Achtrup : Straßenschäden in Achtrup: Keiner will es gewesen sein

gercke_inga_300_.jpg von 08. Mai 2019, 17:06 Uhr

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Mehrfach wurden die Straßenschäden im Lütthörn geflickt.
Straßenschäden sind nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich.

In Achtrup sorgen Straßenschäden für Ärger. Ein unabhängiger Gutachter soll nun klären, wer dafür verantwortlich ist.

Achtrup | Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. In Achtrup könnte es heißen: Wer anderen eine Grube gräbt, muss diese auch wieder ordnungsgemäß verschließen. Das scheint in der Vergangenheit aber nicht immer der Fall gewesen zu sein. Ärgerlich und gefährlich Wie Achtrups Bürgermeister Norbert Nielsen bei der jüngsten Gemeindevertretung berichtete, kam es bereits öfter vor, dass gegrabene Löcher nicht wieder ordnungsgemäß verschlossen wurden.  Etwa 100 Stellen haben wir in und um Achtrup, die absacken. „Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich“, merkte er weiter an. „Wenn zum Beispiel ein Telefonkabel durch Baggerarbeiten freigelegt wurde, dann kann man da nicht einfach so die Erde draufkippen. Kleinste Bewegungen im Erdreich könnten dafür sorgen, dass Steine an den Kabeln reiben und irgendwann sind die dann beschädigt“, sagte der Bürgermeister. Ob es sich nun um Breitbandkabel für eine schnelle Internetverbindung, eine neue Auffahrt oder verlegte Wärmerohre handelt – nach getaner Arbeit muss das Loch wieder fachgerecht verschlossen werden. Und zwar so, dass es eben nicht nach einiger Zeit wieder absackt. Genau das ist aber bei den Baggerarbeiten der Genossenschaft Wärmeversorgung Achtrup, die vor etwa fünf Jahren ausgeführt wurden, geschehen. Zwar haben die Baufirmen, die durch diese Genossenschaft mit dem Graben beauftragt worden waren, eine Gewährleistungspflicht von fünf Jahren; aber die müssen auch erst einmal über ihre möglicherweise schlecht ausgeführten Arbeiten informiert werden, bevor sie sich erneut an die Arbeit machen. Der Bürgermeister ist sauer „Die Bürger sehen genau, wo durch die Wärmeversorgung Achtrup gebuddelt wurde und wo nicht“, wirft der Bürgermeister der Genossenschaft vor. Wärmeversorgung zeigt sich einsichtig In einem kürzlich aufgetauchten Schreiben der Wärmeversorgung heißt es: „[...] Nach Abschluss einer Bauphase haben Straßenbegehungen stattgefunden und Mängel wurden dokumentiert. Diese sind zum Teil abgearbeitet worden und zum Teil sind hier noch Forderungen seitens der Gemeinde [...].“ Klar ist, das die Trasse der Wärmeversorgung Achtrup mehrere Male abgelaufen und im Zuge dessen auch Straßenschäden, die durch eine unsaubere Ausführung der Arbeiten entstanden sind, dokumentiert wurden. Mit dabei waren Vertreter der Gemeinde und Vertreter des Amts – kein unabhängiger Sachverständiger. Die Wärmeversorgung Achtrup sieht nicht ein, für alle Schäden die Verantwortung zu übernehmen: Wenn es nicht schon geschehen ist, dann werden wir natürlich auch die noch übrig gebliebenen Schäden beseitigen. Aber für Schäden, die wir gar nicht verursacht haben, wollen wir nicht die Verantwortung übernehmen.  Ein unabhängiger Sachverständiger soll es richten Deshalb nun der unabhängige Sachverständiger, der ein für alle Mal dokumentieren soll, welchen Straßenschäden die Wärmeversorgung Achtrup verantworten muss und welche nicht. Damit sollte nun bald Ruhe im Streit um Achtrups Straßenschäden einkehren. Noch mehr Probleme für die Wärmeversorgung Achtrup Die Wärmeversorgung Achtrup steht aber noch vor ganz anderen Problemen: Erstens ist die Gewährleistungspflicht der Subunternehmer bald abgelaufen. Zweitens: der Generalübernehmer, der von der Wärmeversorgung Achtrup damals beauftragt worden war, meldete im Dezember 2018 Insolvenz an. Die Genossenschaft würde nun, falls die fünf Jahre verstrichen und die Straßenschäden noch nicht beseitigt sind, auf den Kosten der Instandsetzung sitzen bleiben. Auch Erich Kruse, der stellvertretende Bürgermeister von Achtrup, macht seitens der Gemeinde Eingeständnisse: Wir hätten schon früher die Schäden überprüfen sollen und Maßnahmen einleiten müssen.  Und auch Jan Petersen von der Genossenschaft zeigt sich friedlich: „Wir wollen weiterhin mit der Gemeinde gut zusammenarbeiten.“ Der Fall ist so problematisch, weil hier nie offiziell ein unabhängiger Sachverständiger die Baustelle, beziehungsweise die Arbeiten der Wärmeversorgung, abgenommen hat. Das Amt kontrolliert nur Grabungen, die im Vorfeld auch dort angemeldet wurden. Da es sich aber bei den Arbeiten der Wärmeversorgung Achtrup um private Grabungen handelte, wurden diese auch vom Amt nicht nachkontrolliert. „Hier muss die Gemeinde ein Auge drauf haben“, sagte Bauamtsleiter Udo Schmäschke, der bei der Gemeindevertretung auch anwesend war. Der Bürgermeister erwartet Hilfe vom Amt Damit die Gemeinde in Zukunft von so einem Hickhack verschont bleibt, fordert der Bürgermeister vom Bauamt eine professionelle Dokumentation sämtlicher Grabungen. „Wir wollen wissen, wer, wann, was gemacht hat“, sagt Norbert Nielsen. Udo Schmäschke vom Bauamt erklärte, dass das Amt, auch aufgrund von zu wenig Personal, nicht für jedes Loch den Tiefbauer losschicken könne. Der Bürgermeister forderte daraufhin: „Dann muss das eine Fachfirma übernehmen.“ Der Bauamtsleiter machte deutlich, dass die so anfallenden Kosten dann zulasten der Gemeinde gehen würden. Lösung vom Amtsvorsteher? Amtsvorsteher Ingo Böhm, der ebenfalls bei der Gemeindevertretung anwesend war, mischte sich in die Diskussion ein und stellte in Aussicht, dass im diesjährigen Amtshaushalt bereits Mittel für einen neuen Tiefbautechniker bereitgestellt worden sind und sieht kein Problem darin, dass dieser die gewünschten Kontrollarbeiten übernimmt. Die Gemeinde will nun einen Plan einwickeln, wie in Zukunft solche Miseren vermieden werden können. In einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Eine gute Zusammenarbeit ist von beiden Seiten gewünscht – auch weiterhin. Die Zukunft wird zeigen, ob das auch klappt. ...

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