Ausstellung : Stillleben in Moll-Stimmung

Bei der Vernissage: Nachlassverwalter Rainer Martens (re.) mit Dr. Thomas Gädeke (li.), Frauke Gloyer und Ronald Steiner.
Bei der Vernissage: Nachlassverwalter Rainer Martens (re.) mit Dr. Thomas Gädeke (li.), Frauke Gloyer und Ronald Steiner.

Beeindruckende Ausstellung einer scheuen Künstlerin: Ausstellung von Gisela Bührmann in der Stadtbücherei eröffnet.

shz.de von
13. Februar 2018, 15:49 Uhr

Niebüll | Eine gut besuchte Vernissage, eine hochrangige Ausstellung: Büchereileiter Ronald Steiner freute sich sichtlich über den Zuspruch am Sonnabend. Gisela Bührmann (1925-2011) ist eine weitere „Entdeckung“ von Kurator Dr. Thomas Gädeke, gleichwohl die Künstlerin, die als Professorin an der Hamburger Fachhochschule arbeitete, bereits im Landesmuseum Schloss Gottorf zweimal gezeigt wurde. In seiner Einführung beschrieb der Kunsthistoriker die Künstlerin als eine introvertierte Person, deren Werke „viel Moll-Stimmung“ in sich hätten.

Die Auswahl hat Frauke Gloyer getroffen; es sind fast durchgehend Stillleben – ein Hut im Vordergrund, Tuch und Mörserschale, Hummer auf weißem Tuch, Brothaufen oder Dinge und Fischgräten. „Es sind eigentlich belanglose Gegenstände, die jedoch durch Gisela Bührmann zum Leben erweckt großartig wirken“, sagt Dr. Thomas Gädeke.

Die Kunst der Darstellung hat die Künstlerin bei ihrem Kunstprofessor Willem Grimm am Hamburger Lerchenfeld erlernt; dieser orientierte sich an den französischen Spätimpressionisten. Als ihr Freund und Mitstudent Rainer Drenkhan sich 1959 früh das Leben nimmt, gerät sie in eine tiefe, jahrelange Krise. Und malt Dinge, die ihm gehörten. Später kommen auch Landschaften und Stadtansichten hinzu, doch die Intensität der Darstellung gewinnt „im Kleinen“. Später sammelt sie an Stränden der Nord- und Ostsee alles, was sie findet. Denn auch schon ihr Großvater war ein großer Sammler, in seiner Villa in Stellingen gab es eine bedeutende ethnologische Sammlung. Alle Dinge – ob „Kleiner Kohlkopf“ oder „Korb mit Gemüse“ – gewinnen durch die Darstellung. Sie wirken weitgehend eher düster, sind aber realistisch. Haben eine unmittelbare Wirklichkeitsbeziehung.

Der Kunstsammler und Nachlassverwalter Rainer Martens war jahrelang mit Gisela Bührmann befreundet. „Für mich ist diese Ausstellung etwas besonderes“, sagt er. „Die Auswahl von Frauke Gloyer aus dem Nachlass ist ungewöhnlich.“ So sind hier Arbeiten zu sehen, die noch nie gezeigt wurden. Unter anderem ein Holzschnitt „Zwei Schwestern“ (1950). Die Farben spielen in den Werken fast keine Rolle. Lediglich im Vorraum der Stadtbücherei sind bei „Steinkopf und Dinge II“ zurückhaltende Erdtöne zu finden; ein leichtes Türkis sieht man beim „Korb mit Gemüse“. Und zielsicher hat Frauke Gloyer das Lieblingsbild der Künstlerin ausgewählt: „Gliederpuppe mit Tuch, ein Ölbild, 1964 in Rom entstanden.

Die menschenscheue Hamburgerin, die auf der Uhlenhorst wohnte, hat sich nie vermarktet – und ist vielleicht gerade daher eine echte Entdeckung für jeden Besucher.

„Stillleben“ ist noch bis zum 24. März zu den üblichen Öffnungszeiten in der Stadtbücherei Niebüll zu sehen.


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