Niebüll : Suche nach neuen Parkflächen

Parkplatzsuchende haben am ZOB kaum eine Chance,  fündig zu werden – es sei denn, es sind Ferien. Foto: Stephan Bülck
Parkplatzsuchende haben am ZOB kaum eine Chance, fündig zu werden – es sei denn, es sind Ferien. Foto: Stephan Bülck

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23. Dezember 2009, 09:53 Uhr

Niebüll | Zwei Autofahrer umkreisen den Parkplatz am ZOB auf der Suche nach einer Stellfläche. Doch sie haben Pech. Er ist "rappelvoll". Zufahrten sind zugeparkt, selbst die gepflasterten Fahrspuren bilden da keine Ausnahme. Den Suchenden bleibt auch dieses Mal nur der Rückzug. Doch wohin? Die nächste größere Parkfläche im Stadtkern gehört zu einem Discounter und ist deren Kunden vorbehalten.
"Es ist eine Katastrophe"
Renate Hartwig, Geschäftsführerin des Kaufhauses "Knudtsen" mit 28 Angestellten, bekommt den Parkplatzmangel zu spüren. Gerade jetzt in der umsatzstarken Weihnachtszeit tut es weh. "Viele Kunden kaufen sperrige Waren, wie beispielsweise Töpfe oder ähnliches. Insbesondere ältere Menschen können mit ihren Einkäufen nicht weit laufen. Sie sind daher auf nahe gelegenen Parkraum angewiesen." Der fehle, und daher werde in ihrem Haus spürbar weniger verkauft. "Dieses Minus macht sich in der Kasse schon bemerkbar." Dabei habe sie einst, wie andere Niebüller Geschäftsleute auch, pro Parkplatz eine Ablöse an die Stadt zahlen müssen. Doch diese Flächen auf dem ZOB-Parkplatz stehen ihren Kunden nicht zur Verfügung, beklagt Renate Hartwig. Bereits in den frühen Morgenstunden ist das Areal durch Fahrzeuge von Schülern belegt. "Es ist eine Katastrophe", sagt sie und fürchtet, wenn sich an der Parkplatzsituation nichts schnellstens etwas ändert, um den Bestand ihres Geschäftes. Unverständlich für die Niebüllerin bleibt, dass die freie gegenüber (Lornsenstraße/Ecke Hauptstraße) nach dem Abriss der Gebäuderuinen immer noch leer steht. Wertvolle, dringend benötigte Parkfläche gehe hier verloren.
"Ein Parkplatz war hier nie vorgesehen"
Für eine künftige Nutzung des Eckgrundstückes als Parkplatz sieht Bürgermeister Wilfried Bockholt keine Möglichkeiten mehr. "Es ist verkauft - im Sinne der städtebaulichen Planung. Seit Oktober befindet es sich im Eigentum des Käufers, der hier im kommenden Jahr ein kombiniertes Wohn- und/oder Geschäftshaus errichten will." Ob bis dahin eine Nutzung als Parkfläche möglich sei, müssten interessierte Geschäftsleute mit dem neuen Eigentümer klären. Wilfried Bockholt: "Kern der städtebaulichen Planung ist immer gewesen, es zu bebauen. Ein Parkplatz war hier nie vorgesehen." Dass die Fläche zwischenzeitlich so genutzt wurde, habe sich so ergeben. Über Jahre wurde versucht, einen Käufer für eine Bebauung zu finden - zunächst ohne Erfolg. Noch in diesem Jahr schlug die Stadt dem benachbarten Kreditinstitut vor, deren Kundenparkplatz mit dem leeren Grundstück als Parkfläche mit einer Ein- und Ausfahrt zu kombinieren. Das wurde abgelehnt. Schließlich kam es doch noch zu einem Verkauf.
"Wo nehmen wir den Parkraum her?"
Den Ärger der Bürger über die Parkraumnot im Stadtkern, speziell am ZOB, kann der Bürgermeister gut nachvollziehen: "Wir wissen, dass wir Stellplatzbedarf haben, der nun abgedeckt werden muss. Die Frage ist: Wo nehmen wir neuen Parkraum her?" Eine Möglichkeit biete da die Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes. Unter Beteiligung der Bürger kam auch diese Problematik auf den Tisch. "Die Vorschläge werden Anfang kommenden Jahres in der Stadtvertretung beraten." Seit längerem gibt es Überlegungen, in der Bahnhofstraße eine Parkfläche auszuweisen. "Sie liegt sogar näher am Rathausplatz, als der ZOB-Parkplatz", so Wilfried Bockholt. "Die Frage ist nur: Wird der Platz von den Bürgern auch angenommen?" Oder dient er am Ende lediglich Sylt-Reisenden als Möglichkeit, in Konkurrenz zum Parkhaus am Bahnhof kostenlos die Autos abzustellen? Das sei nicht gewollt.
"Einen Anspruch gibt es nicht"
Zum Thema durch Gewerbetreibende bezahlte Stellplätze erklärt der Bürgermeister: "Stellplätze sind, so sehen es die Auflagen vor, auf den eigenen Grundstücken oder in einem näheren Umfeld nachzuweisen." Dies sei nicht jedem möglich. "Daher haben Geschäftsinhaber Plätze auf dem Parkplatz am ZOB abgelöst. Damit wurde die Auflage erfüllt. Vergessen darf man nicht: Ein rechtlicher Nachweis bedeutet nicht gleich auch ein physischer Nachweis." Einen Anspruch auf bestimmte Stellplätze gibt es nicht.

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