Deichbau Dagebüll : Still ruht der Deich – nicht

Trotz der Verbotsschilder rauf auf den Deich: An manchen Stellen können Spaziergänger mindestens bis zur Hüfte einsinken.

Trotz der Verbotsschilder rauf auf den Deich: An manchen Stellen können Spaziergänger mindestens bis zur Hüfte einsinken.

Zahlreiche Ausflügler lockte die Sonne trotz Warnschildern auf den neuen Klimadeich in Dagebüll – dabei droht Lebensgefahr.

shz.de von
09. Januar 2018, 17:33 Uhr

Dagebüll | Schwere Sommersturmfluten und heftige Orkantiefs im Herbst haben an der Substanz des Klimadeiches in Dagebüll und an den Nerven seines Bau-Teams heftig genagt. Bis Ende November – also fast zwei Monate in die Schutzzeit hinein – musste bis zur winterfesten Fertigstellung des Küstenschutzbauwerks gearbeitet werden. Nun braucht Schleswig-Holsteins zweiter Klimadeich an sich dringend Ruhe. Bis zu 400 Tage muss sich der nun knapp acht Meter hohe Deich setzen – bevor mit dem Bau der Promenade, der neuen Badestellen und weiteren touristischen Aufwertungen begonnen werden kann. Doch das ignorierten zahlreiche Ausflügler, die es am sonnigen Sonntag nach Dagebüll zog. „Dabei ist das Betreten des Deiches nicht nur nicht erlaubt, es ist auch gefährlich“, warnt Dagebülls Bürgermeister Hans-Jürgen Ingwersen.

Bewusst ist die Umzäunung der ehemaligen Baustelle nicht abgebaut werden. Ganz deutlich weisen auch einige Schilder mit der Aufschrift „Watt nicht tragbar, Lebensgefahr!“ darauf hin, dass der Deich in diesem Winter noch nicht zum Spazieren einlädt. „Nicht Tragbar heißt in diesem Sinne nicht tragfähig“, erläutert der Bürgermeister. Die Auftrifft zeigt, dass die Unfallgefahr in der Nähe der Wasserkante besonders hoch ist. „An einigen Stellen gibt es keinen tragfähigen Wattboden, dort würde man mindestens bis zur Hüfte einsinken, deshalb gilt ein striktes Betretungsverbot“, sagt auch Lutz Pfitzner, Projektleiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz.

Mehr als die Umzäunung und die Warnschilder könne nicht gemacht werden. „Da müssen wir an die Vernunft der Urlauber und Ausflügler appellieren, diese sollten auch auf ihre Kinder achten“, sagt Ingwersen. Der Mensch sei eben ein Herdentier, meint er: „Nachdem die ersten den Zaun aufgeschoben hatten und auf den Deich gingen, sind etliche gefolgt.“ Am Sonntag ist zum Glück niemand eingesunken. Der Bürgermeister hofft nun, dass es zu keinen weiteren Völkerwanderungen auf dem neuen Deich kommt, denn: „Es wäre doch traurig, wenn erst etwas passieren muss, damit die Leute die Warnschilder ernst nehmen.“

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