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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 05:04 Uhr

A capella : Stimmakrobaten in Hochform

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein mitreißendes Vokalkonzert ganz ohne Instrumente erlebten mehr als 300 Zuhörer in der Niebüller Christuskirche.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 09:00 Uhr

Musik lag in der Luft: Am Abend des als „Tag der Liebenden“ geltenden Valentinstag fand in der Niebüller Christuskirche ein mitreißendes Vokalkonzert ohne Einsatz begleitender Instrumente statt, das unter dem Generalthema „Just sing it“ stand. Dazu fanden sich rund 330 Zuhörer ein, die das Kirchenschiff sowie die Orgelempore komplett füllten.

Drei kammermusikalisch besetzte Ensembles, allesamt „stilistische Allesfresser“, boten ihnen a-cappella vorgetragene Musik vom Feinsten: die in Risum Lindholm beheimatete Gruppe „Voicetime“ – Christine Burkhard und Kerstin Bogensee (Sopran), Marion Bernstein (Alt) Winfried Zastrow (Tenor) und Frank Bernstein (Bass) – das aus Berlin angereiste Männerquartett „Die Lirums“ – Martin Jessen (Sopran), Georg Pickers (Alt), Clemens Dreher (Bariton) und „Carsten Niemann (Bass) – sowie das Hamburger Quartett „Quasi unisono“, bestehend aus Carolin Manthey (Sopran), Kirsten Jacobi (Alt), Oliver Höker (Tenor) und Fabio Niehaus (Bass).

Den Anfang machte das Ensemble „Voicetime“ mit dem fetzig arrangierten Titelsong „Just sing it“ von Carsten Gerlitz. Vom Bass stimmlich imitierte Percussions unterstützten wirkungsvoll den swingenden Rhythmus des Titels. Anschließend forderte Kerstin Bogensee das Publikum auf, am Valentinstag seine Liebe zur Musik mit den Sängern zu teilen. Zwei gefühlvoll gestaltete Liebeslieder boten dazu die passende Gelegenheit, bevor das augenzwinkernd zelebrierte Geständnis erklang: „Wir sind alle nicht perfekt!“ Sehr schwierige, ohne erkennbare Mühe vollzogene Tonartwechsel und harmonische Überraschungen verfehlten ihre verblüffende Wirkung nicht.

Es folgte der erste Konzertblock der „Lirums“, bei denen – wie in der Zeit der Renaissance – der Sopran und der Alt von Countertenören gesungen wurden. Dabei erklang das frühbarocke Lied „Wach auf, mein’s Herzens Schöne“ so brav, als würde es von einem schlichten Kirchenchor vorgetragen, während die nachfolgenden Titel sich stärker an temporeichen Songs modernerer Art orientierten und auch dem Jazz gegenüber keine Berührungsängste erkennen ließen. Sonderbeifall gab es für die Interpretation einer Liebesbeziehung zu einem Teddybär, der sich brummend verabschiedete

Den dritten Teil des Programms gestaltete – besonders klangvoll und absolut sauber intonierend – das Quartett „Quasi unisono“, dessen Beiträge in der Tat „wie aus einem Guss“ wirkten und die Zuhörer fesselten, einerlei, ob es mit bekannten Melodien aus Musicals, einem ulkigen Lobgesang auf eine „Powerfrau“, eine gefühlvolle, streng homophon gesetzte Schilderung der Landschaft „Valparaiso“ oder den durch die Comedien Harmonists bekannt gewordenen Schlager „Mein kleiner grüner Kaktus“ aufwartete. Besonders zu Hause schienen sie sich im Bereich des Jazz zu fühlen. Nach einer Konzertpause traten alle drei Ensembles noch einmal auf, nunmehr aber in umgekehrter Reihenfolge. „Quasi unisono“ rundete seine Beiträge mit dem hochromantischen, anrührenden „Abendlied“ von Joseph Rheinberger ab. Die „Lirums“ besangen die Folgen einer abgewiesenen Liebe und trugen – absolut stilsicher – in plattdeutscher Sprache das frühbarocke Madrigal „Ich sag’ ade“ vor. Auch zelebrierten sie den feierlichen Sakropop-Song „Halleluja“, der durch Leonard Cohen Weltruhm erlangte. „Voicetime“ lief noch einmal zu höchster Form auf, indem es – klanglich ausgewogen – einen Celtischen Hochzeitssegen und den andächtigen Titel „Down to the river to pray“ darbot.

Zum Abschluss des Programms sangen alle drei Ensembles gemeinsam die südafrikanische Volksweise „Hambani kahle“, wobei sie beim Refrain durch das Publikum aktiv unterstützt wurden. Danach traten alle Gäste hochzufrieden den Heimweg an.

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