Ausstellung Niebüll : Stillleben von Gisela Bührmann

Auch Bührmanns Ölbild „Selbst mit Trommel“ wird gezeigt.
Auch Bührmanns Ölbild „Selbst mit Trommel“ wird gezeigt.

Bilderschau in der Stadtbücherei Niebüll zeigt Werke der deutschen Impressionistin. Vernissage am Sonnabend.

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07. Februar 2018, 03:47 Uhr

Niebüll | In der Niebüller Stadtbücherei ist wieder eine Ausstellung zu sehen. Kurator Dr. Thomas Gädeke präsentiert mit Gisela Bührmann eine bedeutende deutsche Impressionistin. Ihr Lehrer an der Hamburger Kunsthochschule war Willem Grimm, der es verstand, die Dinge, die sie zeichnete, in einen Zusammenhang zu setzen. Das war die Voraussetzung für ihre Karriere. „Gisela Bührmann war unter Kennern und Künstlern sehr anerkannt. Sie arbeitete wie Grimm auf Sicht, sie war in der Klasse praktisch die Anführerin“, so Dr. Thomas Gädeke, „sie war es, die die Malweise von Grimm in der Folge des französischen Spätimpressionismus fortsetzte.“

Zu ihrem Freundeskreis gehörten Paul Wunderlich und Horst Janssen, die sie sehr schätzten. Ihr Lebensgefährte nahm sich früh das Leben. „Der Tod, den sie vor Augen hatte, begleitete sie über Jahrzehnte hinweg. Die lebensfrohe, junge Studentin Willem Grimms, deren überragendes Talent sich früh zeigte, musste erleben, dass ihr gleichaltriger Freund und Gefährte Rainer Drenkhahn, der engste Kumpan Horst Janssens, mit 33 Jahren freiwillig aus dem Leben schied. Dieses Ende blieb die entscheidende Zäsur ihres Lebens, war die Ursache ihrer Schwermut, wurde aber auch zu ihrem künstlerischen Stimulans“, kommentiert Prof. Dr. Heinz Spielmann, der sie gut kannte. Zunächst entstanden Gisela Bührmanns erste Radierungen, später erste Zeichnungen, die sie selbst als gelungen empfand. Die Motive ihrer gegenständlichen Arbeiten sah sie in Figuren und Szenen, Landschaften und Häusern. Anfang der 60er Jahre bekam sie ein Jahresstipendium an der Villa Massimo in Rom, dort schuf sie Gemälde. Fortan beschäftigte sie sich bis an ihr Lebensende vor allem mit Stillleben und Selbstbildnissen. Ihre melancholischen Werke wurden farbiger, bei reduzierter Darstellung. „Die Arbeiten repräsentieren eine Art von poetischer Traurigkeit“, erläutert Dr. Thomas Gädeke. „Sie verstand es auf ihre eigene Art, das Vorbild der Natur in eine eigene Aussage oder Gestalt umzusetzen.“

Dies sei das Beste, was man sagen könne. Gisela Bührmann interpretierte vor allem Vergänglichkeit. Sie malte Muscheln, tote Tiere, Menschenschädel, verbrauchte Gegenstände, Gedörrtes, Brot, Pflastersteine, Fragmente einer zerstörten Villa. Neben Erinnerungsstücken fand sie Raritäten im ethnologischen Geschäftshaus ihres Großvaters, bediente sich im Kabinett ihres Lebensgefährten, der scheinbar Nichtiges sammelte. Viel fand Gisela Bührmann auch am Strand. „Wertvolle Aufenthalte in Dänemark und schleswig-holsteinische Küsten. Das Auf-Heben wurde zum Teil meiner Innenwelt“, notierte sie. Ihre Stillleben zeigen Dinge, die ihr auf unterschiedliche, aber auch durchaus zwiespältige Weise, wertvoll geworden sind. Stein und Granatapfel, Steine, Tuch, Hummer oder aber Hüte und ein weißer Schuh. Auch im hohen Alter blieb sie kreativ. „Sie lebte in ihren vier Wänden und malte dort“, so Dr. Thomas Gädeke. „Sie hat immer ästhetisch gearbeitet.“ Bis zuletzt eine charmante Dame von 86 Jahren, die vielfach gewürdigt wurde; auch mit Ausstellungen im Landesmuseum Schloss Gottorf.

Die Ausstellung Stillleben ist bis zum 24. März in der Stadtbücherei zu sehen. Die Vernissage in der Stadtbücherei ist am Sonnabend, 10. Februar, 11.30 Uhr. Zur Einführung spricht Kurator Dr. Thomas Gädek.



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