zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

12. Dezember 2017 | 00:09 Uhr

Starke Eindrücke für Auge und Geist

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Wahre Wunderwerke“: Nikolaus Störtenbeckers Farbholzschnitte sind bis zum 2. Juni in der Niebüller Stadtbücherei zu sehen

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2017 | 15:50 Uhr

Es ist ein spätes Zurückkommen nach Niebüll: 1984 war Nikolaus Störtenbecker erstmalig in der Stadtbücherei, um damals einer Ausstellung der jungen Frauke Gloyer beizuwohnen. Die Niebüllerin fühlte sich seinerzeit geehrt durch die Anwesenheit des großen Künstlers – und so ging es Büchereileiter Ronald Steiner 33 Jahre später auch. „Ich danke, dass Sie erschienen sind“, sagte sich der kunstsinnige Bibliothekar am Sonnabendvormittag.

Die Einführung zur Vernissage hielt Kurator Dr. Thomas Gädeke. Er nahm seine Aufgabe, „als Kunsthistoriker Künstler zu loben und zu preisen“, wörtlich. „Nikolaus Störtenbecker hat mit seinen Farbholzschnitten ein ganz eigenes Werk geschaffen. Sie haben die Intensität von Gemälden.“ Es seien wahre Wunderwerke, zum Teil mit bis zu elf Farbschichten gedruckt. Der Künstler habe „Schätze neu entdeckt“, nachdem er als Mitbegründer der Gruppe Zebra unter Popart-Einfluss die Gegenständlichkeit neu interpretiert habe. Eine komplexe Neuerstellung von Dingen im Bild, ohne auf die vorabstrakte Malerei zurückzugreifen, es geht dabei um die konkrete Erscheinung. Über die Illustration fand Störtenbecker den Weg zur Grafik und zum Siebdruck. Der nächste Schritt führte zur Holzdruckkunst.

„Die Farbholzschnitte, Thema der Ausstellung, sind eine besonders starke Seite seines Werkes und einzigartig im Kreis der Norddeutschen Realisten“, formulierte Gädeke. Störtenbecker habe sich durch Studium japanischer Vorbilder in diese Technik eingearbeitet und raffinierte Ergebnisse erzielt. Japanesk wirkt so ein „drachenartiges Selbstbildnis“. „Neben starkfarbigen Blumen- und Gartenbildern ist es immer wieder die Landschaft der Flensburger Förde, die er in wechselndem Wetter und Jahreszeit darstellt, oft durch Segler belebt.“

Doch auch Stillleben gehören dazu. Frauke Gloyer zeigte sich begeistert von einer Quittendarstellung: „So modern wirkt es.“ Andere Kunstfreunde zeigten sich von den Farbtönen des „Morsumer Watts“ sehr angetan, noch andere erfreuten sich an einer schlafenden Katze. Nikolaus Störtenbecker verwies auf das Bild vom Klatschmohn als „Hauptwerk“ und erläuterte, wie er seine Arbeit zelebriert: „Öliges zu drucken würde bedeuten, jede Farbschicht trocknen zu lassen“. Beim japanischen Verfahren nutzt der Künstler das Tageblatt, um die einzelnen Schichten feucht zu lassen, um direkt weiterzuarbeiten. „Dazu eignet sich das Zeitungspapier hervorragend.“ Dennoch war der Zugang zur japanischen Technik schwierig, denn „das Material leistet Widerstand“. Es sei eben keine Kunst am Computer, per Mausklick. „Ich glaube an das, was ich sehe“, zitierte Nikolaus Störtenbecker abschließend sein Credo. „Was ich daraus dann mache, das ist meine Kunst.“

Die Besucher, darunter auch der frühere Noldedirektor, Manfred Reuther, und die ehemalige Leiterin der Zentralbücherei Flensburg, Professorin Birgit Dankert, waren sich einig: Die rund 35 Farbholzschnitte, die in der Stadtbücherei gut gehängt zum Betrachten locken, sind eindrucksvoll. Wunderbare Farben, starke Impressionen, die das Auge ansprechen und den Geist animieren.





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen