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Stürmischer Applaus für das erste Konzert der „Nordfriesischen Compagney“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 14.Apr.2014 | 09:43 Uhr

Die „Nordfriesische Compagney“, ein von Kantor Thomas Hansen im Dezember 2013 gegründetes Ensemble, wartete in der Lecker St. Willehad-Kirche mit seiner ersten öffentlichen Darbietung auf: einem Passionskonzert unter dem Thema „O Haupt voll Blut und Wunden“. „Der sinnlich-direkte Zugang unserer Vorfahren zum Glauben und Leiden Jesu Christi ist uns weitgehend abhanden gekommen“, so merkte Hansen zum Programm an. „Deshalb hoffen wir, unser Konzert möge etwas Leben und Gefühl in das Nachdenken über die Leidensgeschichte bringen.“ Diese Hoffnung sollte vollauf in Erfüllung gehen.

Zum Auftakt erklang der vierstimmige, a cappella vorgetragene Vokalsatz „Jesu Kreuz, Leiden und Pein“, ein schlichter, klangschöner Choral von Adam Gumpelshaimer (1559 – 1625) aus der Augsburger „Sammlung Wirtzgärtleins Deutsch und Lateinischer Geistlicher Lieder“ aus dem Jahre 1619. Dabei erwiesen sich die Sängerinnen und Sänger – Carola Jäckel (Sopran), Angie Henschen (Alt), Dietmar Stenoblock (Tenor) und Thomas Hansen (Bass) – als ein stimmlich gut ausgewogenes, sauber intonierendes und mit deutlicher Aussprache agierendes Quartett. Es folgte die Choralkantate „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ (BuxWV 27) von Dietrich Buxtehude, zwischen deren Strophen der Komponist dem Zuhörer immer wieder Gelegenheit bietet, über deren Inhalt nachzudenken.

Die „Nordfriesische Compagney“ setzt sich aus einem Vokalquartett und sieben Instrumentalisten zusammen, die sich als engagierte und erfahrene Laienmusiker der Pflege frühbarocker Musik gewidmet haben. Die Musiker des Basso continuo – Hartmut Friedel (Truhenorgel), Stefan Seidl (Theorbe) und Dirk Jacobsen (Violoncello) gaben beim Konzert in Leck dem Vokalquartett rhythmischen und harmonischen Halt, während Imke Steffen (Violine) und Hubert Lürkens (Oboe) den Klang durch sauber vorgetragene Melodien ergänzten und bereicherten.

Bei zwei Werken lösten Annegret Friedrichsen und Silke Kirchner als Bassflötistinnen die Violonistin und den Oboisten ab: „Johannespassion“ von einem unbekannten Meister aus der Sammlung „Pierre Attaignant“ und die „Passionsmusik über die sieben Worte Jesu am Kreuz“ vom Schleswiger Komponisten Augustin Pfleger (1635 - 1686).

In beiden wird der Text des Evangeliums des Johannes vorgelesen oder gesungen. Wörtliche Zitate und kommentierende Betrachtungen werden den Gesangssolisten in den Mund gelegt, bei denen alle ihr stimmliches Können und ein einfühlsames Empfinden für die Gestaltung an den Tag legten. Im Vergleich zu den großen Bach-Passionen wahrten die von der Nordfriesischen Compagney aufgeführten Werke einen schlichten, kammermusikalischen Charakter, der unmittelbar anrührte und noch lange intensiv nachschwang.

Am Ende des Konzerts ließ das Publikum den Schlussakkord zunächst schweigend auf sich wirken, bis es stürmischen Beifall spendete. Auf die kommenden Projekte der Nordfriesischen Compagney darf man gespannt sein.






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