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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 18:53 Uhr

Sternstunde zum „Pro Musica“-Jubiläum

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

130 Zuhörer erlebten in der Niebüller Stadthalle ein harmonisches Orchester und mit Hans-Christian Schwarz einen grandiosen Solo-Cellisten

von
erstellt am 12.Feb.2016 | 11:11 Uhr

Ein besonderes Konzert zu einem besonderen Anlass: Das Hochschulorchester Flensburg konzertierte unter der Leitung seines Dirigenten, Dr. Theo Saye, zum zehnjährigen Bestehen des Vereins „Pro Musica“ vor 130 Zuhörern in der Stadthalle. Tosender Beifall war der Lohn. Maßgeblich beteiligt an dem Erfolg war der Solo-Cellist des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck, Hans-Christian Schwarz, der mit einer herausragenden Leistung aufwartete.

Bevor der erste Ton erklang, hieß der Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Volker Scheibe, die Gäste willkommen und führte Theo Saye das Publikum – in seiner bekannt humorvollen Art – in das Programm ein. Volker Scheibe wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin: „Der Vorstand hat beschlossen, in seinem Jubiläumsjahr keine Eintrittsgelder zu kassieren, sondern hofft stattdessen auf großzügige Spenden der Konzertgäste.“

Wie Theo Saye ausführte, weist die als erstes Werk aufgeführte Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“ von Gioacchino Rossini vier Teile auf: ein herzzerreißendes Plädoyer gegen die Habsburger Unterdrückung der Schweizer Bevölkerung, einen aufkommenden und abebbenden Sturm am Vierwaldstätter See, gefolgt von einem pastoralen Teil, der eine Hommage an Beethovens sechste Sinfonie darstellt, und einen Pferdegalopp der als Befreier agierenden Schweizer Kavallerie. Die 1829 entstandene Komposition, die Naturschilderungen wie auch seelische Zustände gekonnt darstellt, hat sich – über ihre Rolle als Vorspiel zum Bühnendrama hinaus – als eigenständiges Konzertstück durchgesetzt. Die Musiker zeigten die Vorliebe Rossinis zu lyrischer Schönheit auf, erkennbar an gefühlvollen Melodien der Celli, Hörner, des Englishhorns und der Traversflöten. Diesen stellte er dramatische Einsätze des Schlagwerks und hymnische Passagen der Blechbläser gegenüber. So ergab sich insgesamt ein musikalischer Leckerbissen erster Güte.

Als ein besonderer Höhepunkt des Abends erwies sich das Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2, D-Dur, Hob.VIIb: 2 von Joseph Haydn, meisterlich interpretiert von Hans-Christian Schwarz. Der Cellist ließ sein wohlklingendes Instrument singen, dass es eine Freude war, zeigte andererseits aber – vor allem bei der kniffligen Kadenz zum ersten Satz – auch auf, dass er dieses spieltechnisch hervorragend beherrscht. Der – verglichen mit anderen Instrumentalwerken Haydns – ungewöhnlich melodische und lyrische Charakter des Werkes ist nach Ansicht von Experten nicht zuletzt dem Einfluss des jüngeren Wolfgang Amadeus Mozart auf „Papa Haydn“ zu verdanken. Für die glänzende Leistung des Solisten, des Orchesters und dessen Dirigenten, der alle Einsätze präzise anzeigte und das jeweilige Tempo souverän bestimmte, dankten die Zuhörer mit lange anhaltendem, lautem Beifall.

Nach der Pause rundete die Sinfonie Nr. 2, c-moll, op. 17 von Peter I. Tschaikowski das Konzert stimmgewaltig und mit vielseitigem Schlagwerk ab. Da in dieser mehrere ukrainische Lieder originalgetreu enthalten sind, wird sie auch die „Kleinrussische“ oder „Ukrainische“ genannt. Hervorzuheben ist das melancholische, auf einem Horn solistisch geblasene Lied „Drunten bei der Mutter Wolga“ mit dem der 1. Satz beginnt und auch endet. Die einzelnen Instrumentalregister wiesen – sauber intonierend – ein wohltuend ausgeglichenes Klangbild auf. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ der vierte Satz als „Finale“. Bei diesem schimmert die Verehrung Tschaikowskis für Beethoven, insbesondere für dessen „Eroica“, deutlich durch. Nach dem Lied „Der Kranich“ endet die Sinfonie mit einem „bombastischen Aufrauschen des ganzen Orchesters“ (Elfi M. Haller).

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