Stimmgewalt mit eigener Note

Cathrine Jauer und Holly Petersen sind „Sun & Moon“.
Cathrine Jauer und Holly Petersen sind „Sun & Moon“.

Das nordfriesische Duo „Sun & Moon“ begeistert sein Publikum mit individuellen Interpretationen bekannter Songs im Charlottenhof

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23. August 2018, 13:39 Uhr

Heimspiel in der Kulturscheune: Das vorletzte Afterwork-Konzert im Charlottenhof bringt mit Cathrine Jauer und Holly Petersen zwei Nordfriesen auf die Bühne. Die charismatische Sängerin mit der entzückenden Zahnlücke hat sich nach der Geburt ihres Kindes „neu“ erfunden und präsentiert bekannte Songs der vergangenen Jahrzehnte im individuellen Gewand. Der Husumer Musiker ist ein fulminanter Gitarrist mit Tonstudio in Hamburg und einer bemerkenswerten Geschichte. „Alle meine Sängerinnen wurden schwanger“, so seine Story, „ich habe aber nichts damit zu tun.“

Cathrine Jauer hat fünf Monate nach der Geburt den Faden wieder aufgenommen und zeigt sich bei ihrem ersten Auftritt wie ihr Begleiter in Bestform. Zunächst wurden im Publikum Freunde aus Langenhorn und Achtrup begrüßt, dann startet die junge Mutter mit „Valerie“ von Amy Winehouse durch. Gleich eine gute Gelegenheit für sie, die ganze Bandbreite der Stimme einzusetzen: viel Soul, es klingt mal rau, mal sanft, mal wild. Es folgt eine schöne Ballade von Prince: Der eingängige Song bietet Holy Petersen die Chance, auf der Gitarre zu glänzen. „Yeah, yeah, if God is one of us!“ Cathrine legt viel Gefühl in das Lied. Mit „Rolling in the deep“ von Adele gibt es einen neueren Hit „auf die Ohren“. Das Konzept, beliebte Songs von stimmgewaltigen Sängerinnen mit eigener Note und eigener Interpretation zu verschönern, klappt. Das Publikum wippt mit, spendet reichlich Beifall. Ein Klassiker wie „Dock of the Bay“ kommt immer gut an.

Cathrine Jauer changiert die Tonhöhen, lässt die Seele tanzen, berührt ihr Publikum. Brillant klingt ihr „Son of a Preacherman“ von der legendären Dusty Springfield. Ein Song wie auf den Leib geschrieben. Danach muss erst einmal ein Tee die Kehle ölen. „Ich bin übrigens der Mond im Duo Sun & Moon“, erklärt die Sängerin mit Verweis auf die Schwangerschaft, „ich nehme ab und zu. Holly ist mehr die immer strahlende Sonne.“

Voller Leidenschaft widmen sich beide dem Eurythmics-Hit „Here comes the Rain again“. Bei „Hit the Road Jack“ machen alle mit. Aus dem Rockknaller „Highway to hell“ macht das Duo ein mitreißendes Reggae-Stück. Cathrine Jauer hat auch individuellen Adaptionen der sehr unterschiedlichen Männerstimmen im Repertoire. Ob der softe Phil Collins mit „In the Air tonight“ oder Eric Claptons raues „I shot the sheriff“: Sie hat alles drauf. Holly Petersen begeistert das Publikum mit raffinierten, perfekt vorgetragenen Soli. Die Songs sind sorgfältig vorbereitet: So auch Stevie Wonders „Higher Ground“, intensiv, fast heißblütig, dargeboten. Ein Wahnsinnssong! Wonder holte genau dieses Lied nach einem Autounfall aus dem Koma zurück; im Charlottenhof fliegen jetzt die Tanzbeine.

Mit Alannah Myles „Black Velvet“ trifft Cathrine Jauer erneut ins Schwarze. „Meine erste Platte“, erinnert sich die Sängerin. Ähnlich genial erklingen „Sunny“, „Time after time“ und „Hard Stuff“. Unter die (Gänse-)Haut geht der wunderbare Hit „Nothing compares 2 U“ – wirklich kongenial intoniert, viel Beifall und großer Respekt für diese Leistung. Bei „Hotel California“ schmerzen die Fingerkuppen, den Cathrine Jauer hat sich die Klampfe umgehängt, um mit Holly Petersen weiter hochklassig abzuliefern.

In der Schlussrunde geht es nochmal crossover: Von „Swing low sweet chariot“ über „Sex on fire“ und „Don't say love“ bis „Halleluja“ - alles fantastische Lieder, die das Publikum mitreißen. Mit der Zugabe „Knockin’ on Heavens Door“ geht ein fabelhafter „Sun & Moon“- Abend zu Ende.

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