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Ausstellung in Niebüll : Stadtbücherei zeigt Werke von Oskar Kokoschka

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bis Ende August können Interessierte die Werke des österreichischen Künstlers Oskar Kokoschka bestaunen.

Hochkarätige Kunst ist wieder einmal in Niebüll zu sehen, diesmal in der Stadtbücherei, dem heimlichen Kunsttempel der Stadt. Nach dem Tod von Andreas Brandt sind es die Kuratoren Dr. Thomas Gädeke und Professor Manfred Reuther, die hier unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Ein weiterer anerkannter Kunsthistoriker und Sammler ist der Hamburger Professor Dr. Heinz Spielmann, der aus seiner Stiftung Spielmann-Hoppe Reise-Zeichnungen (Lithografien) von Oskar Kokoschka zu Verfügung stellte. Ronald Steiner, Kunstliebhaber und Leiter der Stadtbücherei, hieß die Gäste willkommen, darunter Bürgervorsteher Uwe Christiansen und Amtsvorsteher Peter Ewaldsen. Professor Heinz Spielmann, von 1986 bis 1998 Landesmuseumsdirektor und Leiter der des Landesmuseums Schloss Gotttorf, lernte Oskar Kokoschka bereits in den 60er Jahren kennen.

„Ich kam gut mit ihm zurecht“, erinnerte er sich lächelnd. Als junger Abteilungsleiter im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg begann Spielmann zu dieser Zeit eine Jugendstilsammlung aufzubauen. „Oskar Kokoschka war dem Jugendstil zu Beginn verhaftet“, sagte der 86-Jährige in seiner Rede, „beeinflusst war er von seinem Förderer Adolf Loos.“ Der führte ihn 1908 an die ungarische Grenze, wo der 22-Jährige sein erstes Landschaftsbild malte. Kokoschka ging schnell einen eigenen Weg. 1910 entstanden zahlreiche psychologische Porträts, die sein Markenzeichen werden sollten.

 „Oskar Kokoschka beschäftigte sich mit der Wirklichkeit“, so Spielmann. Der Künstler malte den Menschen nicht wie er aussah, sondern wie er ihn erlebte bzw. empfand. Bereits 1912 hielt er in einem Vortrag fest: „Das Bewusstsein der Gesichte (Prophetie) ist kein Zustand, in welchem man Dinge erkennt oder einsieht, sondern ein Stand desselben, an dem es sich selbst erlebt.“ Das Erlebnis prägt laut Kokoschka das Bewusstsein. Und so malte er nicht das, was er sah, sondern das, was er empfand. Die Menschen erscheinen so als völlig verändert – im kantigen Hamburger Bürgermeister Max Brauer erkennt er den träumenden Knaben, der dieser vielleicht einmal war. Manche der Porträtierten wurden den Bildern erst später immer ähnlicher...

Oskar Kokoschka identifizierte sich immer wieder mit anderen, so als „Herumtreiber“ wie Odysseus oder als „Abschied von der Welt nehmender“ wie King Lear. „Sein Einfühlungsvermögen hat etwas Visionäres“, erläuterte der Kunsthistoriker. Er verwies auf sein Bild von New York, das in der Stadtbücherei zu sehen ist. „New York erscheint wie ein archäologisches Trümmerfeld.“ Nach den Nächten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs wollte Kokoschka Städte nur noch von oben malen. Dafür ließ er sich in Hamburg in einem Kran nieder.

Oder aber im Tropen-Institut. Der Hafen wirkt von oben seltsam verlassen, fast harmlos. Auch diese Zeichnungen sind in Niebüll zu betrachten. Sind es Meisterwerke? Hier muss der Betrachter beim Schauen schon ins Detail gehen. Kokoschkas Reiselust begann früh. Eine erste Reise führte ihn 1911 in die Schweiz, wo er die Berge im Bild festhielt. Die Landschaft als Erlebnis des Sehens. In der Stadtbücherei sind Reisebilder aus der Zeit nach 1945 ausgestellt. Besuche in Griechenland verstand der Künstler als Manifest der Freiheit – sein Lebensprinzip. In Apulien fand er Spuren des antiken Lebens, er gestaltete die abgemalten Stauen die er in den Museen in Florenz fand, wie „normale“ Menschen. Beim Gang durch die Ausstellung findet man einen „Flussgott“, sieht Delphi, erkennt Mandelbäume und freut sich vor allem über die Städte. Das Selbstbildnis zeigt den Meister als Zauberer – das war er zweifellos.

„Da ich kein Utopist bin, halte ich die Erde für die bestmögliche Welt“, zitierte Heinz Spielmann abschließend Oskar Kokoschka. Dieser empfahl, die Augen zu öffnen, um die „bezaubernde Realität des Alltags wahrzunehmen.“

Die Niebüller können dies bis zum 31. August zu den üblichen Öffnungszeiten der Stadtbücherei tun.

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