Strugalla-Vernissage: „Der Betrachter ist mittendrin“

Im Gespräch: Dr. Uwe Haupenthal mit Johannes Strugalla.
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Im Gespräch: Dr. Uwe Haupenthal mit Johannes Strugalla.

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10. Mai 2015, 15:31 Uhr

Johannes Strugalla stellt derzeit im Richard-Haizmann-Museum unter dem Titel „Zwischen Plan und Zufall“ aus. Zu sehen sind Zeichnungen und Grafiken in den unterschiedlichsten Formen, vorrangig ist dabei die Bemühung um die Autonomie der Linie. Eine Linie, die nichts mehr darstellen oder abbilden will, sondern – zwischen Plan und Zufall – ihr eigenes Leben sucht und im Material ihre ästhetischen Gesetze entdeckt. Genauso interpretierte Museumsleiter Dr. Uwe Haupenthal in seiner Rede die Arbeiten des Künstlers. „Wenn Strugalla Wirklichkeit zitiert, so beschränkt sich das zumeist auf ein vereinfachtes figurales Schema.“ Haupenthal sieht die „Anlage von individuellen Strukturen“.

Was will der Künstler vermitteln? Das bleibt wie immer dem Betrachter überlassen. Dr. Haupenthal bemerkte in seiner Analyse eine „der Erfahrung von Wirklichkeit vorgelagerte, das Sinnliche übersteigende mental begründete Ebene.“ Der Kunsthistoriker betonte in seiner Rede, dass Johannes Strugalla auf eine Differenziertheit setzt, in der sich das Zufällige und Bewusste verbinden – ganz so, wie es der Titel verspricht.

Haupenthal erkennt hier nun den Eindruck von unbedingter Nähe bei gleichzeitiger Ferne. Was will uns der Museumsdirektor damit sagen? Das ist ganz einfach: Johannes Strugalla hat seiner Meinung nach frei assoziativ gearbeitet. „Raum und Zeit kann er so auflösen.“ Was tatsächlich sichtbar ist, ist die Relation von Zweidimensionalem in der Verbindung mit Dreidimensonalem. „Alles ist angelegt, nichts scheint wirklich abgeschlossen. Alles befindet sich irgendwie im Fluss. Und der Betrachter mittendrin“, erläuterte Dr. Uwe Haupenthal. Johannes Strugalla sei daran gelegen, an unserer Weltsicht zu rütteln, meinte der Kunstphilosoph. Raum und Zeit seien keine statischen Größen mehr. Er selbst erlebe bei der Betrachtung den Zustand innerer Gelöstheit. Diese Erfahrung ist auch anderen Besuchern zu gönnen.

Denn Faktum ist, dass tatsächlich jeder für sich herausfinden muss, was er in den unzähligen Formen erkennen möchte. Höhlenmalerei? Abstrakte Wirrnis? Ordnung und gezielte Gestaltung? Meditative Figuren? Alles ist möglich. Formen in unterschiedlicher Intensität, breite und dünne Linien, hier und da Farbe gesetzt.Die Ausstellung läuft bis zum 5. Juli, der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 11 bis 16.30 Uhr, Sonnabend 11 bis 13 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr.

Johannes Strugalla ist 1943 in Lüben/Schlesien geboren, lebt und arbeitet in Mainz, Paris und Südfrankreich. Er studierte Kunstpädagogik, Kunstgeschichte, Philosophie, Romanistik und Freie Grafik in Mainz und Paris. Gemeinsam mit Françoise Despalles erarbeitete er eine deutsch-französische Künstlerbuch-Edition, es folgten Lehraufträge und Workshops an verschiedenen Hochschulen in Frankreich und USA. Seine Arbeiten wurden von zahlreichen bedeutenden Sammlungen erworben, insbesondere in Europa und USA. Aus der Zeichnung entwickeln sich die übrigen Arbeitsgebiete Typografie, Druckgrafik, insbesondere Holzschnitt und Künstlerbuch.

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