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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 20:48 Uhr

Farbenspiel : Suche nach dem richtigen Farbton

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mitglieder des Kirchengemeinderates sowie des Freundeskreises beraten über einen neuen Innenanstrich für die St. Laurentius-Kirche in Karlum

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Mitglieder des Kirchengemeinderates sowie des Freundeskreises des St. Laurentius-Kirche in Karlum versammelten sich dieser Tage – zusammen mit dem Architekten Pieter Dübbelmann – im Vorraum des Gotteshauses. Der Anlass: Sie ließen sich vom Kirchenmaler Volker Lang und dem Restaurator der Nordkirche, Markus Freitag, über das Farbkonzept unterrichten, das beim geplanten Neuanstrich des Innenraums der Kirche angewendet werden soll. Der Freundeskreis und der Kirchenvorstand wünschen sich, das das älteste nachweisbare Konzept – sofern bezahlbar – so originalgetreu wie möglich ausfällt.

Als Vorsitzende des Freundeskreises und zugleich Mitglied des Kirchenvorstandes hieß Dr. Karin Tuxhorn die Versammelten willkommen und erteilte zunächst dem Restaurator Freitag das Wort. Er und Volker Lang waren zwei Monate zuvor einige Tage in der St. Laurentius-Kirche zu Gast gewesen, um – unter Einbeziehung von Gutachten – als Basis für ein neues Farbkonzept zunächst einmal zu untersuchen, welche Farbigkeit die Kirchenbänke, die Orgelempore sowie die Balkendecke in den einzelnen historischen Epochen aufwiesen. Der Restaurator hatte auf mechanische Weise extrem vorsichtig Farbproben genommen und und dabei ein durchgehendes Farbkonzept für die ganze Kirche festgestellt. Die älteste von vier übereinander liegenden Farbschichten stammte nach seinen Feststellungen aus der Zeit des Ausgangs des 17. Jahrhunderts. Das ermittelte Konzept stellt eine vom Blau dominierte Version für alle Ausstattungsstücke dar, die im Bereich der aufgesetzten Profilleisten, an Füllungen oder am Architrav der Orgelempore Absetzungen in Gelb, Orange und Dunkelbraun aufweisen.

Die Farbproben werden demnächst auf Kosten des Landesdenkmalamtes an der „Hochschule für bildende Künste Dresden“ in deren naturwissenschaftlichem mikroanalytischem Labor unter dem Mikroskop untersucht, um so ihre chemische Zusammensetzung zu erfahren. Denn diese gibt den Ausschlag für die Leuchtkraft, den Glanz oder die Mattigkeit der Farben. Verwendet wurden einst zwei unterschiedliche Bindemittel: ein wässriges, das – zum Beispiel an der Decke – die Farbe matt erscheinen lässt und ein wahrscheinlich öliges für den Anstrich der Teile, die – wie die Kirchenbänke und die Empore – stärker der Nutzung ausgesetzt sind. Diese Vermutung bedarf noch der Bestätigung durch eine chemische Analyse.

Der Kirchenmaler Volker Lang berichtete, er habe – gestützt auf die Ergebnisse der Befunduntersuchung des Restaurators – das Kirchengestühl und die Empore ausgemessen und Detailzeichnungen angefertigt. In diese hätten beide gemeinsam eingetragen, wo Gelb, Blau, Braun oder der Orangeton gefunden wurden. „Wir vermuten, dass es sich um bestimmte Pigmente handelt, müssen aber noch das Ergebnis der im Labor durchgeführten Untersuchungen abwarten“, so der Kirchenmaler. Er habe in kleinen Mengen die Farben nachgemischt und die Pigmente notiert. Hinsichtlich der Grundierung für die Ölfarben gehe er von einem sehr hellen Grau aus. Die Sitzflächen und Lehnen der Bänke wolle man eventuell mit akrylgebundenen Farben streichen, weil diese strapazierfähiger sind. Die Erforschung der Pigmente soll laut Lang bewirken, dass am Ende keine Teile der Kirche wie „totgestrichen“ aussehen.

Was die heute an der Wand der Empore befindlichen Fotografien der Karlumer Apostel betrifft, wurde man sich einig, dass diese vor Beginn der Malerarbeiten zu entfernen seien. Ob sie später am selben Ort wieder angebracht werden oder man sie lieber in den Altarraum „umziehen“ lässt, gilt es, nach dem Anstrich des Gotteshauses zu entscheiden.

 



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