderlügum. Gestritten wird um eine 200 Quadratmeter große Fläche, von der beide Parteien behaupten, dass sie ihnen gehört. Fakta plant in diesem Bereich den Neubau eines Marktes. Die strittige Fläche mit dem Schuppen liegt in der Einfahrt zu dem geplanten Markt. Am Wochenende kam es, wie berichtet, zu mehreren Polizeieinsätzen. Fakta hatte für Freitag ein Unternehmen bestellt, um den Schuppen, den Priss als Lager nutzt, abzureißen. Die Polizei untersagte wegen des schwelenden Rechtsstreits den Abriss. Dennoch rückte in der Nacht zu Sonnabend ein Trupp mit Bagger an und leistete ganze Arbeit.

Beide Parteien wähnen sich im Recht und sparen nicht mit Vorwürfen an die Gegenseite. Priss-Geschäftsführer Nils Sterndorff pocht auf das Nutzungsrecht für die Fläche. Mit Schreiben vom April und Dezember 2013 sei sein Unternehmen von Fakta aufgefordert worden, die Fläche zu räumen. Dagegen habe man sich mit anwaltlicher Hilfe zur Wehr gesetzt. „Wir sind ganz sicher, dass wir im Recht sind.“ Als klaren Rechtsbruch sieht er die Abriss-Arbeiten an, die trotz des Verbotes durch die Polizei in Auftrag gegeben wurden. Die habe den Leuten nämlich ganz klipp und klar gesagt, dass sie nichts machen dürften, bevor nicht ein Richter entschieden hat. „Ich bedaure das als Däne, dass sie keinen Respekt vor den Gesetzen in Deutschland und vor der Polizei haben“, sagt Sterndorff, der von einer ganz schrecklichen Geschichte spricht, die auch seinen Mitarbeitern schwer zugesetzt habe. Einige seien in Tränen ausgebrochen, und er habe sie nach Hause fahren müssen.

Sterndorff habe die mehrmalige Aufforderung, den Schuppen abzureißen, ignoriert, erklärt dagegen der Verkaufsdirektor von Fakta Deutschland, Ronny Moriana Glindemann, zu dem mittlerweile Monate währenden Streit. „Jetzt konnten wir das Fundament nicht gießen, weil der Schuppen im Weg war. Da haben wir das selbst gemacht.“ Er beruft sich auf Aussagen seiner deutschen Anwälte, wonach hier das Recht der Selbsthilfe gelte. „Es bedarf keines Richterspruchs, den Schuppen abzureißen.“ Auf die Frage, warum zu später Stunde abgerissen wurde, erklärt der Fakta-Direktor: „Ich habe selbst nicht mit den Handwerkern gesprochen. Wir wollten aber Störungen durch Herrn Sterndorff oder seine Mitarbeiter umgehen und haben deshalb bis nach Ladenschluss gewartet.“

„Es handelt sich um einen illegal errichteten Schuppen, für den es keine Baugenehmigung gibt“, sagt Glindemann weiter und verweist auf eine eidesstattliche Erklärung des Vermieters, wonach dieser dem Priss-Chef in keiner Weise eine Genehmigung für den Bau des Schuppens erteilt habe. „Es ist unser Grundstück. Da gibt es gar keinen Zweifel“, betont Glindemann.

Er hat wenig Verständnis für das Verhalten des Priss-Chefs und spricht von einer PR-Nummer. Sterndorff gehe es lediglich darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen. „Es gibt keinen rationalen Grund für diese Aktion von Herrn Sterndorff. Wir sind keine Konkurrenz im eigentlichen Sinne, haben ein anderes Konzept. Mit 200 zusätzlichen Parkplätzen locken wir mehr Kunden und damit bescheren wir auch unserem Nachbarn Aufmerksamkeit.“

Auf dem Gelände ist fürs Erste Ruhe eingekehrt. Das Lager wurde von Priss wieder aufgebaut. Um sicher zu sein, dass nicht wieder ein Abriss-Trupp anrückt, habe er einen Wachdienst mit Hunden engagiert, berichtet der Priss-Chef.

„Nun wird zivilrechtlich geklärt werden müssen, wer tatsächlich Eigentümer der Fläche und damit im Recht ist“, sagt Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg. Nach dem Abriss seien strafrechtliche Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch sowie Sachbeschädigung eingeleitet und an die Staatsanwaltschaft übergeben worden. „Die nächtliche Aktion war in ihrem Ausmaß auch für uns sehr kurios.“

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