Streit um Pferd Cäsar geht vor Gericht

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Beschlagnahmung des Tiers durch die Staatsanwaltschaft Kiel schafft Rechtsstreit in Niebüll / Eigentumsverhältnisse nach Zwangsverkauf unklar

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08. Mai 2015, 10:33 Uhr

Nachdem in Brekendorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde im Februar 2014 mehr als 50 Pferde beschlagnahmt wurden (wir berichteten), zieht der umstrittene Vorgang jetzt auch Kreise bis nach Südtondern.

Andrea H.* aus Rodenäs hatte ihr Pferd „Cäsar“ auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins untergestellt. Aus der Presse erfuhr sie damals von der Aktion der Staatsanwaltschaft Kiel, die dem Verein Tierquälerei vorwirft. Kurz darauf wurde Cäsar, wie viele weitere Tiere auch, vom Land zur Zwangsversteigerung freigegeben. Das Pferd wechselte daraufhin einmal den Besitzer und wurde schließlich im Februar 2015 von einer Reiterin aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde für 1300 Euro erworben. Jetzt forderte sie die Herausgabe der Eigentumsurkunde und des Equidenpasses vor dem Amtsgericht Niebüll. Andrea H. fühlt sich betrogen und will um das Pferd kämpfen. Ihr Rechtsanwalt Jens Ohm machte gestern vor Gericht klar: „Die Beschlagnahmung des Pferdes war unverhältnismäßig und rechtswidrig.“ Statt Cäsar in die Zwangsversteigerung zu geben, hätte man das Pferd, das im übrigen in guter Verfassung gewesen sei, andernorts zur weiteren Pflege unterstellen müssen, so der Jurist. Dem entgegnete die Anwältin der Gegenseite, dass die Kieler Staatsanwältin Birgit Heß ihr gegenüber geäußert habe, dass das Tier in keinem guten Zustand gewesen sei. „Es war stark verwurmt und hatte sehr schlechte Hufe.“

Unabhängig von der Frage, ob die Staatsanwaltschaft Kiel das Pferd im Februar 2014 rechtmäßig beschlagnahmte, sei in diesem Verfahren zu klären, „wer jetzt Eigentümer des Pferdes ist“, stellte die Vorsitzende Richterin fest. Entscheidend dabei sei die Frage, ob die jetzige Besitzerin von Cäsar beim Kauf „gutgläubig“ war und sich damit über eine Klage der Rodenäser Vorbesitzerin gegen die Staatsanwaltschaft bewusst gewesen sei. Die Frau aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde verneinte dies. Ihr sei es bei dem Kauf nicht um ein Schnäppchen gegangen: „Es war eine rein emotionale Entscheidung, das Pferd zu kaufen. Zu keinem Zeitpunkt habe ich damit gerechnet, dass wir uns vor Gericht wiedersehen.“

Nachdem die Richterin die Beteiligten mehrfach ermahnen musste, nicht in emotionale Zwiegespräche abzudriften, brachte sie den Vorschlag einer einvernehmlichen Lösung ein. Beide Seiten lehnten dies kategorisch ab – die Fronten waren verhärtet. Schließlich bot Jens Ohm der Gegenseite an, der neuen Besitzerin zumindest Cäsars Pferdepass auszuhändigen, bis die Ermittlungen zu der Beschlagnahmung abgeschlossen seien.

Seit Dezember vergangenen Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft Itzehoe gegen eine Kieler Staatsanwältin, die für die Beschlagnahmungen verantwortlich sein soll. Zum Stand des Verfahrens wird derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben. Im Raum steht der Vorwurf der Rechtsbeugung in zehn Fällen. Das Urteil darüber, wer künftig Besitzer von Cäsar ist, wird am Montag, 11. Mai, im Amtsgericht Niebüll verkündet.

* Name von der Redaktion geändert

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