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Nordfriesland Tageblatt

21. August 2017 | 01:15 Uhr

Stille kräftigt die Seele

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gesang und Lesungen: „Kleiner Chor Husum“ trat auf

Es wurde ein gelungener Abend: Zu Gast in der Christuskirche war der von der Musikpädagogin und Kirchenmusikerin Susanne Böhm geleitete „Kleine Chor Husum“, eine Formation aus je acht hervorragend geschulten Sängerinnen und Sängern aus verschiedenen Teilen des Kreises Nordfriesland, der Saxophonist Thomas Vester und der Rezitator Bernd Paulsen. Gemeinsam gestalteten sie, interpretatorisch auf sehr hohem Niveau, eine konzertante Meditation zum Thema „Sei stille, Mensch, und lausche!“


1000 Jahre umspannt


Das anspruchsvolle Programm setzte sich zusammen aus Kompositionen, Improvisationen und Texten aus dem gesamten Zeitraum vom Mittelalter über die Renaissance bis zur Gegenwart. Zum Auftakt erklang einstimmig der liturgischen Gesang „De Sancta Maria“ von Hildegard von Bingen, zu dem Thomas Vester einige unterstützende Einwürfe beisteuerte. Mit dem nachfolgenden, achtstimmigen Satz „O bone Jesu“ von Giovanni da Palestrina, gesetzt für doppelchorigen Gesang, und der Wiedergabe dreier fließender, melodiöser Sätze aus einer Messe von Josquin des Prez, zeigte der auch in extremen Tonlagen wohltuend sauber intonierende Gesamtchor in eindrucksvoller Weise das charakteristische Klangbild der sakralen Vokalmusik des 16. Jahrhunderts auf.


Konzentration gefordert


Vertieft wurde dieser Eindruck später noch durch die Interpretation der „Missa Gaudeamus“ vom selben Komponisten. Am härtesten gefordert war die Konzentration des Chores – wie auch die der Zuhörer – bei zwei zeitgenössischen, an keine Tonart gebundenen Vokalwerken von Eric Whitacre: „Nox aurumque/Lux aurumque.“ Bei diesen wurden häufig ruhige Grundakkorde durch flimmernde Dissonanzen geheimnisvoll überlagert. Der gregorianische Gesang „Pange lingua“, sicher gestaltet von den Männerstimmen, zeichnete sich durch diszipliniert eingehaltene Strenge aus. Unmittelbar ins Ohr ging der 1943 von Morten Lauridsen komponierte Chorsatz „O Magnum Mysterium“, zu dem Thomas Vester auf seinem Sopransaxophon ideenreich improvisierte. Originellster Konzertbeitrag war die Arie „Summertime“ aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“, bei welcher der Saxophonist – über einem vom Publikum gesummten Dreiklang – improvisatorisch fantasierte.


Von der Stille


Zu den anrührendsten Kompositionen zählte die abschließende Bitte um Frieden: „Da pacem Domine“ von Arvo Pärt, gemeinsam gesungen von allen Vokalisten. An geschickt ausgewählten Stellen des Programms las Bernd Paulsen Texte von Meister Eckhart, Helge Burggrabe, Anselm Grün und anderen Autoren. Sie alle machten deutlich, wie sehr Stille die innere Ruhe des Menschen stärkt, seine seelischen Kräfte fördert und dadurch oft zu seinem Glück entscheidend beiträgt. Fazit seiner Lesungen: „Stille ist mehr als die bloße Abwesenheit von Lärm“, wie Pater Anselm Grün bereits formulierte. Sie müsse vielmehr immer wieder neu – in und durch uns – geschaffen werden.

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erstellt am 29.Aug.2013 | 00:33 Uhr

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