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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 20:52 Uhr

Stürmische Pianoklänge im Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Nino Kotrikadze beeindruckt bei ihrem Auftritt mit technischer Brillanz und ganz viel Einfühlungsvermögen

120 Zuhörer waren erschienen, um die als Kind einer Musikerfamilie in Georgien geborene Piano-Virtuosin Nino Kotrikadze im Sitzungssaal des Lecker Rathauses zu erleben. Eingeladen hatte der „Verein der Musikfreunde in Leck und Umgebung“. Die Anwesenden wurden nachhaltig beeindruckt: Kotrikadzes Auftritt spielte auf höchstem Niveau – sowohl was die Technik als auch das musikalische Einfühlungsvermögen betraf.

Als Vorsitzende des gastgebenden Vereins hieß Heidi Specht-Christel die Künstlerin und deren Publikum willkommen und warb um Fortsetzung der erfolgreich gestarteten Spendenaktion zugunsten einer Grundüberholung des vereinseigenen Blüthner-Flügels. Dieser ist mit frei mitschwingenden Saiten, dem die Obertöne verstärkenden „Aliquot-System“, ausgestattet.

Die Moderation ihrer auswendig interpretierten Programmbeiträge übernahm Nino Kotrikadze selbst. Sie begann mit der Sonate op. 31 Nr. 2 d-moll von Ludwig van Beethoven, die unter dem Beinamen „Der Sturm“ bekannt ist. Dies hat seinen Grund zum einen darin, dass das Werk einen stürmischen, sich zu einem Orkan steigernden Charakter aufweist, zu dem zahlreiche melodiöse Passagen reizvolle Kontraste bilden. Zum anderen soll Beethoven – von Schülern danach befragt, wie seine Sonate zu spielen seien – dazu geraten haben, Shakespeares „Der Sturm“ zu lesen. Das kraftvolle, hochkonzentrierte Spiel der Pianistin, die ein Höchstmaß an Virtuosität an den Tag legte, entlockte dem Flügel geradezu orchestrale Effekte.

Kaum weniger stürmisch und dramatisch ging es beim zweiten Werk des Abends zu: der „Ballade g-moll, op. 23 Nr. 1“, von Frédéric Chopin. Der Komposition liegt ein Gedicht zugrunde, das sich mit dem tragischen Schicksal eines litauischen Volkshelden befasst. Chopin nimmt dessen düstere Grundstimmung auf. Fast rauschhaft spielte sich Kotrikadze durch das Stück.

Nach der Konzertpause erklangen zunächst zwei kurze Preludes von Claude Debussy aus dessen erstem Band: Nr. 8 („Das Mädchen mit den Flachshaaren“) und Nr. 12 („Fahrende Musikanten“). Es folgte die „Pomenade“ aus dem Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky. Am besten gelang der Pianistin die musikalische Umsetzung der Bilder „Gnomus“, „Ballet der Kücklein in ihren Eierschalen“, „Die Katakomben“ und der als effektvolles Finale zelebrierte Satz „Das große Tor von Kiew“.

Als Zugabe gab es Chopins „Nocturne Nr. 2, Es-Dur“.

Das Fazit des Konzertes brachte Heidi Specht-Christel treffend auf den Punkt: „Es war ein großartiger Abend an einem ganz normalen Tag.“


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erstellt am 18.Feb.2016 | 13:47 Uhr

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