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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 07:18 Uhr

Stadt will dem Papierkrieg ein Ende bereiten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Computerprogramm soll digitalen Informationsaustausch ermöglichen

von
erstellt am 23.Feb.2015 | 12:04 Uhr

Wann es dem Papierkram an den Kragen geht, steht noch nicht genau fest. Vermutlich in der zweiten Hälfte des Jahres, eventuell auch etwas später. Aber dass es künftig auf den Stadtvertretersitzungen „papierlos“ zugehen soll, ist fest geplant. Die Stadt Niebüll strebt die Einführung eines sogenannten Ratsinformationssystems an. Ein Computerprogramm, das Politik und Bürgern eine digitale Informationen zur Verfügung stellt. „Was glauben Sie, wie viele Aktenordner bei mir stehen und wie dick die Unterlagen zu den Sitzungen sind“, bringt es Bürgervorsteher Uwe Christiansen, der die Änderung befürwortet, auf den Punkt. „Allein der Haushalt 2015 hat 342 Seiten.“ Und derartige Papierberge und Zettelwirtschaften gilt es nun einzudämmen. Bisher erhielten die Politiker Einladungen, Protokolle und Beschlussvorlagen in Papierform meist per Post nach Hause geliefert. Die Sitzungsunterlagen sollen künftig jedoch nur noch im Ratsinformationssystem zur Verfügung stehen. Die Betroffenen werden dann per Mail darüber informiert, dass neue Unterlagen vorliegen. So werden in naher Zukunft auf den Tischen im Sitzungssaal nicht mehr unzählige Blätter, sondern Tablet-PCs liegen. Und die Mitglieder der Stadtvertretung müssen nicht mehr ihre Zeigefinger befeuchten, um in den Vorlagen zu blättern, sondern mit ihren Fingerkuppen über das Display streichen. Sämtliche Schriftstücke können sich die Ausschussmitglieder am Bildschirm aufrufen und im Internet recherchieren. Auch den Bürgern stehen demnächst die kommunalpolitisch wichtigen Daten bereit. Wer einen PC, ein Tablet oder Smartphone besitzt, kann Tagesordnungen einsehen, Beschlussvorlagen oder Mitteilungen abrufen. Bis auf Vorlagen aus dem nichtöffentlichen Teil können sich die Interessierten jederzeit über die Arbeit ihrer gewählten Vertreter informieren.

Sinn und Zweck der Neuerung sind aber nicht nur ein schonender Umgang mit Ressourcen sowie die unproblematische Bereitstellung von Informationen, sondern langfristig geht es ebenso darum, Geld einzusparen – unter anderem durch den Wegfall von Porto- und Druckkosten. Eine Umstellung, die vorab mit Investitionskosten verbunden ist: Im Haushalt 2015 sind für die technische Umsetzung des Vorhabens rund 38  000 Euro vorgesehen. Etwa 45 Tablets werden benötigt, Stromanschlüsse müssen beispielsweise gelegt, Software und Router bereitgestellt werden.

„Man darf sich den neuen Medien nicht verschließen“, bekräftigt Uwe Christiansen den Wunsch nach Veränderung. Ihm ist jedoch bewusst, dass die Politiker unterschiedlich lange brauchen werden, um sich an die neue Arbeitsweise zu gewöhnen. „Es wird für viele ein schwerer Lernprozess nötig sein“, sagt er. Denn die wenigsten von ihnen seien mit Tablets und Computer aufgewachsen. Trotzdem wagten bereits Städte wie Husum, Westerland oder auch Tondern den Schritt in die Zukunft. Mit der Installierung des neuen Systems wäre Niebüll die erste Kommune in Südtondern, die nicht nur von der „papierlosen Sitzung“ redet. Andere Gemeinden können folgen.

Derzeit ist eine Arbeitsgruppe damit beschäftigt, Grundfragen zur Einführung des Computerprogramms zu klären: Wie machen das andere Kommunen? Wie müssen die Räumlichkeiten vor Ort ausgestattet sein? Wie können die künftigen Nutzer sinnvoll geschult werden? „Das Ganze ist kein Teufelswerk“, sagt Frerk Matthiesen, Leiter im Büro des Amtsdirektors beim Amt Südtondern, der mit zur Arbeitsgruppe gehört, „sondern die Mitglieder der Stadtvertretung nutzen die Vorteile der Technik, um sich auf einen ressourcensparenden Weg in die Zukunft zu machen.“

Am Donnerstag, 26. Februar, 18 Uhr, findet die nächste Stadtvertretersitzung statt. Auf der Tagesordnung steht der Haushaltsplan 2015. Und dann könnten die formalen Voraussetzungen für den Abschied von den Papierbergen geschaffen werden.

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