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St. Peter-Ording : Strandsegel-Elite kämpft mit Flaute

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Während die Miniyachten am Ordinger Strand ihre Runden drehten, sorgte der zweite Wettkampftag bei den übrigen Piloten eher für Frust.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 06:44 Uhr

St.Peter-Ording | Der Blick schweift hinaus auf die See. Sven Kraja und Gitta Steinhusen steigen aus ihrem Bus im Yachthafen am Ordinger Strand. Trübe sieht’s aus. Die Flaggen am Kassenhäuschen des Strandwächters hängen schlapp - fast müde - am Mast herunter. Es weht nicht einmal ein laues Lüftchen. "Am Spülsaum sieht die Welt vielleicht anders aus", sagt Jens Brambusch. Er ist Pressesprecher des Yachtclubs St. Peter-Ording und zugleich Teilnehmer an der traditionellen Pfingstregatta des Vereins an der auch das Pärchen aus Schleswig teilnimmt.

Brambusch startet in der Klasse 3, der Formel 1 des Strandsegelns. Kraja und Steinhusen hingegen machen ihre wesentlich kleineren Fahrzeuge, die Mini yachten, flott. Der 42-jährige Schleswiger ist amtierender Weltmeister. Für ihn gilt es, sich auf die bevorstehende Europameisterschaft im Herbst, die ebenfalls in St. Peter-Ording ausgetragen wird, vorzubereiten - ein Heimspiel für den passionierten Segler. Gitta Steinhusen ist nicht nur Krajas Lebensgefährtin, sondern im Wettkampf zugleich eine seiner schärfsten Widersacherinnen. Sie ist die schnellste Frau in der Klasse der Mini yachten.

Während in den übrigen Klassen jeweils rund 20 Sportler um Tickets für die Europameisterschaft segeln, geht in der Mini-Klasse ein doppelt so großes Teilnehmerfeld an den Start. "In Cherrueix in der Bretagne waren es 80 Segler", erinnert sich Sven Kraja an die Weltmeisterschaft in Frankreich, dem Mutterland des Strandsegelns. "Die kleineren Segler sind wesentlich kompakter und sie lassen sich besser und leichter transportieren", erklärt der Schleswiger. So nahmen in Frankreich auch Segler aus Spanien und Argentinien und sogar aus Australien an den Wettkämpfen teil.

Vertreter aus diesen Ländern segelten zwar bei der Pfingstregatta nicht mit, doch immerhin beteiligten sich Sportler aus Frankreich, Belgien und Dänemark an den Qualifikationsläufen. Erstmals bretterten auch Segler aus Griechenland mit Geschwindigkeiten von teilweise bis zu 110 Stundenkilometern über die Ordinger Sandbänke - jedenfalls zum Auftakt. Der zweite Wettbewerbstag sorgte bei den Piloten der größeren Yachten hingegen eher für Frust.

Angekoppelt an Geländewagen und Traktoren wurden die Segler hinaus auf die Sandbank gezogen. Dort angekommen steckte der Streckenwart die Routen ab - und es hieß abwarten. Zumindest für die Piloten der größeren Klassen. Denn während die Miniyachten ihre Runden drehten, hofften die übrigen Teilnehmer bei Bratwurst und Erfrischungsgetränken am Spülsaum auf eine stärkere Brise. Und nicht nur die.

Auch Sportjournalist Günter-Peter Ploog war mit einem Fernseh-Team nach Ording gereist, um über das Strandsegeln zu berichten. "Was soll man machen? Wir können es nicht ändern", kommentiert Weltmeister Sven Kraja trocken das Geschehen. So sei es eben in dieser Sportart. "Wenn kein Wind weht, geht eben nichts." Obwohl: Nicht zuletzt wegen des freundschaftlichen Miteinanders, der guten Stimmung und des Rahmenprogramms lohne sich jedes Treffen.

Das bestätigt auch Rudolf Taeschler. Der 69-jährige Bauingenieur ist eigens aus der Nähe von Luzern/Schweiz ins Nordseebad gefahren, um mit seiner Miniyacht den übrigen Teilnehmern das Fürchten zu lehren. Von Kindesbeinen an segelt der Schweizer - allerdings auf dem Wasser. Das Strandsegeln lernte er während eines Sommerurlaubs vor sieben Jahren kennen. Und der Unterschied? Die große Hoffnung eines Seglers sei die oft zitierte Handbreit Wasser unter Kiel. Beim Strandsegeln jedoch könne man darauf gut verzichten, sagt der Schweizer. Nicht aber auf den Wind, "denn der ist nun mal entscheidend."

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