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Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 02:20 Uhr

Studie ist dem Alter auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Studentinnen interviewen auch in Niebüll Menschen in Senioreneinrichtungen / Ziel ist ein Buch über die Lebenswelten Älterer und Heimat

von
erstellt am 27.Okt.2015 | 12:19 Uhr

„Lebenslinien in Deutschland – Knotenpunkt Seniorenstift“. So nennt sich ein Projekt, an dem zwei Studentinnen im fünften Semester an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg (Baden-Württemberg) arbeiten. Sie untersuchen die Heimat, sind auf einer dreimonatigen Reise durch Deutschland, interviewen in sieben Städten Bewohner von Seniorenwohnanlagen und arbeiten, was ihnen die alten Herrschaften erzählen, kunstpädagogisch auf. Wie das Projekt heißt auch das Buch, das die beiden am Ende ihrer Reise schreiben werden.

Nach Würzburg, Oberstaufen, Bonn und Essen ist Niebüll die fünfte Station ihrer mobilen Interviews. Danach folgen noch Berlin und Görlitz. Am Ende werden 800 Arbeitsstunden stehen – sowie das Buch und in seinem Inhalt die Aufarbeitung einer Reise mit all dem, was die beiden Studentinnen auf der Suche nach Heimat von den Senior(inn)en erfahren haben. Das kleine 10  000-Einwohner-Städtchen Niebüll ausgewählt zu haben, habe in dessen Nähe zur Nordsee gelegen, gestand Maria Pappler (27) ein. Sie berichtete auch über das Projekt, während ihre gleichaltrige Kommilitonin Lisa Gröschel am Abstecher nach Nordfriesland verhindert war. Bern Böge, Leiter der Seniorenwohnanlage Friesischer Wohnpark, zeigte sich angenehm angetan von dem seltenen Interesse an seinem Arbeitsfeld – desgleichen Knut Henningsen, Geschäftsführer der Stiftung Uhlebüll, der Trägerin des Wohnparks. Pflegedienstleiterin Danuta Kitefski knüpfte die Kontakte und ist bei der Auswahl der Interviewpartner behilflich.

Senioren sind nach den Worten von Maria Papplers die denkbar beste Adresse bei der Suche nach dem Punkt, an dem die Lebenslinien zusammenlaufen. Überhaupt stellen die Senioren in der vom (rasanten) demografischen Wandel geprägten Gesellschaft eine immer größer werdende Altersgruppe dar. „Sie zeigen sich gesünder, aktiver und in vielen Belangen interessierter als je zuvor“, sagt Maria Pappler, die gestern mit ihrer Arbeit in Niebüll angefangen hat und sich begeistert fühlt, ihren Gesprächspartnern die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Eine Woche lang wird sie sich Zeit nehmen, ihnen zuzuhören und ihren Geschichten zu lauschen, die sonst vielleicht verloren wären. „Es sieht überall ein Bissl anders aus“, gab sie einen ersten Eindruck vom Niebüller Ambiente von sich.

Zu ihren Arbeitsmitteln gehört ein Koffer voller Symbole, die jedermann irgendwann einmal in der Hand hatte, die Erinnerungen wachrufen und Gesprächsstoff generieren. Gespräche – das werden in vielen Fällen Stationen einer Reihe von Erinnerungen sein, die auch aufzeigen, was Menschen im Alter wichtig ist. Das am Ende entstehende Buch wird ein besonderes Buch sein: ein Reisetagebuch, das von der Liebe zu den Menschen erzählt und eine Hommage an das Land und die Heimat ist.


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