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Nordfriesland Tageblatt

13. Dezember 2017 | 08:40 Uhr

Konzert : Sternstunde der klassischen Musik

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Doppelchöre als besondere Herausforderung: Die „Nordfriesische Compagney“ überzeugte in der Lecker St. Willehad Kirche.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2016 | 07:15 Uhr

Für die Besucher der St. Willehad Kirche war es ein Hochgenuss: Am frühen Sonnabendabend sang die „Nordfriesische Compagney“ in Leck und bot geistliche Musik unter dem Titel „Doppelchöre zum Pfingsfest“. „Drei Ideen haben uns zu diesem Konzert inspiriert“, erklärt Kantor Thomas Hansen, der Leiter des Ensembles. Kompositionen zum Pfingstfest, Doppelchöre und die Weiterentwicklung beziehungsweise Adaptierung dieser neuen Idee nördlich der Alpen im deutschen Sprachraum.“ Pfingsten, so Hansen, sei der Geburtstag der Kirche, doch nicht nur das, auch schickte Gott seinen Geist wie in Feuerflammen in die ersten Gläubigen. Die Apostel fingen an in Zungen und fremden Sprachen zu reden.

„Inspiriert, geistvoll, spirituell und frei soll uns Pfingsten machen. Ein Fest der Hoffenden, der Andersartigen und der Künstler.“ Doppelchöre als eine besondere Herausforderung: Während ab 1450 in der Renaissance Künstler das göttliche Ebenmaß abbildeten, folgte ab 1530 der Manierismus: Das menschliche Genie ist größer als Gottes eigene Schöpfung. Um 1580 entstand eine neue Idee: Die Komponisten entdeckten, dass zum Ich ein Du tritt. Beziehungen drücken sich auch im Raum aus: Mehrere selbständige Gruppen musizieren im Dialog. Gerade der Markusdom in Venedig bietet mit seinen vier Emporen um die zentrale Kuppel eine fantastische Möglichkeit diese Mehrchörigkeit zu realisieren. „Dies können wir natürlich in der Lecker Kirche nicht 1:1 abbilden“, betont der Kantor – die Mehrchörigkeit fand auf der „Bühne“ statt.

Seit drei Jahren hat sich die Nordfriesische Compagney der Musik des 17. Jahrhunderts verschrieben, erarbeitet zwei Programme pro Jahr. Das gemischt vokal und instrumentale Ensemble musizierte auf Nachbauten barocker Originalinstrumenten. So kam am Sonnabend eine Erzlaute zum Einsatz, ein gewaltiges Bassinstrument. Weiteres gab es zu bestaunen: Das Doppelrohrinstrument Dulcian gilt als Vorläufer des Barockfagott. Thomas Hansen hatte für die intensive Probenarbeit Mitwirkende aus Kiel, Heide, Flensburg einbestellt. Denn die 19-köpfige Nordfriesische Compagney ist eine Plattform für Musiker aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg. Und diese musizierten durchweg auf einem hohen Niveau. Das Konzert war eine Reise durch die Musikgeschichte des Frühbarock. Während der britische Komponist Thomas Tallis (1505-1585) noch für einen manieristischen Stil steht, sind die Italiener Giosoffo Guami (1540-1611) und Giovanni Gabrieli (1557-1612) den entscheidenden Schritt weiter: die Dialogform als neues Konzept für Chöre. Letzterer gilt dabei als das Genie der venezianischen Mehrchörigkeit. Das betrifft nicht nur die gesangliche Ebene, sondern auch die Gruppe der Musiker wird als Chor bezeichnet. Mehrstimmigkeit ist auch das Thema bei Michael Prätorius (1571-1621): Sein Benedicite Angeli bot dem Ensemble alle Möglichkeiten, auch individuell zu glänzen. Die Musiker und Sänger ließen sich anstecken von der Musik: ein beseeltes Lächeln, ein glückliches Gesicht, ein leichtes Zuzwinkern, als es gelungen war.

Mit Werken von Johannes Schmelzer (1623-1680) und dem „deutschen Großmeister“ Heinrich Schütz (1585-1672) – auch er hat von Gabrieli gelernt – endete dieses bemerkenswerte Klangerlebnis, das leider nur wenige Interessierte fand. „Uns hat es dennoch sehr viel Freude bereitet“, sagte ein zufriedener Thomas Hansen, der noch einmal auf die Komplexität der einzelnen Kompositionen hinwies. Die Proben waren hart und für jeden Musiker und Sänger eine große Herausforderung. Letztendlich hat die Nordfriesische Compagne es geschafft, „einen Schatz“ zu heben.

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