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Sturmschäden im Rückblick : Sturm „Christian“ sei Dank

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Glück im Unglück: Genau ein Jahr ist es her, dass das Orkantief „Christian“ im Vorgarten der Familie Thomsen eine Linde zum Kippen brachte

Auf dem inzwischen schon vergilbten Foto ist die alte Linde noch zu sehen. Am Eingang des Gebäudes, direkt vor der Haustür, hatte sich Anfang der 80-er Jahre Familie Thomsen zum Gruppenfoto aufgereiht. Am Bildrand steht der Laubbaum, fünf Meter vom Giebel entfernt, in voller Pracht. Dieses Foto und noch weitere hütet Hausherr Carid Thomsen (71) in einem extra angelegten Fotoalbum als Erinnerungen an die Vergangenheit. Nur sind es in diesem Fall nicht die abgelichteten Familienmitglieder, die das Interesse wecken. Vielmehr ist es die 150 Jahre alte Linde, denn die steht nun seit genau einem Jahr nicht mehr da, wo sie so lange stand.

Es war ein Montag, der 28. Oktober 2013, als „Christian“ durchs Land fegte. Während manche Orte in Südtondern nahezu verschont blieben, hatte das Orkantief ein paar Straßen oder Dörfer weiter regelrecht gewütet. Das Anwesen von Familie Thomsen in Stadum gehört zu jenen, die stark betroffen waren. Auf der 5000 Quadratmeter großen Fläche kippten im Laufe des Tages acht Bäume um – alle schon recht alt und mit derart dickem Umfang, dass sie kein Mensch mit seinen Armen hätte umfassen können. Nur die alte Linde aber, die im Vorgarten genau im Süden des ehemaligen Bauernhofs stand, traf den Hof. Erst sah Carid Thomsen im Stall die Bleche vom Dach fliegen, dann registrierte er, wie sich der Rasen rund und den Baum bewegte. Schließlich, nahezu geräuschlos, kippte die Linde langsam auf Giebel, Dachschräge und Schornstein.

„Wir hatten das gar nicht gleich bemerkt, erst als ich aus dem Fenster schaute“, erinnert sich der Stadumer. Er reagierte gefasst und regelte, was zu tun war: Thomsen informierte die Stadumer Feuerwehr, dann versuchte der Rentner immer wieder die Versicherung telefonisch zu erreichen, was ihm aber erst drei Tage später gelang. In der Montagnacht schlief er nicht gut. „Wir wussten ja nicht, was jetzt alles auf uns zukommt.“

Fünf Tage später rückten Arbeiter einer Abrissfirma an, die den Baum vom Haus nahmen und ihn in größere Stücke zersägten. Johannsen: „Als der Kran kam, war die ganze Straße mit Schaulustigen voll. Man hätte hier eine Pommesbude hinstellen können.“

Die Familie bekam erst eine Notabdeckung aufs Dach, Wochen später wurde der Hof mit einer dickeren Plastikplane winterfest gemacht. Carid Thomsen fotografierte jede Änderung am Haus. „Es hätte alles viel schlimmer ausgehen können. Wäre die Linde gerade auf den Giebel gefallen, wären die Steine durch die Holzdecke bis ins Wohnzimmer gekommen. So aber hatten wir Glück im Unglück.“

Dachdecker begannen dann erst im April diesen Jahres mit ihren Arbeiten. Mit dem Geld der Versicherung ließ sich Thomsen das Dach isolieren und neu eindecken, diesmal jedoch mit Pfannen statt mit Schiefer. „Alles lief eigentlich problemlos“, bilanziert Thomsen. Hell und freundlich sei es im Wohnzimmer geworden, seit der Baum nicht mehr die Sonne fernhalte. „Vorher mussten wir auch am Tag immer das Licht anhaben.“ Auch müsse seine Frau jetzt seltener die Fenster zur Straße hin putzen, da die Linde mit ihrem Nektar oft die Scheiben verschmutzt hatte. „Man mag es kaum sagen, denn der Baum war ja sehr schön. Aber inzwischen sind wir froh, dass er weg ist“, gesteht der ehemalige Berufskraftfahrer, der seit 1987 in Stadum wohnt.

Nur eine Sache trübt bereits die neugewonnene Wohnidylle und wirft seine Schatten voraus. Vor ein paar Jahren hatte die Gemeinde Stadum Ahornbäume an den Straßenrand gepflanzt – zum Bedauern der Familie Thomsen auch ausgerechnet direkt vorm Haus, im Süden des Vorgartens. Und sind die erst einmal groß, ist die Sonne im Wohnzimmer erneut ausgesperrt. „Gut, dass ich das nicht mehr erleben werde“, scherzt der Hausherr.

 

 

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erstellt am 28.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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