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Verkehrserziehung für Kinder : Straße für Bobbycars in Niebüller Kinderkrippe eröffnet

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Brausen auf dem Bobbycar: Angehende Erzieherinnen bauen Straße für die roten Flitzer – inklusive Ampeln und Tankstelle.

Um die Sandkiste der Kinderkrippe Pusteblume in Niebüll verläuft seit gestern eine Bobbycar-Straße. Fünf Schülerinnen der Fachschule für Sozialpädagogik in Niebüll hatten die Bahn im Rahmen einer Projektwoche gebaut. Neben einer Tankstelle, einer Ampel und Stopp-Schild, gibt es hier auch einen Zebrastreifen und Parkplätze. Ziel ist es, schon den Allerkleinsten – von null bis drei Jahren – durch Bewegung und Spaß die Regeln im Straßenverkehr beizubringen. Unterstützt wurde die Aktion unter anderen von freiwilligen Helfern der Niebüller Baufirma Svane, einer Spende des Speditionsunternehmens NVAG und dem Autohaus Kornkoog sowie den Eltern der Kinder.

„Das Projekt ist toll, da werden noch in zehn Jahren Kinder ihren Spaß dran haben“, sagt Astrid Gehrmann, Gruppenleiterin der Kinderkrippe Pusteblume. Anders als bei manch anderen Projekten sei diese Anlage so konzipiert, dass sie „wirklich hält“. Zusätzlich zur Verkehrserziehung werde hier auch das Sozialverhalten der Kinder trainiert, denn im Umgang mit den anderen „Verkehrsteilnehmern“ sei auch Rücksicht gefragt, sagt die Expertin.

Die Initiatorinnen hatten sich vorher genau überlegt, was sie den Kindern zumuten können: „Die Schilder sind sehr niedrigschwellig, weil die Kinder bis drei Jahre es auch verstehen müssen“, sagt Ramona Christiansen (37), Erzieherin im 2. Lehrjahr. Eine Tankstellen-Zapfsäule sowie eine Anlage zum Aufpumpen der Reifen haben die angehenden Erzieherinnen selbst gebaut. An den Attrappen können die jungen Autofahrer in einem Mikrokosmos das üben, was ihre Eltern täglich tatsächlich im Verkehr tun.

Männer einer Baufirma hatten ehrenamtlich die Pflasterarbeiten übernommen. „Die haben aus reiner Freundlichkeit geholfen – einfach so“, sagt Projektteilnehmerin Jana Kloppenburg. Auf einer Baustelle hatten sich die jungen Frauen eigentlich nur erkundigt, wie sie die Steine für die Bobbcar-Bahn fachgerecht verlegen, erzählt Mitschülerin Kira Borchardt (20). Statt nur theoretische Tipps zu geben, fassten die Männer gleich mit an und sorgten innerhalb von nur zwei Tagen dafür, dass die Mini-Straße auch eben verläuft.

Auch an die richtigen Zeichen dachten die Planerinnen: „Wir haben außerdem Pfeile auf den Boden gemalt, damit auch alle in eine Richtung fahren“, sagt Ramona Christiansen. Auch die Kinder hatten bei den Bauarbeiten im Garten mit angepackt: Sie schleppten Steine und halfen dabei mit kleinen Schubkarren Sand zur Baustelle zu fahren. Zudem zieren bunte Handabdrücke der Kleinen ein Parkplatzschild.

Der Vater eines Kindes aus der Krippe hatte die elektrische Ampel gebaut, die – wie auf einer öffentlichen Straße – den Autofahrern rotes Licht zeigt, sobald das Knöpfchen gedrückt wird. Schon jetzt, am Tag der Eröffnung, zeigte das Projekt erste Lernerfolge. „Die Kinder haben wirklich bei Rot angehalten und sind erst losgefahren, als die Ampel umgesprungen war“, sagt Kira Borchardt. Zufrieden lächelnd blickt sie in die Gesichter ihrer Mitsteiterinnen, die zustimmend nicken.

Das Projekt in der Krippe ist eines von elf Initiativen, die in diesem Jahr an der Fachschule für Sozialpädagogik realisiert wurden. „Die frühkindliche Bildung stand hier im Fokus – die anderen Projekte arbeiten mit Jugendlichen sowie Menschen mit Beeinträchtigungen“, sagt Michael Wicher, Lehrer der angehenden Erzieherinnen.

Damit es auch genügend Fahrzeuge für die neue Straße gibt, hatte das Autohauses Kornkoog in Niebüll drei rote Fahrzeuge für Kinder beigesteuert. „Wir fanden, das ist ein gutes Projekt, da waren wir sofort bereit, die Anschaffung der kleinen Gefährte zu übernehmen“, sagt Markus Pudschun, Mitgeschäftsführer im Betrieb. 95 Euro kostet eine Mini-Version des VW-Beatle, die jetzt über den Weg der Einrichtung flitzt.

Die Idee zum Projekt war über einer der fünf Schülerinnen entstanden, deren Kind die Krippe besucht. Erst Ende Mai hatten die fünf Frauen mit der Planung begonnen, bevor jetzt – nur rund vier Wochen später – die Einweihung gefeiert wurde. In der kommenden Woche soll die Arbeit in der Schule präsentiert werden. Teil der Präsentation ist dann unter anderem ein selbstgedrehter Film der den Entstehungsprozess der Bobbycar-Straße zeigt.

Die Niebüller Kinderkrippe Pusteblume feiert im Januar 2018 ihren neunten Geburtstag. 15 Kinder zwischen 0 und 3 Jahren werden hier von drei Erzieherinnen betreut.



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erstellt am 23.Jun.2017 | 13:48 Uhr

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